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Praxis 12. September 2006

Eine Alternative zum Fixzinskredit

Die vergangenen Jahre waren geprägt von einem historisch niedrigen Zinsniveau. Diese Zeit könnte vorbei sein. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Zinsen in naher Zukunft wieder steigen werden – das kann auch ansatzlos und stark geschehen. Ein „Zinscap“ könnte Sinn machen.

Vielen sind die 1980-er Jahre noch gut in Erinnerung: Kredite über zehn Prozent – selbst im Schweizer Franken – waren damals keine Seltenheit. Zu dieser Zeit gab es auch schon Zinsabsicherungsformen, allerdings nur bei sehr hohen, für Ärzte unrealistischen Kreditvolumina. Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen werden von zwei österreichischen Großbanken Zinsabsicherungen für Mitglieder der INFINA (= Plattform unabhängiger Finanzierungsexperten) bereits für Kredite in „normaler“ Größenordnung angeboten.

Sonderformen von Wertpapieren

Diese Zinsabsicherungen sind eine Sonderform von Wertpapieren. Sie können für neue Kredite bei Kreditaufnahme, aber auch für bereits bestehende Kredite verwendet werden, müssen aber nicht. Da Zinscaps „Wertpapiere“ darstellen, können sie auch ohne aufrechtes Kreditverhältnis als Spekulationspapier verwendet werden. Dadurch sind sie mit Optionen vergleichbar. Zu bestimmen sind die Laufzeit, der Kreditbetrag sowie die Zinssatzgrenze (Strike), ab welcher der Zinscap fällig wird. Bei Überschreiten der Grenze übernimmt die Bank die Differenz zwischen aktuellem Zinssatz und vereinbarter Obergrenze. Durch die faktische Unabhängigkeit vom Kredit kann etwa ein Eurokredit mit einem Zinscap für Franken abgesichert werden oder umgekehrt. Auch eine frühere Rückzahlung setzt den Cap nicht außer Kraft, er hat genauso wie andere Wertpapiere einen Wert am „Sekundärmarkt“. Daher ist es auch ohne weiteres möglich und machbar, dass der Kredit bei der Bank „A“ abgeschlossen wurde, der Zinscap aber mit der Bank „B“ abgesichert wird. Der Preis hängt von der Laufzeit und dem gewählten Zinssatz ab. Je länger die Laufzeit, desto unsicherer sind sich auch die Banken über die Zukunft, was natürlich mit einem Risikoaufschlag erkauft werden muss.

Zinscap günstiger als Fixzinsvereinbarung

Ein Zinscap ist einmalig im Voraus zu bezahlen, kann aber in den abgesicherten Kredit mit aufgenommen werden, und zwar unabhängig davon, bei welcher Bank der Kredit besteht. Für die Banken ist ein Zinscap laut Fritz Bauer, Unternehmens- und Vermögensberater in Trofaiach, „eine sehr willkommene Absicherung, da größere Zinssatzerhöhungen bei Ärzten leicht einmal zu Zahlungsschwierigkeiten führen können“. Zielgruppe für diese Absicherung sind aus Bauers Sicht risikobewusste Ärzte, die eine preiswerte Alternative zum Fixzinskredit haben wollen. Und das bei variablen Zinsvereinbarungen, die zu einer sicheren, kalkulierbaren „Zinsenzukunft“ führen. „Im Gegensatz zum Fixzinskredit ist beim Zinscap nur die Obergrenze abgesichert, von einem sinkenden Zinsniveau profitiert hingegen der Kreditnehmer“, so Bauer.

Obergrenzenabsicherung nicht ganz unumstritten

Er schätzt die durchschnittlichen Zusatzkosten durch einen Zinscap mit etwa 0,7 Prozent des Kreditvolumens pro Jahr: „Somit ist diese Absicherung deutlich günstiger als eine Fixzinsvereinbarung. Für betriebliche Kredite ist ein Zinscap natürlich steuerlich absetzbar.“ Doch diese Absicherung ist nicht ganz unumstritten. Für Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz, ist der Zinscap das Ergebnis zweier unterschiedlicher Markteinschätzungen: „Einerseits glaubt der Kreditnehmer, dass der Zinssatz lange genug über dem vereinbarten Zinssatz liegen wird, andererseits ist die Bank natürlich vom Gegenteil überzeugt.“ Welche Bank auch immer zu Rate gezogen wird, welcher Artikel auch immer zu diesem Thema veröffentlicht wird – laut Triller werden immer Beispiele angeführt, in denen nur der Kunde „gewinnt“. Was allerdings ist, wenn der Zinssatz die Obergrenze nicht erreicht, der Kreditnehmer jedoch für die vereinbarte Laufzeit den Preis für die Absicherung bezahlt hat? Triller: „Selbst wenn die Obergrenze überschritten wird, stellt sich die Frage nach der Gesamtbelastung.“

Beruhigung vor Ersparnis

Der Zinscap ist ganz sicher ein gutes Absicherungsmodell bei hohen Finanzierungsvolumina, die hauptsächlich im Firmenkundenbereich angesiedelt sind. Diese Möglichkeit wird nun auch bei kleinerem Volumen gegeben. Triller fragt nach dem „Warum“: „Umsonst ist nichts, und wir können davon ausgehen, dass die Bank sehr wohl zu ihren Gunsten kalkuliert.“ Der Gerechtigkeit halber muss jedoch angeführt werden, dass es sehr wohl auch Gewinner geben kann. Für Triller stellt sich der Zinscap daher als „Beruhigungsmittel“ dar. Der Kunde könne bei seiner Finanzierung mit einem Höchstzinssatz kalkulieren, die Bank bei richtiger Einschätzung das Risiko besser kalkulieren. Triller ist daher nicht generell gegen solche Modelle, weist aber darauf hin, dass diese Option angesichts der unzähligen Varianten von Zinscaps für jeden Kunden individuell geprüft werden müsse.

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