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Praxis 12. September 2006

Ordinationsbau auf solidem Finanzboden

Dr. Karl Pistracher ist Allgemeinmediziner mit Hausapotheke und seit April dieses Jahres in Vitis im Waldviertel niedergelassen. Er hatte Glück: Aufgrund einer „idealen“ Praxisübergabe konnte er nahtlos an die Tätigkeit seines Vorgängers anschließen.

Ohne die Scheinzahl zu nennen, gehört Pistracher bereits im zweiten Quartal des Ordinationsbetriebs zu den größeren Arztpraxen. „Natürlich mit entsprechendem Arbeitseinsatz, aber die Hilfe meines Vorgängers in allen Belangen hat es mir möglich gemacht, einen idealen Start hinzulegen“, so der Allgemeinmediziner.

Vorteil beim Praxisstart

Das betrifft vor allem die Ordinationsräumlichkeiten. Der Vorgänger will diese im Privatbesitz behalten, da sie neben dem privaten Wohnhaus stehen. Er hat sie freundlicherweise aber für die Übergangszeit zur Verfügung gestellt. „Nur so konnte dieser Start gewährleistet werden“, betont Pistracher. Nun steht allerdings der Neubau einer Ordination an. Solche Vorhaben erfordern neben viel Platz eine exzellente Planung – und vor allem die richtige Größe. „Selbstverständlich steht der finanzielle Einsatz damit in Einklang“, sagt Pistracher, der mit einem riesigen Investitionsvolumen rechnet. Die Summe für den Neubau plus die Erstinvestition für die Übernahme der Praxis ergeben ein Finanzierungsvolumen, welches das Vorstellungsvermögen eines ehemaligen Turnusarztes deutlich überschreitet. Was für geübte Finanzspezialisten ein „normaler“ Betrag ist, stellt für einen jungen Arzt mit jahrelangem Bezug zu Spitalsgehältern eine überdimensionale Summe dar. Dies war auch der Grund, Dagmar Triller vom Basler Ärztedienst zu Rate zu ziehen. Schließlich nimmt man in aller Regel – wenn überhaupt – nur einmal im Leben solche Summen in die Hand und ist damit nicht nur als Arzt total überfordert. Triller kennt die Anspannung in solchen Situationen: „Der Arzt hat mit Problemen im Anfangsstadium des Ordinationsbetriebs mehr als genug zu tun. Er fängt ohnehin schon zu schwitzen an, wenn man die Finanzierungssumme nennt.“ Daher ist professionelle Hilfe gefragt, vor allem beim Kampf um Spesen und Nebengebühren.

Mit professioneller Hilfe das Problem der Bonität meistern

Das Volumen an sich macht trotz erstklassiger Bonität meist dennoch große Probleme. „Obwohl Ärzte mit Kassenvertrag üblicherweise eine gute Bonität aufweisen, rückt die eine oder andere Bank mit einem Riskmanager an, der so manchen Arzt an der Machbarkeit seines Vorhabens zweifeln lassen würde“, so Triller. Dies führt zu leichter Verunsicherung, die sich sofort in den Konditionen niederschlagen kann – und bei diesem Volumen ist bereits ein Nachteil von einem Viertel Prozentpunkt eine unglaublich hohe Summe. Triller legt auch auf Sicherheit großen Wert, deshalb werden bei der Refinanzierung immer große Sicherheitspolster eingebaut. Die Währungsaufteilung beträgt in diesem Fall etwa ein zu zwei Drittel Euro und Schweizer Franken. „Die Aufteilung erfolgte im Sinne der Risikominimierung auch gleichmäßig zwischen Ratenkredit und endfälliger Finanzierung“, berichtet Triller.

Nebenkosten als Goldgrube

Die Einbeziehung eines auf Ärzte spezialisierten Steuerberaters erweist sich hierbei als unverzichtbar. Allein durch eine geschickte und vor allem steuerlich haltbare Konstruktion der Baufinanzierung sind nennenswerte Summen zu sparen. Auch der Blick auf die Nebenkosten erweist sich hier als Goldgrube. „Was von Ärzten oft übersehen oder einfach nicht geprüft wird, ergibt bei der vorliegenden Finanzierung einen Unterschied von ungefähr acht Prozent des Kreditvolumens über die gesamte Laufzeit zwischen Bestbieter und Bank mit dem schlechtesten Angebot“, so Triller. Das wäre ein riesengroßes Körberlgeld für die Bank. Als großes Problem erwiesen sich die Sicherheiten. „Trotz erstklassiger Bonität werden die Banken ab einer bestimmten Summe einfach nervös“, weiß Triller. Dann kommt das Verlangen nach unnötigen und teuren Risikoabsicherungen, beispielsweise Grundbücher von Privatliegenschaften. „Doch genau hierbei darf bei der vorliegenden Bonität nicht nachgegeben werden“, so Triller. „Manche Verhandlungen waren von Seiten der Bank wie Gerichtsverhandlungen gestaltet, mit dem Arzt als Angeklagtem.“ Dass dafür kein Grund bestand, machte Triller schließlich klar. Das Um und Auf sei, solide Ärztefinanzierungen so einzurichten, dass sie selbst bei höherem Kreditvolumen bereits innerhalb der vorgesehenen Frist getilgt werden können.

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