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Praxis 6. September 2006

Finanziellen Absackern vorbeugen

Wenn die Ordination floriert, verliert so mancher Arzt das Augenmaß für finan-zielle Vorsorge. Konstruktive Geldanlage unterliegt keiner Faustregel, als Untergrenze empfehlen Anlageberater zehn Prozent vom Einkommen.

Dr. Harald S. ist ein „klassischer“ Fall: Mit knapp über 40 Jahren steht er im Zenit seiner ärztlichen Tätigkeit. Die Ordination ist im Rahmen der Erwartungen angelaufen. Praxiskredite sind vorhanden und werden wie geplant bedient. Auch privat ist eine Summe, die für ein Einfamilienhaus verwendet wurde, aushaftend. Für die Familie mit zwei Volksschulkindern geht sich alles wunderbar aus, auch auf Urlaube muss nicht verzichtet werden.

Der klassische Fall: Blick voraus geht verloren

Doch mit der finanziellen Vorsorge für die Zukunft hat es Dr. S. im Zuge der vielen Ereignisse in den vergangenen Jahren, wie Hochzeit, Ordinationsgründung, Nachwuchs und Eigenheim, nicht so genau genommen. „Dieser Fall ist ein Klassiker, ganz unabhängig von der Verdienstgrößenordnung und von der Tatsache, ob es sich um einen Kassen-, Wahl- oder Klinikarzt handelt“, so Fritz Bauer, Unternehmens- und Vermögensberater in Trofaiach/Obersteiermark. Gerade in dieser Situation erkennen viele Ärzte nicht, dass die Einkommenssituation sicher einmal schlechter werden wird. Spätestens in der Pension sind Einbußen zu erwarten. Aber auch die Zeit davor ist vor Engpässen nicht gefeit. „Die Natur macht uns vor, dass Rücklagen immer gebraucht werden können“, so Bauer. „Sei es für die Ausbildung der Kinder, bei Krankheit oder Unfällen, fami­liären ‚Unpässlichkeiten’ oder einfach deshalb, weil das Tagwerk aufgrund interner oder externer Einflüsse weniger Familieneinkommen abwirft.“

Kluge Sparstrategie

Deshalb sollte jeder Arzt mit Verantwortungsgefühl dafür sorgen, dass immer genügend Reserven für finanzielle Eventualitäten vorhanden sind. Bauer: „Grundsätzlich kann man nie genug auf der Seite haben. Allerdings macht es keinen Sinn, nur zu sparen und sich für das Leben nichts mehr zu gönnen.“ Es gebe zwar keine Faustregel, aber zwischen zehn und 25 Prozent vom Einkommen anzusparen, sei sicher kein Fehler. In der Praxis geht das allerdings nicht immer so einfach. So manchem Arzt fehlt die Initialzündung dafür, wie er mit konstruktiver Geldanlage beginnen sollte. „Gerade hier ist die professionelle Hilfe eines Vermögensberaters gefragt“, rät der Unternehmensberater, „zu unterschiedlich sind die Persönlichkeitsstrukturen der Menschen.“

Unterschiedliche Ansprüche

Während der eine problemlos beispielsweise regelmäßige oder unregelmäßige monatliche Zahlungen selbst in die Hand nehmen kann, braucht der andere mit Unterstützung beispielsweise eines Abbuchungsauftrages schon eine „straffe“ Führung. Ebenso unterschiedlich sind die Ansprüche im Hinblick auf Sicherheit und Renditeerwartung. Grundvoraussetzung ist natürlich, sein Einkommen zu kennen. „Erstaunlich viele Ärzte wissen nicht, wie viel Geld sie privat zur Verfügung haben“, gibt Bauer zu bedenken. Entscheidend sei auch der Beginn von Ansparungen. „Wer früher beginnt, hat einen dreifachen Vorteil“, betont der Unternehmensberater. „Er hat sich noch nicht an den Verbrauch des gesamten Einkommens gewöhnt, daher fällt ihm das Sparen grundsätzlich leichter. Er braucht dann auch weniger Sparrate pro Zeiteinheit, um ein bestimmtes Vermögen aufzubauen.“ Dritter Vorteil sei zweifelsohne die Möglichkeit, aufgrund der Fristigkeit in ertragreichere Anlageformen gefahrlos investieren zu können. Mit zunehmendem Interesse für die finanziellen Angelegenheiten kommen auch Erfahrung und Verständnis. Laut Bauer behandeln zu viele Ärzte Geld immer noch wie ein Stiefkind. Ihm sind deshalb „interessierte Ärzte“ lieber als „Kunden“: „Wer die Zusammenhänge der Finanzwelt erst einmal begriffen hat, kann auch selbst den Markt beobachten und Entscheidungen im Bereich der Anlageformen treffen.“ Natürlich ist auf die Naturgesetze im Bereich der Geldanlagen Rücksicht zu nehmen. „Es gibt immer einen Zusammenhang zwischen Ertrag, Risiko, Volatilität und Verfügbarkeit des Kapitals“, gibt Bauer zu bedenken. „So macht es beispielsweise wenig Sinn, Geld für einen bevorstehenden Hausbau in ein Aktiendepot zu legen und gleichzeitig Zahlungen für die Pension auf ein Sparbuch zu tätigen.“

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