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Praxis 6. September 2006

Ein Wahlarzt am richtigen Standort

Dr. Gernot Mayer aus Steyr in Oberösterreich hat seinen Traum erfüllt und sich als Dermatologe auf Wahlarztbasis niedergelassen. Die Entscheidung zur Inanspruchnahme professioneller Unterstützung bei der Planung war richtig.

„Ich wollte weg aus dem Spital und mich selbständig machen. Die Chance auf einen Kassenvertrag war äußerst gering, aber das Wahlarztdasein hat ja nicht nur Schattenseiten“, blickt Mayer zurück. Für ihn kamen zum Jahreswechsel 2005 auf 2006 mehrere Standorte in Frage. Über das Praxis & Wirtschaft-Gründungsseminar bekam er Kontakt zu Dagmar Triller, Financial Managerin des Basler Ärztedienstes. Mayer hat schließlich auch die EDV-gestützte Standortanalyse des Basler Ärztedienstes in Anspruch genommen, deren Ergebnis sehr aussagekräftig war.

Faktoren für Analyse von Niederlassungsalternativen

Konkurrenzkampf, Marketing oder Verdrängungswettbewerb bekommen auch für die Führung einer ärztlichen Praxis immer mehr Bedeutung, daher wird die Wahl des Standortes immer wichtiger. Neben der Anzahl der Einwohner, der Geschlechteraufteilung und der Altersstruktur der Bevölkerung sind für einen Wahlarzt auch die Einkommensverhältnisse von Belang. Wichtig sind laut Triller auch folgende Fragen: „Womit verdient die Bevölkerung ihr Geld? Wie hoch ist die Arbeitslosenrate? Gab es in den letzten Jahren verstärkte Abwanderungstendenzen? Vor allem aber muss die Mitbewerberlandschaft analysiert werden: Wie viele Kollegen der gleichen Fachrichtung arbeiten in diesem Gebiet? Wie alt sind diese Kollegen und welche Leistungen bieten sie an? Als Idealstandort mit dem größten Potenzial wurde Mayer unter den mittels EDV-Programm analysierten Möglichkeiten schließlich Steyr empfohlen, wo er seit Jahreswechsel denn auch ordiniert.

Bei der Finanzierung bringt Expertise bares Geld

Als nächster Schritt wurde die Finanzierung der Ordination bearbeitet. Die Räumlichkeiten wurden im Gesundheitszentrum, das im Besitz der Ärztekammer steht, angemietet. Zu finanzieren war deshalb „nur“ die Einrichtung samt Geräten. Summa summarum ergab sich eine Finanzierungssumme von 225.000 Euro – sicher keine geringe Last für einen Wahlarzt. Auch hier kam Triller ins Spiel: „Dr. Mayer hätte diese Finanzierung selbständig nur unter ­enormem Zeitaufwand und sicher nicht zu den letztlich ausverhandelten Konditionen abwickeln können. Ihm waren gewisse Spesen und Nebengebühren, die eine Finanzierung enorm verteuern können, nicht bekannt.“ Ein Hauptgrund für diesen „Erfolg“ war wohl der Businessplan inklusive Auswertung der zugrunde gelegten Standortanalyse. „Ein auf soliden Daten basierender Businessplan erhöht die Bonität eines Arztes bei den Banken schlagartig und ist heutzutage ein unverzichtbarer Bestandteil einer Praxisgründungsplanung“, weiß Triller.

„Es hat sich ausgezahlt!“

Mayer ist sich sicher, dass er ohne die Expertin größere Schwierigkeiten bei der Praxisgründung gehabt hätte: „Für mich hat es sich bereits nach kurzer Zeit ausgezahlt, die Dinge einem Spezialisten zu überlassen. Ich bin dafür nicht ausgebildet und habe davon wenig Ahnung.“ Die Rechnung ist offenbar aufgegangen. Die betrieblichen Zahlen entwickeln sich sogar besser als in der üblicherweise immer etwas vorsichtiger ausgeführten Planrechnung. Mayer orientiert seine Honorare an den Kassentarifen der GKK plus 35 Euro für die Erstordination. Dieser Tarif ermöglicht es ihm, einerseits zu für Patienten vernünftigen und bezahlbaren Beträgen kostendeckend zu arbeiten und gleichzeitig die Medizin seiner Wahl mit der dafür notwendigen zeitlichen Zuwendung anbieten zu können. Der Vorsorgeanteil in seiner Ordination liegt bei etwa 20 bis 30 Prozent, die Ausbeute an gefährlichen Melanomen ist bei ihm außergewöhnlich hoch. Mit neun Melanomen während der ersten acht Monate bei etwa 4.500 Patienten liegt er um mehr als das 20-fache über dem offiziellen Schnitt für Österreich. Er ist daher fest überzeugt, entgegen der offiziellen Ansicht auch als Wahlarzt stark zur Basisversorgung der Bevölkerung beizutragen - und ist auch stolz darauf. Der Dermatologe nutzt übrigens auch alternative Angebote zur Optimierung seiner Ordination. Gemeinsam mit einer Kollegin an einem anderen Ort setzt er ein teures Lasergerät im Zwei-Wochen-Rhythmus ein. So lassen sich Fixkosten optimal in Grenzen halten. Die Finanzierung erfolgt über einen gemeinsamen Leasingvertrag, sogar eine Transportversicherung für das Gerät wurde abgeschlossen. Immerhin hat keiner der Kassenärzte vor Ort so ein hochwertiges Gerät zur Verfügung. Somit besteht ein weiterer positiver Beitrag zur Patientenbindung.

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