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Praxis 23. August 2006

Schreckgespenst Kontrollmitteilung

Jeder Geschäftsfall zwischen zwei Unternehmern muss sich spiegelbildlich in den Büchern des jeweils anderen wiederfinden. „Was bei einem Geschäftspartner beispielsweise ein Ertrag ist, muss in den Unterlagen des anderen als Aufwand aufscheinen und umgekehrt“, so Horst Jünger, Ärztesteuerberater in Innsbruck.

Jedem Betriebsprüfer steht es frei, Rechnungen aus den Büchern eines geprüften Unternehmens herauszupicken und zur Ausstellung so genannter Kontrollmitteilungen für ein anderes Unternehmen heranzuziehen. „Das so entstandene Kontrollmaterial wird sodann an das Finanzamt des jeweiligen Kontrahenten zur Überprüfung weitergeleitet“, berichtet Jünger.

Die auffällige Klimaanlage

Dazu ein Beispiel, das die Klimaanlage für die Privatvilla eines Facharztes betrifft. Bei der Betriebsprüfung eines Unternehmens, das Klimaanlagen repariert und installiert, wurden die getätig­ten Umsätze anhand von Arbeits- und Materialscheinen kontrolliert. Dabei fiel ein Kunde auf, der sowohl für seine Privatvilla als auch für seine zahnärztliche Ordination Klimageräte bestellt hatte. Die zwei unterschiedlichen Lieferadressen gingen eindeutig aus den Kostenvoranschlägen, Stundenaufzeichnungen und Übernahmeprotokollen hervor. Rechnung gab es allerdings nur eine, wonach sämtliche Klimageräte in der Ordination eines Arztes installiert wurden. Als Prüfungspunkt besonders beliebt sind von einer (Pharma-) Firma bezahlte Urlaubsreisen außerhalb beruflicher Kongresse. Werden Ärzte von einer Firma auf einen Kongress eingeladen, führt dies nur dann nicht zur Steuerpflicht, wenn es sich um eine steuerlich anerkannte berufliche Reise handelt. Lädt die Industrie jedoch zu einer so genannten Studienreise nach Ägypten ein und besteht die dort gebotene Fortbildung der Ärzte aus der Besichtigung von Pyramiden, dann findet die Finanz in den Büchern der Pharmafirma wieder klassisches Kontrollmaterial zur Überprüfung der korrespondierenden steuerlichen Erfassung als Einnahmen bei den mitreisenden Ärzten. „Auch in den Aufzeichnungen von Pharmafirmen enthaltene Zahlungen an Ärzte für beauftragte Studien führen in der Praxis immer wieder zu Kontrollmitteilungen“, macht Jünger aufmerksam.

Heikle Rabatte für Ärzte

Heikel wir es laut Jünger bei Rabatten auf Ärztebedarf in Form von Gutscheinen für private Konsumgüter. Einige Firmen geben zum Jahresende eine Art Treue- oder Umsatzrabatt in Form von Gutschriften für private Konsumgüter, beispielsweise für Sportgeschäfte, an die Ärzteschaft weiter. Auch diese Ausgaben werden von den Prüfern gerne zu Kontrollmitteilungen verarbeitet. Ebenfalls immer wieder im Visier der Finanzprüfer sind von Primarii an nachgeordnete Ärzte bezahlte Poolgelder. Damit die Primarärzte die weitergegebenen Gelder aus ihrer eigenen Bemessungsgrundlage zur Erhebung der Einkommensteuer ausscheiden können, müssen sie einen Nachweis erbringen, an welche Personen sie Poolgelder in welcher Höhe weitergegeben haben. Jünger: „Auch hier ist es für die Finanz meist leicht, an Kontroll-material zu kommen, um die erklärten Umsätze der nachgeordneten Ärzte einer Prüfung zu unterziehen.“ Der Steuerberater empfiehlt, in jedem Fall Ordnung in den eigenen Unterlagen zu halten: „Manche Ärzte lassen sich leichtfertig dazu hinreißen, solche ‚Kleinigkeiten’ ab und an zu vergessen. Doch die Prüfer der Finanz sind gerade hier oft besonders eifrig.“ Insbesondere bei Geschäften mit anderen Unternehmen oder Arztkollegen, die denselben Geschäftsfall spiegelbildlich in ihren Unterlagen haben, können Fehler in den eigenen Aufzeichnungen leicht zu Tage kommen. Meist resultieren daraus schmerzliche steuerliche Folgen.

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