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Praxis 23. August 2006

Steuerzuckerl für Vermögensaufbau

Mit Beginn des nächsten Jahres können Einnahmen/Ausgaben-Rechner einen Investitionsfreibetrag nützen. Wer beispielsweise das Wartezimmer neu einrichten möchte, sollte damit, wenn möglich, bis Jänner 2007 warten.

Im Rahmen der KMU-Förderung (Klein- und Mittelbetriebe) beschlossene Neuerungen stehen auch Ordinationsbetreibern offen. „Vereinfacht gesagt, kann für Investitionen in bestimmte Wirtschaftsgüter mit der Steuererklärung ein Teil der damit verbundenen Herstellungs- oder Anschaffungskosten vom Gewinn abgezogen werden“, erläutert Mag. Rudolf Siart, Steuerberater in Wien.

Auflagen für Wirtschaftsgüter

Für den Investitionsfreibetrag gilt, dass die Güter körperlich, ungebraucht und abnutzbar sein müssen (Ausnahme: Anleihen). Außerdem sind die Wirtschaftsgüter vier Jahre lang im Anlagevermögen zu behalten. „Scheiden sie vorher aus, muss der Steuervorteil rückgängig gemacht werden“, so Siart. Der Freibetrag gilt bis zur Höhe der Anschaffungskosten, davon können bis zu zehn Prozent des Jahresgewinns geltend gemacht werden. Insgesamt sind bis zu 100.000 Euro als Freibetrag möglich. „Es entsteht also eine Art Doppelabschreibung“, erklärt Siart. „Einerseits kann das Wirtschaftsgut im Jahr der Anschaffung im Zuge des Investitionsfreibetrages voll geltend gemacht werden, andererseits findet die herkömmliche Abschreibung für Abnutzung (AfA) davon unberührt statt.“

Anstehende Investitionen auf 2007 verschieben

Der Steuerberater empfiehlt daher dringend, bei bevorstehenden Investitionen zu überlegen, ob ­diese auf 2007 verschoben werden können, um den Investitionsfreibetrag zu nutzen: „Sollte etwa das Wartezimmer neu eingerichtet werden, wäre es mit Sicherheit sinnvoll, damit bis Jänner 2007 zu warten.“ Wer keine neuen Wirtschaftsgüter benötigt, kann trotzdem in den Genuss eines besonderen Steuerzuckerls kommen. Statt der körperlichen Anlagegüter können auch Wertpapiere angekauft werden, allerdings nur Anleihen oder Kapitalanlagefonds, die überwiegend in Anleihen investieren. „Selbstverständlich ist es sinnvoll, den offenen Rest des Investitionsfreibetrages mit derartigen Wertpapieren aufzufüllen“, rät Siart.

Anleihen und Anleihenfonds als Investitionsgüter

Der Staat fördert somit auch den Aufbau von Vermögen. Die ins Anlagevermögen gewidmeten und somit begünstigten Anleihen sind mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) endbesteuert. Siart: „In diesem Punkt besteht somit nicht einmal ein Unterschied zu im Privatvermögen gehaltenen Wertpapieren.“ Wenn am Jahresende Restkapital vorhanden ist, bietet sich ab 2007 die Möglichkeit, Anleihen und Anleihenfonds als „Investitionsgüter“ zu kaufen. Diese müssen mindestens vier Jahre im Anlagevermögen gehalten werden. Im Extremfall können also Anleihen und Anleihenfonds um 100.000 Euro begünstigt erworben werden. Aktien sind nicht als begünstigte Investitionsgüter zugelassen. Das steuerpflichtige Einkommen reduziert sich dadurch um maximal 100.000 Euro, die Einkommensteuer folglich um maximal 50.000 Euro (50 Prozent Spitzensteuersatz).

Was das Steuerzuckerl bringt

Siart rechnet vor: „Ein Arzt kann am Jahresende 100.000 Euro Gewinn vor Steuern aufweisen. Zur Veranlagung sei jeweils eine festverzinsliche Anleihe mit vier Prozent Zinssatz und fünf Jahren Laufzeit angenommen. Ausgabekurs und Kurs zum Verkaufszeitpunkt sind ident. Nutzt der Arzt das Steuerzuckerl, verfügt er nach fünf Jahren über einen Endwert (nach Abzug der KESt) von 11.641 Euro, ohne Steuerzuckerl hätte er, rein rechnerisch, nur 5.820 Euro, da die verlorene Steuerersparnis nicht veranlagt worden wäre.“ Gegenüber einem gewerblichen Einnahmen/Ausgaben-Rechner sind Ärzte hier im Vorteil, denn um das Maximum von 100.000 Euro Investitionsfreibetrag zu nützen, bedarf es eines Gewinnes in Höhe von 1 Million Euro. Ein gewerblicher Einnahmen/Ausgaben-Rechner muss jedoch schon ab 400.000 Euro Umsatz eine Buchhaltung einrichten und verliert somit den Anspruch auf den Investitionsfreibetrag. Dies trifft auf freiberuflich tätige Ärzte nicht zu.

 

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