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Praxis 18. Juli 2006

Ein Arzt im Ordinationscontainer

Die Gesetzgebung und Verwaltungspraxis rund um Apotheken treibt mitunter seltsame Blüten. So auch in der 1.100 Seelen-Gemeinde Rabensburg im nördlichen niederösterreichisch-tschechisch-slowakischen Grenzgebiet.

Seit mehr als zwei Jahren spielt sich in Rabensburg eine Meter-Fuchserei um die für die Einrichtung einer ärztlichen Hausapo-theke vorgeschriebene Distanz ab. Betroffen ist die Praxis von Dr. Karim Piroty-Dehbokry. Dieser engagierte Landarzt konnte für die von Überalterung gekennzeichnete Landgemeinde gewonnen werden. Von ihm verschriebene Medikamente müssen allerdings in Nachbarorten besorgt werden. Die nächstgelegene Apotheke befindet sich in Hohenau/March. Das An-suchen des Arztes um eine Haus-apothekenkonzession lässt den Amtsschimmel wiehern. Wie schon in vielen Fällen zuvor, wird auch in Rabensburg die Vernunft beiseite gelegt und stattdessen über Verfahrensdetails gestritten. Diesmal war der Abstand der Ordination zur Apotheke in der Schusslinie. Gestritten wird nach wie vor, ob die Entfernung zwischen dieser Apotheke und der Arztpraxis nun 6.134 Meter oder nur 5.914 Meter beträgt: 6.134 sind es laut Angaben der Gemeinde und des Mistelbacher Bezirksjuristen auf dem Weg über die Hauptstraße. 5.914 Meter gibt die Apothekenleitung an, wobei sich diese Strecke nur über einen verwinkelten, teils schmalen Abschneider, der zusätzlich mit Fahrverbot belegt ist, ergibt (siehe Foto). Ein Lokalaugenschein ergab eine Distanz von 6,3 Kilometern, wobei selbstverständlich – offenbar entgegen der Vorstellung des Apothekers – die Gesetze eingehalten wurden.

Petition der Bevölkerung

Wie dem auch sei, für die großteils immobile Bevölkerung ist es unerheblich, ob der Abstand 5,9 oder 6,3 Kilometer beträgt. Im Herbst 2005 hatten rund 80 Prozent der Patienten zugunsten der Schaffung einer Hausapotheke in der Praxis von Piroty unterschrieben. Diese Liste mit exakt 468 Unterzeichnern wurde am 20. Oktober vergangenen Jahres an die zuständigen Verwaltungsbehörden übergeben. Es scheint allerdings nicht im Interesse der Gesundheitsversorgung speziell in abgelegenen, ländlichen Regionen zu sein, die dort ansässige Bevölkerung zu respektieren. Das alles hinderte auch die Hohenauer Apothekenleitung ebenso wenig wie eine Abweisung durch den Verwaltungsgerichtshof, zum inzwischen bereits dritten Mal gegen die Schaffung dieser ärztlichen Hausapotheke Einspruch zu erheben.

Container als Lösungsversuch

Zwischenzeitlich hat Piroty die Konsequenzen gezogen, um möglichst alle Zweifel an seiner Bereitschaft zur Erfüllung der rechtlichen Vorgaben auszuräumen. Seit Jahreswechsel ordiniert er in einem Container in größerer Distanz zur Hohenauer Apotheke; eine eigentlich absurde Lösung, um einer noch absurderen Lösung zu begegnen. Dies ist nur eines von zahllosen Beispielen der letzten Jahre, in denen die bestehende Rechtslage der Bevölkerung sinnlose Situationen zu deren Nachteil beschert.

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