zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 4. Juli 2006

Gesundheitszentrum mit Energiebewusstsein

In Kirchdorf haben sich Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen zusammengetan. Sie setzen nicht nur auf interdisziplinäre Versorgung der Patienten, sondern auch auf ein innovatives Energiekonzept.

Mehrere Jahre wurde in Kirchdorf (Oberösterreich) über ein Ärztezentrum diskutiert, verschiedenste Varianten wurden teils bis in die Planungsphase durchgedacht. „Eine Gruppe von Ärzten, die sich schon durch den Turnus im Krankenhaus Kirchdorf kannte, hat sich dann zusammengeschlossen und den Plan endlich in die Tat um-gesetzt“, blickt der Radiologe Dr. Heinz Domes zurück.

Versorgungslücke gefüllt

Bis zur Eröffnung des Zentrums im Mai 2005 gab es in der Region weder einen niedergelassenen Radiologen noch einen Lungenfacharzt. Viele Patienten mussten deshalb lange Fahrtstrecken in Kauf nehmen. Im „Gesundheitszentrum Kirchdorf“ ordinieren nun auch ein HNO-Facharzt, ein Gynäkologe, ein zweiter Radiologe und eine Logo-pädin. Auch ein Hörgeräteanbieter ist im Haus untergebracht.

Nutzung der Räume langfristig sichergestellt

Durch die Gründung einer GesmbH, in der alle Mediziner des Gesundheitszentrums auch Gesellschafter sind, ist die langfristige medizinisch-therapeutische Nutzung der Räume sichergestellt. Einmal im Monat kommen alle Partner zusammen, wobei es nicht nur um finanzielle und organisatorische Fragen geht, sondern vor allem auch um den fachlichen Austausch. „Die auch außerhalb dieser Treffen stattfindende, aktive interdisziplinäre Zusammenarbeit war von Anfang an eine zentrale Säule des Konzepts“, ergänzt der Gynäkologe Dr. August Walch, einer der Ärzte im Gesundheitszentrum Kirchdorf. Wichtig für ein derartiges Projekt ist, sich aufeinander gut einstellen zu können, um miteinander die komplexen Bereiche der Finanzierung und Organisation zu bewältigen, betonen Domes und Walch. „Dazu gehört auch der Umgang mit Veränderungen während der Konzeption“, so Domes. Das Projekt war zunächst als Standardgewerbebau geplant, relativ bald wurde aber klar, „dass wir nicht nur auf eine optimale Versorgung der Patienten, sondern auch auf Nachhaltigkeit in Energiefragen setzen wollen“. Solche Entscheidungen erfordern einen Konsens auf breiter Basis. Die Architektur des Objekts orientiert sich am Niedrigenergiestandard: Die Gebäudeheizung arbeitet nun mit einer Wärmepumpe, Tiefbohrungen werden im Sommer auch zur Gebäudekühlung eingesetzt. Automatische Beschattungssysteme und eine kontrollierte Belüftung sind mit Wärmerückgewinnung gekoppelt, mit einer Photovoltaikanlage sollen ca. 30 Prozent des gesamten Stromverbrauchs selbst produziert werden.

Modernes Energiekonzept

„Die aktuellen Trends auf dem Erdgasmarkt und bei der Entwicklung des Strompreises geben uns Recht“, ist Domes überzeugt. Die Investitionen würden sich innerhalb von zehn Jahren amortisieren, ganz abgesehen vom Beitrag zum Klimaschutz. „Damit zeigen wir, dass auch bei gewerblich genutzten Objekten ein fortschritt-liches Energiekonzept umsetzbar ist“, argumentiert der Radiologe. Geplant sind im Gesundheitszentrum auch gemeinsam organisierte Veranstaltungen rund um das Thema Vorsorge, wie Gesundheitstage und Vorträge. Die gezielte Unterstützung der Arbeit von Selbsthilfegruppen in der Region liegt der Ärztegemeinschaft ebenso am Herzen. „Das Gebäude kann jederzeit mit einfachen Mitteln erweitert werden“, sagt Domes, „langfristig ist vorgesehen, wei-tere Fachärzte bzw. Therapeuten dazu zu gewinnen.“

Homepage:
www.gesundheitszentrum-kirchdorf.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben