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Praxis 21. Juni 2006

Modernes Medizinverständnis als gemeinsamer Faktor

In Seiersberg bei Graz besteht seit sechs Jahren ein Ärztezentrum mit acht Fachärzten, die mit verschiedenen Therapeuten zusammenarbeiten.

Der Internist Dr. Manfred Großschädl hatte seit 1997 in Seiersberg eine Ordination. Zunächst neben einer vollen Verpflichtung im LKH Bruck an der Mur, ab dem Jahr 2000 dann „ganz“ als Wahlarzt. „In diesem Jahr kam in meine Räume auch der Facharzt für Chirurgie, Dr. Rudolf Schrittwieser, dazu, den ich schon seit langem kenne“, berichtet Großschädl. „Dies war die Keimzelle für das Ärztezentrum Seiersberg (AZS).“ Als eine lokale Bekleidungsfirma einen Neubau plante und die Idee eines solchen Zentrums reifte, suchten und fanden Großschädl und Schrittwieser einige weitere Kollegen. Die Bekleidungsfirma ist im Erdgeschoss. Im behindertengerecht zugänglichen zweiten und dritten Stock bieten nun neun Fachärzte, eine Physiotherapeutin, eine Logopädin, ein Heilmasseur sowie eine Kinesiologin ihre Dienste an. Eine Besonderheit des im Jahr 2003 eröffneten Ärztezentrums ist ein Hallenbad mit einem zehn Meter hohen Tauchturm. Hier finden regelmäßig Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene statt bzw. Tauchkurse und Aquajogging. Dorthin können Patienten beispielsweise zur Bewegungstherapie überwiesen werden.

Jede Menge Vorteile für Ärzte und Patienten

Zur Ärzteriege gehören auch ein Neurologe, ein Gynäkologe, ein Zahnarzt, ein Orthopäde sowie Fachärzte für Dermatologie, HNO und Pädiatrie. Die vorhandenen Ordinationen werden gemeinsam genutzt. „Gerade für Wahlärzte ist ein solches Modell interessant, da Synergien entstehen und gleichzeitig die laufenden Kosten sinken“, erklärt Großschädl. „Zudem werden für viele Patienten die Wege kürzer, und eine Abklärung bestimmter Symptome ist unmittelbar möglich.“ Alle Mieter des AZS treffen sich etwa einmal im Monat, um Organisatorisches zu besprechen. Viel Zeit wird aber auch dem interdisziplinären Austausch und der Besprechung gemeinsamer Fälle eingeräumt. „Wir wollten mit der Gründung des AZS einen Schritt in Richtung modernes Medizinverständnis setzen. Dabei spielen sicher die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten sowie das breite Angebot für die Patienten eine zentrale Rolle“, erklärt Großschädl. Ein entscheidender Qualitätsfaktor ist für ihn die patientenorientierte Behandlung durch die Wahlärzte, die sich ausreichend Zeit nehmen können: „Die Behandlung von Notfällen wird weiter hauptsächlich eine Domäne der Spitäler sein, aber ansonsten ließe sich viel mehr im niedergelassenen Bereich abfangen, insbesondere durch interdisziplinäre Modelle wie das AZS.“ Für den Internisten ist dabei auch die enge Kooperation mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern wichtig. Als bedeutenden Schwerpunkt des AZS sieht Großschädl das breite Feld der Gesundheitsvorsorge, das „in der Kassenmedizin oft zu kurz kommt oder überhaupt keinen Platz hat“. So bieten die Mieter des AZS auch Kurse in der Gemeinde an. Ein weiterer Fixpunkt in den Räumen das AZS sind Gruppen für Menschen mit Diabetes im Rahmen des steirischen Diabetesprojekts sowie Patienten mit Bluthochdruck.

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