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Praxis 21. Juni 2006

Unternehmensberater schlägt Alarm

Fritz Bauer, Unternehmensberater für niedergelassene Ärzte in Trofaiach/Obersteiermark, schlägt Alarm: „Die Einkommenssituation eines Teils unserer Kunden wird sich im Jahr 2006 dramatisch zu deren Ungunsten verändern.“ Ursache dafür seien vor allem die Auswirkungen der jüngsten Reformschritte im Gesundheitssystem.

Hauptleidtragende der Entwicklung sind die Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag. „Allein durch den Wegfall von Facharztüberweisungen aufgrund der e-Card weisen fast alle Ordinationen einen Rückgang der Patientenfrequenz auf“, so Bauer. Als Basis wurden die Daten von etwa 200 betreuten Kunden aus einigen Bundesländern verwendet, von denen etwa 50 in der angeschlossenen Steuerberatungskanzlei auch steuerlich betreut werden.^

Stadtnahe Praktiker sind benachteiligt

Ein Problem dabei ist sicher auch, dass nun gerade jene Scheine fehlen, mit denen bisher viele an sich unterbezahlte Leistungen ausgeglichen werden konnten. Eine Hochrechnung des Umsatzrückganges lässt sich im Schnitt mit fünf Prozent beziffern. Bereits das würde sich laut Bauer mit zehn Prozent Nettoeinkommensrückgang auswirken. Stadtnahe Praktiker sind hier besonders benachteiligt. Aber damit nicht genug. Nimmt man allein die Kosten für Investitionen und laufende Betriebskosten, die durch die e-Card zusätzlich anfallen, kommt man inklusive Abschreibungen leicht auf durchschnittliche 2.000 Euro pro Jahr. „Offenbar ausgeweitete Ordinationszeiten lassen auch ein Anwachsen der Personalkosten durch verstärkte Überstundenhäufigkeit beobachten“, so Bauer. Hauptleidtragende seien in beiden Fällen die Hausärzte, die speziell am Land oft sehr große Ordinationen mit mehr als fünf Angestellten und ebenso vielen EDV-Arbeitsplätzen betreiben. Das alles frisst durchgerechnet locker noch einmal fünf Prozent vom Nettoeinkommen, so dass daraus in Summe etwa 15 Prozent Verlust in der Privatschatulle durch Bürokratie und Gesundheitsreform resultieren. „Diese Größenordnung geht sich in vielen Ordinationen einfach nicht aus“, weiß Bauer. Die Lebenshaltung von Ärzten ist oft mit wenig Spielraum ausgelegt, wer bisher zehn Prozent vom Nettoeinkommen als Reserve weglegen konnte, war schon zufrieden. Diese Einschränkung führt bei vielen Ärzten über kurz oder lang zu Problemen. Zu groß sind meistens die betrieblichen Investitionserfordernisse. Und, so Bauer: „Auch ein Arzt hat ein Privatleben, das finanziert werden muss.“ Der Unternehmensberater schätzt, dass etwa 20 Prozent der Ärzteschaft schon bisher zumindest leichte Liquiditätsprobleme hatten. Diese würden durch die jüngste Entwicklung noch verschärft und den Verhandlungsspielraum mit der Kasse noch geringer machen. Die Inflation ist in diesen Berechnungen noch nicht berücksichtigt.

Steuerberater aktivieren

Vor einer Infragestellung des Vertrages empfiehlt Bauer auf jeden Fall, zunächst die eigene Ordination zu prüfen und sich durch betriebswirtschaftliche Optimierung so gut wie möglich auf die Situation einzustellen: „Ärzte sollten von ihrem Steuerberater ruhig einfordern, die notwendigen Zahlen zu ermitteln und rechtzeitig Gegenmaßnahmen vorzuschlagen.“ Viele Ärzte werden leider erst Ende 2007 oder Anfang 2008 vom Einkommen 2006 wissen. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich dann allerdings kaum noch etwas richten. Was macht nun Bauer bei den eigenen Kunden, wo betriebswirtschaftliche Optimierungen schon durchgeführt wurden? „Hauptansatzpunkt ist sicher die Sensibilisierung des Kunden für die Situation. Jeder Arzt muss erkennen, dass die Zeichen auf Sturm stehen, und sich in den kommenden Jahren einiges ändern kann und wird.“ Auch wenn es unangenehm klingt, sollten verschiebbare Investitionen noch einmal überdacht werden, damit auch eine „Kriegskasse“ angelegt werden kann.

www.buerokratiestopp.at

Derzeit zeichnet sich ein beginnender Sturmlauf gegen die diversen Auswüchse der Bürokratisierung im Gesundheitswesen ab (www.buerokratiestopp.at). Die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen der Ärzte aller Art im öffentlichen Gesundheitssystem haben sich derart verschlechtert, dass auch die Patienten immer mehr darunter leiden werden. Bauer sieht keine Alternative zu einem lautstarken Protest. Die Ärzteschaft sollte sich seiner Ansicht nach auch den Einschnitt beim Einkommen nicht gefallen lassen, da sich ohne Kursänderung in Zukunft keine vernünftige Ordinationstätigkeit mehr finanzieren lassen wird. „Die Ärzteeinkommen sind mittlerweile im Schnitt geringer als die Einkommen leitender Angestellter“, vergleicht Bauer, „obwohl Ärzte eine akademische Ausbildung haben und wesentlich mehr Verantwortung tragen.“

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