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Praxis 14. Juni 2006

Doppelte Haftpflicht vermeiden

Die Deckung gerechtfertigter Ansprüche sowie die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche sind Aufgaben einer Haftpflichtversicherung. Fälschlicherweise wird aber immer wieder angenommen, dass die Abwehr durch die Rechtsschutzversicherung erfolgt.

Dr. Peter S., Inhaber einer Praxis für Allgemeinmedizin, hatte nicht seinen besten Tag. Zunächst hatte er von seiner Ärztekammer erfahren, dass sich einer seiner Patienten an die Schlichtungsstelle wegen eines angeblichen Behandlungsfehlers gewandt hatte. Keine große Sache, dachte Dr. S., er war sich keiner Schuld bewusst. Aber es bedeutete zusätzliche Arbeit und Scherereien: Stellungnahme schreiben, Patientenakt zusammenstellen, Versicherung anrufen. Außerdem hatte er eben von seiner Frau erfahren, dass sein Jüngster wohl etwas zu rasant mit dem Fahrrad unterwegs war. Dem Junior war zwar nichts passiert, aber eine ältere Dame, die der Sohn gestreift hatte, musste sicherheitshalber doch mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht werden. „Selbstverständlich ist das eine konstruierte Häufung von Missgeschicken, die eher unwahrscheinlich ist“, kommentiert Dir. Wilhelm Zieger, Leiter des Basler Ärztedienstes in Graz. Doch anhand dieser Beispiele ließe sich darlegen, welche Haftpflichtversicherung für welchen Schaden zuständig ist.

Haftung nur bei Verschulden

„Grundlegend bei solchen Versicherungen ist die Voraussetzung, dass man nur dann haftet, wenn ein Verschulden vorliegt“, betont Zieger. Schuldhaftes Verhalten, Eintreten eines Schadens oder Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschaden führen zur Deckung gerechtfertigter Ansprüche durch die Haftpflichtversicherung. Natürlich kann auch ein Schaden ohne Verschulden entstanden sein. „In diesem Fall besteht die Aufgabe einer Versicherung in der Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche“, so Zieger. Die Deckung gerechtfertigter Ansprüche sowie die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche sind also die Aufgaben einer Haftpflichtversicherung. Laut Zieger wird immer wieder fälschlicherweise angenommen, dass die Abwehr durch die Rechtsschutzversicherung erfolgt.

Ärztehaftpflicht wofür?

Ein größeres Problem ist die Abgrenzung, welche Haftpflichtversicherung für welchen Schaden zuständig ist. Eine Ärztehaftpflichtversicherung versichert das Risiko der ärztlichen Tätigkeit sowie den Betrieb einer Ordination. Deckungsumfang, Ein- und Ausschlüsse, räumlicher und zeitlicher Geltungsbereich, Versicherungssummen oder Erweiterungsmöglichkeiten sollen hier aus Platzgründen nicht erläutert werden. Von Bedeutung allerdings ist, dass fast alle Gesellschaften entweder in den Allgemeinen oder in den ergänzenden Bedingungen eine Deckungserweiterung mit folgendem Wortlaut übernehmen: „Versichert sind auch Schadenersatzverpflichtungen des Versicherungsnehmers aus der Innehabung von Grundstücken, Gebäuden oder Räumlichkeiten, die ausschließlich für den versicherten Betrieb oder Beruf und/oder ausschließlich für Wohnzwecke des Versicherungsnehmers benützt werden.“ Dies bedeutet laut Zieger, dass die Ärztehaftpflichtversicherung bereits die Haus- und Grundhaftpflichtversicherung für alle Gebäude, Wohnungen und Grundstücke des Arztes beinhaltet. Diese Immobilien dürfen allerdings nicht vermietet werden, sondern müssen ausschließlich privaten oder beruflichen Zwecken dienen.

Sinnlose Doppelversicherung

„Man sollte daher einmal die Bündelversicherung seines Wohnhauses oder Wochenenddomizils überprüfen“, rät Zieger. „Oft ist man dann überrascht, dass fast immer eine eigene Haus- und Grundhaftpflichtversicherung vorhanden ist.“ Die Prämie sei zwar meist nicht sehr hoch, aber eine Doppelversicherung in jedem Fall sinnlos. „Die ersparte Summe reicht allemal für ein feines Abendessen zu zweit“, meint Zieger. Doppelgleisigkeit resultiere mitunter daraus, dass sich ein Berater bei den Bedingungen nicht wirklich auskennt. Dennoch kann es Sinn machen, bewusst eine Doppelversicherung in Kauf zu nehmen, z.B. für Hundebesitzer. Die meisten Gesellschaften schließen nämlich in einer eigenständig abgeschlossenen Haus- und Grundhaftpflichtversicherung das Risiko der Haltung eines Hundes ein. Dies kommt dann vielleicht billiger als eine eigene Hundehaftpflichtversicherung. „Wenn also ein Arzt ein Eigenheim und einen Hund sein eigen nennt, kann eine Doppelversicherung im Bereich Haus- und Grundhaftpflichtversicherung sinnvoll sein“, so Zieger, „obwohl sie in der Ärztehaftpflichtversicherung an und für sich bereits eingeschlossen wäre.“ Meist ist das eine einfache Rechnung. Da ein direkter Zusammenhang zwischen dem versicherten Wert des Hauses und der Höhe der Prämie der Haus- und Grundhaftpflichtversicherung besteht, ist bei teureren Häusern eine eigene Hundehaftpflichtversicherung billiger. Zu beantworten bleibt noch die Frage, was mit dem Sprössling von Dr. S. passiert, der die alte Dame angefahren hat. „Diesen Schaden deckt die Privat- und Sporthaftpflichtversicherung, die meist in der Haushaltsversicherung eingeschlossen ist, aber auch als eigene Polizze bestehen kann“, erklärt Zieger. Wie bei allen Haftpflichtversicherungen sollte auch bei der Privat- und Sporthaftpflichtversicherung regelmäßig der Deckungsumfang überprüft werden. Die Versicherungssumme sollte mindestens eine Million Euro betragen, ein weltweiter räumlicher Geltungsbereich wäre ideal. Wenn Kinder den elterlichen Haushalt verlassen und vielleicht schon ein eigenes Einkommen haben, kann es notwendig sein, für sie eine eigene Privathaftpflichtversicherung abzuschließen. Schadenersatzverpflichtungen aus Sportunfällen können unter Umständen sehr teuer kommen.

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