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Praxis 7. Juni 2006

Schwere Trennung von der Hausbank

Vertrauen ist gut. Wenn aber der Pleitegeier die Flügel zu schwingen beginnt, ist Expertise gefragt. Steht ein Bankwechsel zur Diskussion, sollten Ärzte auf professionelle Unterstützung zurückgreifen.

„Viele Ärzte sind mit ihrer Bank quasi verheiratet, die ‚Ehe‘ gestaltet sich allerdings oft genug alles andere als glücklich“, weiß Dagmar Triller, Financial Manager beim Basler Ärztedienst. „In vielen Fällen besteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das es dem Kunden schwer bis unmöglich macht, die Bank zu wechseln.“

Die Kunst der Überzeugung

Anlass für einen Bankwechsel ist allzu oft eine leicht überstrapazierte Finanzsituation. „In solchen Fällen ist es schwierig, eine andere Bank zu überzeugen, das bestehende Obligo zu guten Konditionen zu übernehmen“, so Triller. Die Gründe liegen auf der Hand. Während in vielen Dienstleistungsbereichen wie selbstverständlich ein Experte zu Rate gezogen wird, ist das beim Umgang mit Geld noch nicht wirklich üblich. „Das Finanzamt will viel Geld, Steuerberater werden zur Wahrung der Interessen des Arztes und zur Minimierung des verlangten Geldes zwischengeschaltet“, analysiert Triller. „Die Bank will aber auch Geld, nur kommt kaum ein Arzt von sich aus auf die Idee, einen Fachmann mit der Verhandlungsführung zu betrauen.“ Ärzte haben weder die Ausbildung noch die Erfahrung, Vergleiche im Zusammenhang mit Kreditvergabe selbst durchzuführen und brauchen daher einen Profi. „So wie kein Patient mit dem Ausdruck von Laborwerten etwas anfangen kann“, zieht Triller einen Vergleich. Es gibt auch immer wieder Ärzte, die im unerschütterlichen Vertrauen zu ihrer Hausbank der festen Überzeugung sind, dass ein Vergleich unnötig sei. „Sie reagieren dann meist sehr erstaunt, wenn man bessere Angebote vorlegt“, berichtet die Finanzierungsexpertin. Viele Ärzte überschätzen auch ihre Fähigkeiten als Finanzmanager und glauben, durch heftiges Verhandeln von Zinsbruchteilen Erfolge zu erzielen.

Anhaltender Vertrauensverlust

Leider kommt die Erkenntnis oft spät. Ist allerdings das Vertrauen zur Bank erst einmal erschüttert, helfen auch nachgebesserte Angebote wenig. Triller: „Vertrauensverlust im Finanzbereich ist durch nichts zu kitten, deshalb steht ein Bankwechsel auf der Prioritätenliste manches Arztes ganz weit oben.“ Wie in allen anderen Dienstleistungsbereichen auch, steht es dem Kunden grundsätzlich frei, den Anbieter jederzeit zu wechseln. Doch was sich klar, logisch und einfach anhört, gestaltet sich im Einzelfall oft schwierig. Das liegt auch an den Sicherheiten, über die die „alte“ Bank verfügt. „Wenn bereits verhandelte Kreditverträge in Bezug auf Sicherheiten für den Kunden gut ausverhandelt wurden, hat man realistische Möglichkeiten“, sagt Triller. „Aber gerade bei angespannten Situationen ist das häufig nicht der Fall, da sich die Bank schon alles Verwertbare unter den Nagel gerissen hat.“

Zusatzkosten erschweren oft den geplanten Wechsel

Viele Ärzte sind schon in einer Situation angelangt, wo auch keine neue Bank Freude mit dem Neukunden hat und etwaige Kreditanträge sogar ablehnen muss. Triller: „Schließlich kommen bei einem Bankwechsel auch eine ganze Menge an Zusatzkosten auf den Kunden zu, was einen Wechsel gerade in angespannter Situation auch nicht leichter macht.“ Ein gutes Beispiel sind bestehende Fixzinsvereinbarungen. Auch Gebühren wie Grundbucheintragungen können gravierend sein, immerhin betragen die Kosten bei Neueintragung 1,2 Prozent vom Pfandrecht. Sicherheiten, aus denen man nur schwer oder mit großem finanziellem Aufwand herauskommt, sind daher laut Triller auch der Hauptgrund für Bankenwechsel, die trotz Wunsch nicht zustande kommen.

Neuordnung der Finanzen und Nachverhandlung

Vor dem Wechsel gibt es allerdings noch andere „vertrauensbildende“ Maßnahmen, die versucht werden sollten. Oft gelingt durch eine Neuordnung aller finanziellen Angelegenheiten die Schaffung einer besseren Übersicht. Diese kann möglicherweise auch mit dazu beitragen, die Bedingungen durch Nachverhandlung zu verbessern. Im Grunde muss, wie in anderen Lebensbereichen auch, eine Kosten-/Nutzen-Rechnung angestellt werden. Wer die Wechselkosten sowie die neuen im Vergleich zu den alten Bedingungen verfügbar hat, kann eine Gesamtbelastung errechnen und vergleichen, nach welcher Zeit ein Wechsel „verdient“ ist.

Der „Schuss“ kann auch nach hinten losgehen

Dennoch macht es nicht in allen Fällen Sinn, die alte Bank in der Hoffnung auf Verbesserung der Bedingungen den Wechselgedanken spüren zu lassen. „Bei normaler Finanzierungssituation mag das zwar Sinn machen, da die Bank vielleicht einen bonitätsstarken Kunden nicht verlieren will“, erläutert Triller, „bei angespannter Situation kann der Schuss allerdings nach hinten losgehen.“ Dann besteht nämlich nicht nur kein Grund, bei den Konditionen nachzuziehen, vielmehr ist eine Verschärfung der Situation etwa durch Fälligstellung durchaus denkbar. In solchen Situationen empfiehlt Triller, unbedingt, einen externen Spezialisten zu Rate zu ziehen: „Es kommt schließlich auch kein Arzt auf die Idee, eine heikle Steuerprüfung ohne einen Steuerberater durchzuziehen.“

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