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Praxis 31. Mai 2006

Leasing – eine kleine Wissenschaft

„Im Gegensatz zum Kauf eines Pkw ist Leasing eine Mischung von Mietvertrag und Kreditvertrag“, erklärt Mag. Wolfgang Leonhart, Ärztesteuerberater in Wien. Risikoübernahme und steuerliche Aspekte sind je nach Leasing-Variante unterschiedlich.

Im Bereich des Kfz-Leasing überwiegt das so genannte Finanzierungsleasing. Der Leasingnehmer schließt mit dem Leasinggeber einen Vertrag, wonach er der zivilrechtliche Eigentümer des Pkws wird. Der Leasinggeber stellt das Auto gegen Bezahlung der Leasingrate zur Verfügung. Dabei wird laut Leonhart zwischen Finanzierungsleasing, Operating-Leasing und Marktpreis-Leasing unterschieden. Beim Finanzierungsleasing muss der Leasingnehmer wie bei einem Kreditvertrag mit der Bank die Leasingraten einhalten. Sonst wird der Leasinggegenstand eingezogen und anschließend verwertet bzw. ein wahrscheinlich aushaftender Restbetrag eingefordert werden.

Komplizierte Steuerregelung

Beim Finanzierungsleasing trägt der Leasingnehmer, wie bei einem Kreditvertrag, das Risiko hinsichtlich des geleasten Pkws, das in den meisten Fällen durch entsprechende Vollkasko-Versicherungen abgedeckt werden muss. „Bei Leasing-Pkws wird durch eine komplizierte steuerliche Regelung sicher gestellt, dass nur eine Leasingrate, die einer achtjährigen Nutzungsdauer entspricht, abgesetzt werden darf“, so Leonhart. Damit ein Pkw-Leasingvertrag als solcher auch steuerlich anerkannt wird, müssen bestimmte Rahmenbedingungen eingehalten werden. Die von Leasingfirmen angebotenen Bedingungen entsprechen im Regelfall diesen steuerlichen Normen. So muss die Grundmietzeit zwischen 40 Prozent und 90 Prozent der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (bei Pkw acht Jahre) betragen.

Teilamortisations-Leasing

Im Falle des Teilamortisationsleasings werden innerhalb der Grundmietzeit die Gesamtkosten des Fahrzeuges nicht zur Gänze amortisiert. Diese Leasing-Variante ist steuerlich weniger proble-matisch. Bedeutsam ist hier die Kalkulation des Restwertes. Besteht eine Kauf- oder Mietverlängerungsoption auf Basis des Restwertes und ist dieser erheblich niedriger als der voraussichtliche Schätzwert, dann liegt kein Leasingvertrag vor. Wenn kein Restwert vereinbart wurde und der Leasinggeber gleich einem Vermieter das alleinige und volle Verwertungsrisiko des PKWs trägt, besteht keine Verpflichtung zur Bildung eines steuerlichen Aktivpostens. Die Rate darf also zur Gänze im Jahr der Bezahlung abgeschrieben werden. In diesem Fall darf der Leasingvertrag nur die Angabe der Laufzeit des Leasingvertrages, Anschaffungswert und das Leasingentgelt enthalten, in keinem Fall aber den Restwert. „In Verträgen dieser Art wird jedoch regelmäßig neben der Angabe der Kilometerleistung auch ein Verrechnungssatz über Mehrkilometer angeführt“, macht Leonhart aufmerksam. Bei solchen Leasingverträgen trägt die Leasinggesellschaft das Risiko der Verwertung des Leasingobjektes. In diesem Fall ist laut Finanzministerium keine Bildung eines Aktivpostens vorzunehmen.

Luxustangente bei allen Finanzierungsformen

Wesentlich für solche Verträge ist, dass es sich nicht um einen Vollamortisationsvertrag handelt, keine Restwertvereinbarung besteht und der Leasinggeber das wirtschaftliche Risiko der Verwertung trägt. Die Angemessenheitsprüfung (Berechnung der Luxustangente) ist auch bei gemieteten Pkws durchzuführen, Ausnahmen gibt es bei kurzzeitigen Anmietungen. Schließlich können auch Leasingverträge abgeschlossen werden, bei denen zwar ein Kündigungsrecht für eine bestimmte Zeit ausgeschlossen ist, die Berechnung der Leasingrate aber nicht von den Anschaffungskosten des Leasinggebers abgeleitet wird. Die Rate wird vielmehr in der Form berechnet, dass der Verkehrswert des Fahrzeuges sowie eine umfassende Risikotragung für das Fahrzeug in die Kalkulation eingehen. Derartige Leasingverträge führen nicht zur Bildung eines Aktivpostens. Voraussetzung dafür ist, dass der in die Kalkulation der Leasingrate eingehende Verkehrswert wesentlich von den tatsächlichen Anschaffungskosten des Leasinggebers abweicht, kein Restwert vereinbart ist und dem Leasingnehmer keine Kaufoption eingeräumt wird.

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