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Praxis 23. Mai 2006

Hohe Hürden für einen guten Kredit

Die Berufsbezeichnung Arzt reicht für gute und vor allem schnelle Kreditvergabe schon lange nicht mehr aus. Heute wird das Profil des Kreditwerbers genau beurteilt. Von dieser Einschätzung hängen nicht nur die Kreditzusage, sondern ganz wesentlich auch die Konditionen ab.

„Wenn heutzutage ein Arzt für eine Praxisgründung einen Kredit benötigt, hat er es wesentlich schwieriger als ein Arzt vor 20 Jahren“, so Dagmar Triller, Financial Manager vom Basler Ärztedienst. Die Standortfrage für die neue Praxis ist hierbei der wohl wesentlichste Punkt, der von immer mehr Banken genauer hinterfragt wird. „Flexibilität beim Arzt ist gefragt“, sagt Triller. „Wer bereit ist, die Wahl seines Standortes an die wirtschaftlich notwendigen Gegebenheiten anzupassen, wird es auch bei der Kreditver-gabe leichter haben.“ Hierbei geht es um glaubwürdige, realistische und detaillierte Businesspläne. Je besser die Bonität eines jungen Arztes ist, desto günstiger sind seine Finanzierungskosten. „Und eine gute Planrechnung wirkt natürlich positiv auf die Bonität“, so Triller.

Viele Neukredite für Wahlärzte

Bei etablierten Ärzten – vor allem im Kassenbereich – kann die Kreditbeurteilung aufgrund von zahlreichen vorhandenen Daten aus der Vergangenheit relativ leicht vollzogen werden. Im Gegensatz dazu sind Neukredite, die in zunehmendem Maße an Wahlärzte vergeben werden, eher schwierig im Voraus zu beurteilen. Neben der Planrechnung und einigen anderen Faktoren sind daher Sicherheiten für die Banken von besonderer Bedeutung. Triller sieht Sicherheiten als Zugriffsmöglichkeiten einer Bank, wenn sich unerwartete Liquiditätsschwierigkeiten ergeben. Hierbei unterscheidet man zwischen materiellen und immateriellen Sicherheiten. Wesentliches Kriterium ist, ob die Bank im Fall der Fälle schnell und problemlos an die benötigte Liquidität zur Kreditrückführung kommt.

Das Spektrum der Sicherheiten

Beliebte materielle Sicherheiten sind Sparbücher, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert oder Grundbucheintragungen. Im Gegensatz dazu gibt es einverleibungsfähige Pfandurkunden, Bürgschaften oder Eigentumsvorbehalte an Geräten, die in aller Regel schwieriger einzulösen sind. „Natürlich ist den Banken das leicht Liquidierbare lieber“, so Triller. „Traumkunde ist jener Arzt, der eigentlich gar keinen Kredit bräuchte, weil er alles in Eigenmittel hinter-legen kann.“ Doch dieser „Wunsch“ entspricht fast nie der Realität. Die verschiedenen Besicherungsmöglichkeiten werden unterschiedlich gewertet und weisen auch unterschiedliche Auswirkungen und Gefahren für die Beteiligten auf. Ein Sparbuch kann voll gewertet werden, Aktiendepots und Investmentfonds werden je nach Zusammensetzung beurteilt. Je risikoreicher eine Anlageform, desto geringer ist die Bewertung als Sicherheit. Laut Triller ist etwa das Ausstellen einer Pfandurkunde Vertrauenssache und lässt sich daher nicht direkt bewerten. Lebensversicherungen als zusätzliche Absicherung sind in der Regel Standard, allerdings ist beim Abschluss einiges zu beachten. Bei der Bewertung als Sicherheit kommt es nämlich auf die Rückkaufswerte an, also darauf, was der Vertrag bei vorzeitiger Kündigung abwirft. Das ist in aller Regel ein eher geringerer Betrag, weshalb eine vorzeitige Auflösung von Lebensversicherungen im Normalfall nicht zu empfehlen ist. Von Bürgschaften rät Triller dringend ab: „Sie sind mit Vorsicht zu genießen, denn Bürgen werden genauso wie Kreditnehmer durchleuchtet. Man muss sich also mit einer Bonitätsprüfung im üblichen Ausmaß anfreunden.“ Eine Bürgschaft lässt sich prozentuell auch nicht bewerten, es sei denn, der Bürge gibt zusätzlich materielle Sicherheiten her, die auf seinen Namen laufen. Doch wer will und kann das schon? Wenn die Bank eine Bürgschaft will, sollten ohnehin die Alarmglocken langsam zu läuten beginnen. „Sie werden von einer Bank nämlich nur dann verlangt“, so Triller, „wenn die gewünschte Finanzierung so knapp ausgelegt ist, dass die anderweitig vorhandenen Sicherheiten nicht ausreichen.“

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