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Praxis 9. Mai 2006

Aufruhr durch „Negativschlagzeilen“

Die Berufsgruppe der Journalisten rangiert im Beliebtheitsranking der Bevölkerung im untersten Bereich, jedenfalls weit abgeschlagen hinter den Ärzten. Doch die ärztliche Tätigkeit ist von öffentlichem Interesse – und damit kann jeder Praxisbetreiber auch einmal in die Schusslinie eines Mediums kommen.

„Sehen sich Praxisinhaber mit einer negativen Schlagzeile in den Medien konfrontiert, läuten die Alarmglocken“, weiß Viktoria Hausegger, Spezialistin für Ärztemarketing in Wien. Was zwar selten vorkommt, kann im Ernstfall aber auch den Todesstoß bedeuten. Eine schnelle, unbesonnene Reaktion ist dann allerdings noch schädlicher als ein klärendes Gespräch mit der Redaktion. „Die beste Prävention ist regelmäßige Pressearbeit“, empfiehlt Hausegger.

Klagsdrohung vermeiden

Kommt ein Arzt dennoch in die Schlagzeilen, dann sollte eine Reaktion immer „überlegt“ erfolgen. „Wer sofort mit einer Verleumdungsklage reagiert, mag zwar im Recht sein“, so Hausegger, „doch in den Augen der Öffentlichkeit wirkt man damit wenig dialogfähig.“ Wird der diplomatische Weg erst gar nicht beschritten, kann das Image sogar noch mehr Schaden erleiden. Eine „Gegen-darstellung“ hat laut Hausegger einen entscheidenden Nachteil: „Die meisten Menschen glauben kein einziges Wort davon.“

Sachlich bleiben

Oft erzeugt eine negative Meldung in einer oder zwei Zeitungen einen Schneeballeffekt. Dennoch besteht eine Chance, die „Lawine“ vor ihrem Entstehen zu stoppen. Zunächst sollte telefonisch Kontakt mit dem Verfasser der Meldung aufgenommen werden. Hausegger: „Auch wenn man ihn am liebsten anbrüllen oder mit geballter Faust niederstrecken möchte, sollte man möglichst sachlich und auf jeden Fall freundlich bleiben.“ Zum Einstieg in das Gespräch können etwa folgende Worte gewählt werden: „Ich habe Ihren Bericht über unsere Ordination gelesen und bin sehr beunruhigt.“ Dann sollten kurz die Folgen be-schrieben werden, die der Artikel für die Ordination hat, z.B. „Bei uns haben heute morgen schon fünf Patienten angerufen und sind total verunsichert“. Der Arzt sollte auch Bereitschaft signalisieren, sich aktiv an der Klärung der Vorwürfe zu beteiligen: „Mir ist auch im Interesse der Öffentlichkeit sehr daran gelegen, die Vorwürfe schnell zu klären. Gerne möchte ich deshalb von Ihnen wissen, wie genau Sie zu den Fakten im Bericht gekommen sind.“ Wer Glück hat, erfährt nun wichtige Hintergründe, wie die Meldung zustande gekommen ist. Dem Medienvertreter sollte auf alle Fälle ein Gespräch angeboten werden, bei dem er alle aus seiner Sicht maßgeblichen Informationen zum Fall bekommen kann. Die beste Vorbeugung für den Krisenfall ist laut Hausegger die regelmäßige Pressearbeit: „Wer sich bereits im Normalzustand um ein persönliches und vertrauens­volles Verhältnis zur Lokalpresse, zu Fach- und Publikumsmedien kümmert und diese regelmäßig mit Informationen versorgt, hat auch im Krisenfall einen Vorteil.“ Zu den wichtigsten Journalisten sollte ein persönliches Verhältnis aufgebaut werden. „Man kann bei Presseaktionen ruhig vorher in der Redaktion anrufen und ein paar persönliche Worte mit dem zuständigen Redakteur wechseln“, rät Hausegger. „Man kann auch den Chefredakteur ruhig einmal zu einem Gespräch einladen. Aller-dings sollte es dafür einen kon-kreten Anlass geben, sonst ist ein Treffen für den Journalisten nicht von Interesse.“

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