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Praxis 9. Mai 2006

Was bei Ferialjobs zu beachten ist

Nach wie vor gibt es drei Arten von Ferienjobs: „echte“ Ferialpraktikanten, Ferialarbeitnehmer und Volontäre. Für die „echten“ gelten ab heuer neue Bestimmungen.

„Beim so genannten ‚echten’ Ferialpraktikum erfolgte für heuer eine Gesetzesänderung“, berichtet Horst Jünger, Ärztesteuerberater in Innsbruck, der sich naturgemäß auch mit den Agenden der Sprösslinge seiner Ärztekundschaft zu befassen hat. „Echte“ Ferialpraktikanten sind Schüler oder Studenten, die ein vorgeschriebenes oder übliches Praktikum in einem Betrieb absolvieren. Dabei steht laut Jünger der Lern- und Ausbildungszweck im Vordergrund: „Es besteht keine Arbeitspflicht und keine Bindung an Arbeitszeiten, Arbeitsort und Arbeitsanweisungen.“ Sieht ein Kollektivvertrag eine Bezahlung für Ferialpraktikanten vor, dann muss diese nach den Vertragsvorgaben erfolgen. „In diesem Fall ist der ‚echte’ Dienstnehmer auch bei der Sozialversicherung anzumelden, es gelten dieselben Bestimmungen wie bei Ferialarbeitnehmern“, so Jünger. Nur wenn es im Kollektivvertrag keine Regelung gibt, der Ferialpraktikant die oben genannten Kriterien erfüllt und auch kein Taschengeld erhält, muss er nicht bei der zuständigen Gebietskrankenkasse gemeldet werden. „In diesem Fall übernimmt die Schülerunfallversicherung den Unfallversicherungsschutz“, erklärt der Steuerberater. Erhält der „echte“ Ferialpraktikant irgendein Entgelt, und sei es nur ein Euro Taschengeld, dann bewerten die Gebietskrankenkassen dies als Beschäftigungsverhältnis nach den Kriterien eines „Ferialarbeitnehmers“.

Ferialarbeiter gelten als „normale“ Dienstnehmer

Ferialarbeitnehmer sind sicher die häufigste Variante bei Ferienjobs, nämlich Schüler oder Studenten, die sich in der Sommerpause etwas dazu verdienen möchten. Diese stehen immer in einem Dienstverhältnis, da für sie die persönliche Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort und arbeitsbezogenem Verhalten gilt.

Umfassende Ansprüche

Je nach Arbeitseinsatz werden sie als Angestellte oder Arbeiter behandelt und dem entsprechenden Kollektivvertrag zugeordnet. Dadurch besteht Anspruch auf zumindest kollektivvertragliche Entlohnung, anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld, wenn der maßgebliche Kollektivvertrag das vorsieht, Urlaub bzw. geldmäßige Abfindung und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Dauert das Ferialarbeitsverhältnis länger als einen Monat, erwirbt der Beschäftigte auch Anspruch auf Abfertigung-Neu und Ausstellung eines Dienstzettels. In der Sozialversicherung sind Ferialarbeitnehmer wie alle anderen „normalen“ Dienstnehmer zu behandeln. Im Gegensatz dazu betätigen sich Volontäre, die nicht Schüler oder Studenten sein müssen, in Betrieben ausschließlich zum Zweck der Erweiterung und Anwendung von Kenntnissen sowie zum Erwerb von Fertigkeiten für die Praxis ohne Arbeitspflicht und ohne Entgeltanspruch.

Sonderfall Volontär

Diese Form der Tätigkeit ist durch Schul- oder Studienbestimmungen nicht vorgeschrieben und auch nicht allgemein üblich. „Volontäre sind nur unfallversichert und müssen nicht bei der Gebietskrankenkasse, sondern bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt angemeldet werden“, so Jünger. Bei der Vereinbarung eines Ferialjobs mit dem Dienstgeber sollte jedenfalls klargestellt werden, in welche der drei Gruppen der Sprössling fällt. Sonst kann es passieren, dass am Ende die „Lohntüte“ anders aussieht als erhofft. Jünger empfiehlt auch, die Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt zu beantragen: „Dies bringt in den meisten Fällen bares Geld, sogar bei schlechter bezahlten Jobs aufgrund der Rückerstattung von Lohnsteuer und Sozialversicherung.“

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