zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 20. April 2006

Der Prüfer will die „Wahrheit“ wissen

Ordinationsbesichtigung, Vermögenszuwachsrechnungen, Schätzungen und anderes mehr gehören zum Repertoire eines Betriebsprüfers. Der geprüfte Arzt wiederum kann Einsicht in alle Unterlagen der Finanz verlangen.

Wenn ein Steuerpflichtiger ge-prüft wird, gilt für ihn die Offenlegungs- und Wahrheitspflicht. „Sollte sich ein Prüfer dessen nicht so sicher sein, hat er einige Arbeitsmittel parat, die ihm bei der Prüfung mancher Behauptungen durchaus hilfreich sein können“, weiß Dr. Michael Klinger, Steuerberater aus Salzburg. Wenn er z.B. das Gefühl hat, dass die private Lebensführung mit den erzielten Überschüssen nicht übereinstimmt, wird er zusätzlich eine so genannte Vermögenszuwachsrechnung erstellen. Bei einer sich ergebenden Unterdeckung wird vom Arzt eine Erklärung über die Herkunft der fehlenden Mittel verlangt. Eine Betriebsprüfung inkludiert auch die Besichtigung der Ordination. Im Zuge dessen wird häufig das Anlagevermögen geprüft, beispielsweise ob sich der Perserteppich oder die Stereoanlage wirklich in der Ordination befinden.

Befragung von Mitarbeitern

Im Betriebsprüfungsverfahren ist die erste Auskunftsperson für den Prüfer der geprüfte Arzt, allenfalls sein Steuerberater. Eine Befragung von Ordinationsmitarbeitern kommt in der Praxis nur in Ausnahmenfällen vor. Sowohl der Arzt wie auch sein steuerlicher Vertreter können jedoch Einsicht in alle Akten, z.B. in den Steuerakt des Arztes, verlangen. „Davon dürfen auch Fotokopien angefertigt werden“, so Klinger. Ebenso kann in den Arbeitsbogen des Betriebsprüfers Einsicht genommen werden. Aus berechtigten Gründen kann die Betriebsprüfung immer unterbrochen werden. Liegen die Gründe auf der Seite des Finanzamtes, wird zumeist der steuerliche Vertreter oder der Arzt informiert. Genauso sind aber Gründe auf der Seite des Arztes, beispielsweise Ordinationsferien, vorstellbar. Die Dauer einer Betriebsprüfung hängt nicht nur vom Umfang des Belegwesens ab, sondern auch von anderen Aspekten, wie etwa der Mitwirkung des Arztes. Darüber hinaus muss auch bedacht werden, dass der Prüfer meistens parallel dazu andere Arbeiten erledigt, z.B. im Prüfungszeitraum nicht nur einen Betrieb prüft. „Erfahrungsgemäß kann von einem Prüfungszeitraum von zwei bis zwölf Wochen – bei Unterbrechungen – ausgegangen werden“, so Klinger.

Gründe für eine Schätzung

Der Betriebsprüfer ist unter Umständen zu einer steuerlichen Schätzung berechtigt. Nämlich wenn Bücher oder Aufzeichnungen nicht vorgelegt werden, sachlich unrichtig sind oder schwere formelle Mängel aufweisen. Beispiele dafür sind nicht laufend geführte Einnahmen-Grundaufzeichnungen, unaufgeklärter Vermögenszuwachs oder vernichtete Grundaufzeichnungen. Die Erhöhung des Umsatzes um einen so genannten Sicherheitszuschlag wird in der Praxis insbesondere bei Fehlern geringeren Ausmaßes angewendet, etwa bei einzelnen, nicht erfassten Einnahmen. Die Höhe einer derartigen Zuschätzung obliegt dem Betriebs­prüfer und beträgt in der Praxis meist zwischen fünf und zehn Prozent des Umsatzes.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben