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Praxis 20. April 2006

Fonds sind keine Spekulation

In der Vergangenheit dominierten die klassischen Anlagekategorien Anleihen oder Aktien die Märkte. „Aus Gründen der Risikoverteilung und der Vereinfachung der Abwicklung hat der Markt der Investmentfonds stark zugenommen“, berichtet Harald Reigl, Regionalleiter Niederösterreich der Ärztebank.

Wie ein Fonds funktioniert, lässt sich vereinfacht so darstellen: Das Vermögen wird von einer Kapitalanlagegesellschaft verwaltet, die Anleger sind – entsprechend der Höhe ihrer Einzahlungen – am Gesamtvermögen beteiligt. Fonds stehen oft in einem Naheverhältnis zu Banken oder anderen Kredit­instituten und unterliegen den Regeln des Investmentfondsgesetzes und somit der Kontrolle der Finanzmarktaufsicht.

Regelmäßige Wertermittlung

Jeder Anleger ist Miteigentümer des verwalteten Fondsvermögens, wobei es zu einer regelmäßigen Wertermittlung dieser Anteile kommt. „Beim Kauf von Anteilen durch zusätzliche Anleger fließt zusätzliches Kapital in den Fonds, der Wert des Anteiles bleibt damit gleich“, erklärt Reigl. Fondsgesellschaften veranlagen nach definierten Bestimmungen. Darin ist festgeschrieben, in welchen Wertpapieren nach welchen Risikomaßstäben an welchen Börsen in welchem Ausmaß veranlagt wird und wie hoch etwa der Anteil des Bargeldes sein muss. Dieses Regelwerk wird regelmäßig durch externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kontrolliert. Im Rahmen des jährlichen Rechenschaftsberichtes werden die Kauf- und Verkaufsaktivitäten, die Bestände und die steuerliche Behandlung der Anteile veröffentlicht.

Aufgaben der Depotbank

Die Fondsanteile werden für die dahinter stehende Gesellschaft von einer Depotbank verwahrt und verwaltet, die für die tägliche Preisermittlung und die Rück-nahme von Anteilen zuständig ist. „Diese Depotbank muss einen Sitz im Inland haben oder aus einem EWR-Mitgliedsstaat stammen“, so Reigl. „Niemals sollte die Investmentgesellschaft auch die Führung der Depots übernehmen, was bekanntlich im Jahr 2005 zu einem spektakulären Crash eines Wiener Anbieters geführt hat.“ Die Anlagegesellschaften sind zur Erstellung von vereinfachten Verkaufsprospekten verpflichtet. So kann ein Konsument in einfacher und leicht verständlicher Form die Anlagemöglichkeiten vergleichen. Zwei Prinzipien gelten für das Verfahren mit Erträgen aus einem Fonds. Bei der Variante „Ausschüttung“ werden die Zinsen und Erträge zumeist jährlich an die Anteilsinhaber „ausgeschüttet“, bei der „Thesaurierung“ hingegen gehen die Erträge sofort wieder in zusätzliche Anteile.

Weniger Schwankungsverlust durch monatliche Veranlagung

Die Veranlagung in Fonds kann durch einmaligen, unregelmäßig fallweisen Ankauf oder durch regelmäßige, meist monatliche Besparung erfolgen. In manchen Einzelsituationen rentiert sich der Ankauf eines größeren Betrages, bei der Veranlagung in Fonds mit stärker schwankenden Kursen oder in Phasen möglicher Rückschläge ist die monatliche Veranlagung angebracht. „Damit kommt man in den Genuss des Cost-Average-Effektes“, betont Reigl. Dahinter verbirgt sich der Vorteil durchschnittlicher Kaufkurse, die dann erzielt werden, wenn ein Anleger regelmäßig um den gleichen Betrag Anteile kauft. Je niedriger der Kurs, desto mehr Anteile werden gekauft, je höher der Kurs ist, desto weniger.

Kennzahlen zum Vergleich

Das im Verkauf zumeist ausgesprochene Argument für einen bestimmten Fonds ist die „Performance“. Damit wird die Wertsteigerung eines Anteils in Prozent bezeichnet. Diese Wertsteigerung ist laut Reigl jedoch nur eines von vielen Indizien für den Erfolg des Managements und ein Teil des Auswahlprozesses, aber keine Garantie für die Zukunft. Als weiterer Faktor für die Beurteilung ist die „Volatilität“ heranzuziehen. Je größer sie (in Prozent angeführt) war, desto größer waren die Kursschwankungen und damit letztlich auch das Risiko des Fonds.

Ertragsfaktor beachten

Aus den beiden angeführten Kennzahlen Ertrag und Volatilität wird die so genannte „Sharpe-Ratio“ berechnet. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass den Ertrag einer täglich fälligen Veranlagung jeder erzielen kann. Wenn ein Fondsmanager also mehr Risiko eingeht, dann sollte der Anleger auch durch einen höheren Ertrag belohnt werden. Dieser Ansatz kommt natürlich nur bei Fonds mit gleicher Strategie zur Anwendung. „In diesem Fall ist dann der Fonds mit der höheren Sharpe-Ratio zu bevor-zugen“, so Reigl, „da dieser mehr Ertrag aus dem eingegangenen Risiko herausgeholt hat.“ Beim Kauf verrechnet die Fondsgesellschaft zur Deckung der Kosten, die mit der Auflage und dem Vertrieb von Fonds entstehen, einen „Ausgabeaufschlag“ zum Ausgabepreis. Dieser beträgt bei Geldmarktfonds bis zu zwei Prozent und reicht bis zu mehr als fünf Prozent bei Aktienfonds. Bei längeren Laufzeiten und positiver Wertentwicklung sind diese Beträge vertretbar und auch international üblich, bei kurzen Veranlagungsfristen reduzieren sie jedoch den Ertrag empfindlich.

Ausgewiesene Gesamtkosten

Zusätzlich sollte laut Reigl auf die im Prospekt angeführte „TER“ (Total Expense Ratio = Gesamtkostenbelastung) geachtet werden. Diese weist die dem Fonds angelasteten Kosten, wie Verwaltungsgebühr, Depotbankkosten (des Fonds), Wirtschaftsprüfung sowie Ausgaben für Veröffentlichungen aus. Daneben stellen die von der Hausbank angelasteten Depotkosten zumeist eine geringere Kostenkomponente dar. Lediglich die in den letzten Jahren stark an die Kunden weitergegebenen Minimumspesen für jede Wertpapierkategorie können bei zu geringem Volumen je Fonds den Ertrag schmerzhaft einschränken. Reigl: „Ein gut gewählter Dachfonds als Einstieg bei der langfristigen Eigenvorsorge mit monatlichen Einzahlungen schützt die monetäre Gesundheit von Praxisbetreibern jedenfalls ähnlich wie die Vorsorgeuntersuchung den Patienten.“

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