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Praxis 13. April 2006

Hausarzt und Krebskranke: Fragen über Fragen

"Was mich als betreuender Arzt bewegt" oder "Wie sage ich es meinem Patienten?" - Kompetente Antworten erwünscht

"Warum gerade ich?" - "Was passiert jetzt mit mir?" - "Muss ich jetzt sterben?" - "Herr Doktor! Der Oma sagen wir nicht, dass sie diesen Krebs hat!" - "Mein Mann soll über meine Erkrankung nicht informiert werden. Er hält das nicht aus." - "Was kann ich sonst noch für mich tun?" - "Mir ist so übel! Ich kann nicht essen! Ich fühle mich so schlecht!"

Angst und Ohnmacht

Primär sind es diese Fragen, die Angst und Ohnmacht entstehen lassen - nicht nur beim Patienten, sondern oft auch beim Arzt. Es ist die Suche nach den Antworten, die einen Kommunikationspartner verlangt, der Antworten geben kann; fachlich und menschlich.
Durch fachliche, aber auch persönliche Weiterbildung und -entwicklung können Ärzte dem hohen Informationsbedarf des Patienten über seine Krankheit gerecht werden, ihm in empathischer Zuwendung begegnen, eine tragfähige Arzt-Patientenbeziehung aufbauen und sich selbst vor einem "Burn out" schützen. Vorrangig in diesem Zusammenhang ist sicher, Hoffnung geben zu können. Hoffnung wird im onkologischen Bereich nicht nur als "Hoffnung auf Gesundwerden" verstanden, sondern auch als Hoffnung, noch als wertvoller Mensch ernst genommen zu werden, mitbestimmen zu können, möglichst autonom zu bleiben, nicht belogen zu werden, jemanden zu finden, der es mit einem aushält und der einen begleitet.
Diagnosemitteilung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, der den ganzen Krankheitsverlauf begleitet. Dabei spielt die Kommunikation zwischen Patient und Arzt eine besondere Rolle. Nach Fallowfield (1997) gibt es fünf Problemgebiete: das Vermitteln schlechter Nachrichten (siehe Kasten), das Erzielen von informiertem Einverständnis, die Gespräche mit Angehörigen, die Diskussion von Therapiealternativen und das Ansprechen psychosozi-aler Probleme.
Was letztlich zählt, ist das Befinden und weniger der Befund; ist die Zeit, die wir dem Patienten widmen; ist die Zuwendung, die wir dem Patienten geben; ist die Sensibilität, mit der wir ihn
begleiten.

Dr. Gottfried Thalhammer, Rohrbach/Lafnitz

Literatur: Medizinische Kommunikation auf dem Prüfstand. Hrsg.: Klaus Zapotoczky, Universitätsverlag Rudolf Trauner

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