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Praxis 22. März 2006

Die Praxisevaluierung beginnt bei den Urologen

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat hat die Qualitätssicherungs-Verordnung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) unterzeichnet. Bis Ende 2008 werden nun alle rund 15.000 Ordinationen evaluiert.

Mitte April beginnt die ÖÄK mit der gesetzlich neu vorgegebenen Evaluierung. Den Auftakt machen die etwa 300 niedergelassenen Fachärzte für Urologie. Sie werden als erste Fachgruppe standardisierte Fragebögen zu den in ihren Ordinationen durchgeführten Qualitätssicherungsmaßnahmen beantworten. Nach Auswertung der Erfahrungen mit dem Check bei dieser Fachgruppe sollen dann in Folge bis Ende des Jahres 2008 pro Halbjahr je etwa 3.000 weitere niedergelassene Ärzte überprüft werden. Die Evaluierungen werden von der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH (ÖQMed) durchgeführt, die eine Gesellschaft der ÖÄK ist. Deren Experten werten die elektronisch oder schriftlich vom jeweils kontaktierten Arzt ausgefüllten und an sie zurückgesendeten Fragebögen aus. Dabei wird erfasst, ob der betreffende Arzt die allgemeinen Kriterien gemäß der Qualitätssicherungs-Verordnung erfüllt. 60 Fragen sind zu beantworten. Erhoben werden unter anderem die apparative Ausstattung der Ordination, die Standards für die fachliche Qualifikation, für die Dokumentation und für Patientenkommunikation sowie Beschwerdemanagement. Auch die zuletzt diskutierten Kriterien der Barrierefreiheit und des Umgangs mit unerwünschten Ereignissen sind Gegenstand der ÖÄK-Qualitätssicherungs-Verordnung und werden abgefragt. Bei einer Pressekonferenz in Wien betonten die ÖÄK-Vertreter, dass die Initiative zur Evaluierung der Praxen richtungsweisend für Europa sei. In keinem anderen Land werde „derart konsequent, flächendeckend und routinemäßig“ die Qualitätssicherung der niedergelassenen Ärzteschaft überprüft.

Elektronisch oder schriftlich kann jeder Ordinationsbetreiber die Beantwortung der 60 vorgegebenen Fragen vornehmen. Die Evaluierung obliegt der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH (ÖQMed). Deren Experten werten die elektronisch oder schriftlich vom jeweils kontaktierten Arzt ausgefüllten und an sie zurückgesendeten Evaluierungs-Fragebögen aus. Dabei wird erfasst, ob der betreffende Arzt die allgemeinen Qualitätskriterien der Qualitätssicherungs-Verordnung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) erfüllt.

Ärztliche Auditoren

Wer die Plausibilitätsprüfung durch die ÖQMed-Experten nicht besteht, wird genauer unter die Lupe genommen. In diesen Fällen entsendet die ÖQMed ärztliche Auditoren bzw. Qualitätssicherungs-Beauftragte, kurz QS-Beauftragte, zur Überprüfung der Angaben in die Ordinationen. Darüber hinaus ist in der ersten Welle eine stichprobenartige Überprüfung von vermutlich rund fünf Prozent aller Ordinationsinhaber vorgesehen. Die QS-Beauftragten müssen Erfahrung in der Führung einer ei-genen Ordination vorweisen und außerdem eine vertiefte Ausbildung auf dem Gebiet der Qualitätssicherung und des -managements nachweisen. Sie sind auf die Leitung und Abwicklung von Überprüfungen, Gesprächsführung und Moderation geschult. Überprüfungen vor Ort erfolgen generell nach vorheriger Ankündigung an den Arzt, damit die Behandlung der Patienten bzw. der Ordinations-
betrieb nicht gestört werden.

Frist für Mängelbehebung

Sollten die Auditoren bei einem Besuch Mängel entdecken, erteilt die ÖQMed einen so genannten „Mängelbehebungsauftrag“ mit konkreten Verbesserungsauflagen an den betroffenen Arzt. Dieser beinhaltet eine angemessene Frist zur Behebung der festgestellten Mängel. Kommt der Arzt dem gesetzlichen Auftrag zur Mängelbehebung trotz Einräumung der Frist nicht nach, hat die ÖQMed den gesetzlichen Auftrag, Anzeige beim Disziplinaranwalt zu erstatten. „Hinsichtlich festgestellter Mängel oder Verbesserungspotenziale können die Auditoren den betroffenen Arzt nicht nur bei der Qualitätssicherung kompetent unterstützen, sondern auch bei der Festsetzung von Korrektur-, Vorbeuge- und Verbesserungsmaßnahmen für die Ordinationen“, betont Dr. Esther Thaler, Geschäftsführerin der ÖQMED und Lektorin für Qualitätsmanagement an der FH-IMC Krems. Evaluiert werden alle niedergelassenen Privat-, Wahl- oder Kassenärzte. „Die ÖQMed hat gemäß den Vorgaben im Ärztegesetz fachspezifische Qualitätskriterien, einschließlich Kriterien für die Struktur- und Prozessqualität der niedergelassenen Ärzte erarbeitet“, so Thaler. „Ihr obliegt die Qualitätsevaluierung der Ordinationen, die Qualitätskontrolle sowie die Führung eines österreichweiten Qualitätsregisters.“ In diesem EDV-Register sind die Evaluierungsergebnisse aller niedergelassenen Ärzte erfasst. Festgehalten werden aber auch Listen und Tätigkeiten von Qualitätsbeauftragten und die Evaluierungsabläufe. Zugriff darauf haben ausschließlich die Mitarbeiter der ÖQMed. Krankenkassen erhalten auf begründete Anfrage Auskunft über den Qualitätsstatus einzelner Ordinationen. Die Evaluierung muss alle fünf Jahre erneuert werden.

Mögliche Sanktionen

Dass die große Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte die Qualitätsanforderungen erfüllt, davon ist Dr. Otto Pjeta, Präsidialreferent für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der ÖÄK, überzeugt. Dennoch seine Sanktionsmöglichkeiten für säumige Praxisinhaber vorgesehen – in Form disziplinarrechtlicher Schritte seitens der ÖÄK und im Kassenrecht sogar bis zum Entzug des Kassenvertrages.

 

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