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Praxis 14. März 2006

Eine seltene Falle im Umsatzsteuerrecht

Bei so genannten „Reverse-Charge“-Fällen geht die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger über.

Dass Ärzte weitestgehend vor den Fallstricken der Umsatzsteuer verschont bleiben, ist eine weit verbreitete Annahme. Aber: „Eine häufige Überraschung bei Betriebsprüfungen sind die so genannten Reverse-Charge-Fälle“, berichtet Horst Jünger, auf Ärzte spezialisierter Steuerberater in Innsbruck. „Es gibt nämlich Fälle, in denen das Finanzamt die Umsatzsteuer nicht wie üblich beim Lieferanten, sondern seltsamer Weise bei dessen Kunden kassiert.“ Zum Phänomen des Reverse-Charge kommt es, wenn ein ausländischer Unternehmer für einen Unternehmer in Österreich bestimmte Leistungen erbringt und hier weder einen Sitz noch eine Betriebsstätte noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Als Beispiel nennt Jünger die Reparatur eines Gerätes durch eine deutsche Firma, die zu diesem Zweck einen Techniker über die Grenze schickt. In diesem Fall hat Österreich das Besteuerungsrecht, das nach der aktuellen Rechtslage in beiden Fällen als Leistungsort gilt. Somit geht die Steuerschuld auf den Arzt als Empfänger der Leistung über. Daher sollte in jedem Fall nur der Nettopreis ohne Umsatzsteuer bezahlt werden, da die Umsatzsteuer an das österreichische Finanzamt abzuführen ist. Die deutsche Firma hat also netto zu fakturieren und die eigene UID-Nummer sowie die des Kunden samt Hinweis auf den Übergang der Steuerschuld auf der Rechnung anzubringen. Der Arzt muss dann eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben und die Umsatzsteuer an sein Finanzamt bezahlen. „Andernfalls kann es passieren“, so Jünger, „dass zur bereits bezahlten ausländischen Umsatzsteuer auch noch die österreichische abgeführt werden muss.“

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