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Praxis 8. März 2006

Zeit schlägt Zinssatz, wenn Ihr Geld arbeitet

Einer der häufigsten Spargründe ist der Wunsch nach Absicherung des langfristigen Lebenseinkommens. „Jeder Mensch hat eine Ausbildungs-, eine Erwerbs- und eine Ruhestandsphase und muss bestrebt sein, sein Einkommen so aufzuteilen, dass er in allen Lebensphasen den erwünschten Standard halten kann“, betont Harald Reigl, Regionalleiter Niederösterreich der Ärztebank.

Viele junge Haushalte nehmen Kredite für Wohnraumschaffung auf, um diese dann im Laufe des Berufslebens zurückzuzahlen, nennt Reigl ein Beispiel. Nach der Rückführung könne diese „Zahlung“ als Sparquote langfristig angelegt werden, um im Ruhestand das meist zu erwartende, deutlich niedrigere Pensionseinkommen wieder aufzufetten. Auf den ärztlichen Berufsstand umgelegt bedeutet dies, dass nach einer Ausbildung bis etwa zum 30. Lebensjahr in den danach folgenden Jahren überwiegend Fremdmittel getilgt werden. „Wenn dann noch eine Praxisgründung oder Übernahme als zusätzliche Verpflichtung dazukommt, kann sich der Beginn der langfristigen Spartätigkeit bis zum 45. Lebensjahr oder danach verschieben“, rechnet Reigl vor.

Vorsorge erst ab 50?

Als zusätzliches Finanzproblem ergibt sich oft, dass die zu diesem Zeitpunkt heranwachsenden Kinder oder Jugendlichen aufgrund von Ausbildungserfordernissen mehr Kapital benötigen. Deshalb beginnt eine Vielzahl von Ärzten erst ab dem 50. Lebensjahr aktiv und zielgerichtet mit der Vorsorge für den Lebensabend. Die Gründe hierfür sind laut Reigl klar: „Das Risiko, in der Nacherwerbsphase mit nur einem Bruchteil des momentanen Einkommens leben zu müssen, ist für die meisten nicht begreifbar.“ Außerdem verlangen langfristige Sparraten vom Anleger ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Gerade für die Ärzteschaft stehen mit den Wohlfahrtsfonds der Ärztekammern erprobte und steuerlich überaus wirksame Möglichkeiten zur Verfügung. „Hier wurden in der Vergangenheit oft viel zu spät oder gar nicht die Möglichkeiten der Zuzahlung ausgenützt“, betont Reigl. Die Kammerbeiträge senken als Betriebsausgabe die Steuerleistung und während der möglichst langen Ansparphase fällt der volle Zinseszinseffekt auf die gesamte Höhe der Einzahlung an. Deshalb kann in der Auszahlungsphase ein meist geringerer Durchschnittssteuersatz zur Anwendung kommen. Auch für angestellte Familienmitglieder können Vorteile genutzt werden. Reigl empfiehlt, der betrieblichen Einzahlung auf steuerlich begünstigte Instrumente, wie Zukunftsvorsorge oder Pensionskasse, den Vorrang gegenüber privat abzuschließenden Verträgen zu geben.

Kostenfaktor Verwaltung

Ohne zusätzliche private Eigenvorsorge geht jedenfalls nichts. Bevölkerungsentwicklung, Inflation und Lebensbedürfnisse im Alter sprechen eine deutliche Sprache. Dass auch die Veranlagung und Verwaltung von Vermögen Kosten verursacht, ist bei einer realistischen Kalkulation von Anfang an einzubeziehen. In Schweizer Studien wurden Veranlagungen unter Berücksichtigung dieser Aspekte über den Zeitraum von 1925 bis zum Jahr 2000 erforscht. Dabei zeigte sich, dass die sinnvolle Veranlagung über lange Zeiträume nur mit Hilfe von Aktien erfolgen kann, da sonst vor allem Inflation, Dienstleistungskaufkraft und Transaktionskosten den Ertrag schlucken. Anzumerken ist, dass diese Studien vor den Kurseinbrüchen von 2001 bis 2003 gemacht wurden. Heute wird von vorsichtigen An-lageberatern eine langfristige Wertsteigerung bei Rentenwerten von 3,5 bis vier Prozent, bei Aktien zwischen sechs und sieben Prozent angenommen.

So wirkt der Faktor Zeit

Weiters wird laut Reigl bei vielen Anlagen eine Vernachlässigung des Faktors Zeit spürbar. Dazu ein Beispiel: Ein Arzt spart 1.000 Euro pro Monat über einen Zeitraum von 15 Jahren an. Bei einer Nettoverzinsung von jährlich vier Prozent unter Vernachlässigung des Faktors Transaktionsspesen erhält er nach 15 Jahren einen Betrag von rund 245.000 Euro. Ein anderer Arzt spart 500 Euro pro Monat über einen Zeitraum von 30 Jahren an. Beide haben somit den gleichen Betrag in Summe zur Einzahlung gebracht. Der zweite Arzt wird unter den gleichen Voraussetzungen aber über ein End-kapital von rund 345.000 Euro verfügen, also 40 Prozent mehr. Dieser Effekt wird als Zinseszins bezeichnet. Dazu kommt, dass die Verteilung der Einzahlung über einen längeren Zeitraum das Risiko eines Fehlschlages vermindert. Bei einem langfristigen Vorsorgesparer im Alter zwischen 30 und 55 Jahren sollte laut Reigl die Aktienquote um die 60 Prozent betragen, bei einem Alter ab 55 Jahren sollte diese im Hinblick auf die Auszahlung oder Verrentung ab Pensionseintritt auf 30 Prozent reduziert werden.

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