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Praxis 28. Februar 2006

Produktverkauf und seine Folgen

Kalkulation der Preise, Raumbedarf, Steuern und Abgaben sind beim Verkauf von Produkten in einer Ordination zu bedenken. Ein klares Konzept macht das Angebot für Patienten attraktiv und beugt unnötigen Schwierigkeiten vor.

„In den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, in den Ordinationen nicht nur ärztliche Leistungen anzubieten, sondern auch zusätzlich Produkte zu verkaufen“, weiß Mag. Hans-Georg Goertz, der als Steuerberater der Kanzlei Dr. Scholler & Partner in Wien tätig ist. Jeder Arzt kann grundsätzlich beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel in seiner Ordination verkaufen. Andere Produkte hingegen werden üblicherweise nur von Fachärzten zum Verkauf angeboten. Beispiele dafür sind Kontaktlinsen beim Augenarzt, Kosmetika beim Dermatologen oder Mundhygieneartikel beim Zahnarzt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Produktverkauf für Ärzte in unterschiedlichen Phasen ihrer Tätigkeit sinnvoll. Ein junger Wahlarzt kann damit in den Gründungsjahren ärztliche Einnahmen kompensieren, ein etablierter Wahlarzt oder ein Kassenarzt ein interessantes Zusatzeinkommen lukrieren.

Kosten bestimmen den Preis

Bei der Ermittlung der Verkaufspreise wird laut Goertz ein entscheidender Punkt häufig übersehen: „Durch den Verkauf von Produkten können Zusatzkosten für Personal entstehen, manchmal muss man vielleicht aufgrund der großen Nachfrage einen zusätzlichen Dienstnehmer einstellen.“ Außerdem entsteht durchwegs erhöhter Raumbedarf, darüber hinaus sind Ausstellungsregale oder Werbemaßnahmen erforderlich. „Vor allem Inserate verursachen relativ hohe Belastungen“, berichtet Goertz aus seiner Erfahrung. „Diese Ausgaben dürfen bei der Festlegung des Verkaufspreises und des erwünschten Gewinns nicht übersehen werden.“

Verkaufsarbeit delegieren?

Selbstverständlich verkaufen sich Produkte nicht von selbst. Deshalb sollte nicht unterschätzt werden, dass der Arzt dafür noch mehr „Verkäufer“ sein muss als für seine ärztliche Tätigkeit. „Entgehen durch die Zeit im Verkauf ärztliche Einnahmen, dann sind auch diese Summen in den Verkaufspreis einzukalkulieren“, betont Goertz. Wird die Verkaufsarbeit an die Ordinationshilfen „delegiert“, sollte der Arzt hinterfragen, mit welchem Enthusiasmus die Angestellten bei der Sache sind. Hier könnte eine Umsatzbeteiligung, die eventuell als Prämie ausgezahlt wird, motivierend wirken. Goertz: „An der Kunst des Arztes und seines Ordinationsteams wird es liegen, dass die Patienten nicht das Gefühl bekommen, auf einer Verkaufsveranstaltung statt in einer Ordination zu sein.“

Umsatzsteuerpflicht und Vorsteuerabzug

Steuerlich gesehen haben diese Verkäufe vor allem eines gemeinsam: Sie sind grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Hat der Arzt bisher nur ärztliche Leistungen angeboten, war die Umsatzsteuer nie ein Thema und die Erfassung der Belege in einer monatlichen Buchhaltung nicht unbedingt notwendig. Sobald jedoch ein Produktverkauf in der Praxis dazukommt, beginnt die Verpflichtung, eine laufende Buchhaltung zu führen, um die abzuführende Umsatzsteuer zu ermitteln. Die Umsatzsteuerzahllast ist immer am 15. des zweitfolgenden Monats nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums an das Finanzamt abzuführen. Als Voranmeldungszeitraum gilt generell ein Monat, außer der Umsatz beträgt weniger als 22.000 Euro pro Jahr. Von der Umsatzsteuer eines Monats wird die Umsatzsteuer (Vorsteuer) des Einkaufs in diesem Zeitraum abgezogen. Die Differenz ist an das Finanzamt abzuführen. Sind die Vorsteuern in einem Monat größer als die Umsatzsteuer, kann nach Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung das Guthaben vom Finanzamt rückgefordert werden.

Sonderfall Kleinunternehmen

Unter bestimmten Umständen könnte allerdings doch noch eine andere Umsatzsteuerbefreiung zum Tragen kommen, nämlich die Kleinunternehmer-Regelung. Erzielt ein Arzt mit seinen sämtlichen Einnahmen weniger als 22.000 Euro Umsatz pro Jahr, könnten theoretisch auch die Produktverkäufe umsatzsteuerfrei gehalten werden. Durch diese Grenze kommen normalerweise nur Spitalsärzte und kleinere Wahlärzte in den Genuss der Befreiung, Kassenärzte und größere Wahlärzte überschreiten durch ihre ärztlichen Einnahmen meist diesen Rahmen. Werden die Produkte umsatzsteuerpflichtig verkauft, kann nicht nur die Vorsteuer aus den Einkäufen abgezogen werden, sondern auch jene für Ausgaben, die vollständig oder auch nur teilweise den Verkäufen zurechenbar sind. Hier bieten sich laut Goertz neben einer eventuell extra angeschafften EDV-Ausstattung zur Erfassung der Warenflüsse auch Teile der Raumkosten an, wenn etwa ein Raum nur für die Produkte verwendet wird.

Versicherungs-Vorteile prüfen

Schließlich kann das freiwillige Lösen eines Gewerbescheins unter Umständen zu einer günstigen Krankenversicherung in der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft führen. Goertz: „Solange keine wesentlichen Gewinne aus dem Gewerbebetrieb in der Steuererklärung auszuweisen sind, werden die Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge, die aufgrund des Gewerbes anfallen, nur von der Mindestbemessungsgrundlage berechnet.“ Dabei sei zu beachten, dass bereits durch die ärztliche Tätigkeit zumindest Pensionsversicherungsbeiträge in der SVA zu zahlen sind und es daher bis zum Erreichen der Höchstbemessungsgrundlage zu einer Mehrbemessung dieser Beiträge in Höhe der Mindestbemessung für Gewerbetreibende kommen kann. Aber auch in diesem Fall stellt die Krankenversicherung in der SVA eine interessante Variante dar. „Eine Entscheidung für eine dieser Varianten wird dann auch aufgrund der Leistungsseite getroffen“, so Goertz, „da sich nicht jeder den Selbstbehalten der SVA aussetzen möchte."

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