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Praxis 28. Februar 2006

Standortanalyse gibt Sicherheit

Regionale Veränderungen in der Bevölkerung – sei es strukturell oder wirtschaftlich – sind für Ordinationen von großer Bedeutung. Eine Analyse dieser Faktoren kann für Praxisgründer wie etablierte Niedergelassene bei der konkreten Zukunftsplanung äußerst hilfreich sein.

Begriffe wie Konkurrenzkampf, Marketing oder Verdrängungswettbewerb gewinnen auch für die Führung einer ärztlichen Praxis an Bedeutung. Deshalb erfordert die Auswahl eines idealen Praxisstandortes heute mehr Aufwand, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. „Wichtigstes Kriterium für eine Standortanalyse ist natürlich die Anzahl der Personen, die im Umkreis des geplanten Praxisstand-ortes leben“, so Dagmar Triller, Financial Manager beim Basler Ärztedienst. „Aus diesem Kreis schöpft der Niederlassungswillige seine Patienten, die für das Einkommen sorgen, die Rechnungen zahlen oder ihre e-Card mitbringen.“

Geburtenrate, Einkommen, Pendleranteil et cetera

Ein genaueres Bild ergibt die Geschlechteraufteilung, wichtig sind auch Altersstruktur der Bevölkerung, Einkommensverhältnisse, Geburtenrate oder Pendleranteil. „Letzterer ist für die Festlegung der Ordinationszeiten von Bedeutung“, so Triller. „Wichtige Fragen sind: Handelt es sich um ein Gebiet mit industriellen Strukturen? Stehen bäuerlich-landwirtschaftliche Einkommen im Vordergrund? Welche Bedeutung hat der Tourismus?“

Analyse der Mitbewerber

Auch die generelle Arbeitslosenrate und jene bei Jugendlichen sowie verstärkte Abwanderungstendenzen in den letzten Jahren fallen ins Gewicht. Schließlich muss die Mitbewerberlandschaft analysiert werden: Wie viele Kollegen der gleichen Fachrichtung arbeiten in diesem Gebiet? Wie alt sind diese Kollegen, welche Leistungen bieten sie an? Um dieser modernen Beratungsanforderung gerecht zu werden, hat der Basler Ärztedienst eine umfassende, EDV-basierende Standortanalyse entwickelt, mit der sich jedes beliebige Niederlassungsansinnen optimal bewerten lässt. Für bereits etablierte Ordi-nationen ist die Standortberatung wertvolle Orientierungshilfe zur Weiterentwicklung der Ordination. Damit können alle Änderungen im Ordinationsumfeld unmittelbar erkannt und genutzt werden. Bei der Erstellung des Programms fand das beste verfügbare Datenmaterial Berücksichtigung. Renommierte Anstalten wie Statistik Austria, Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen, Fessel-Gfk, Umweltbundesamt, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie Wirtschaftskammer Österreich wurden konsultiert.

Ärztespezifische Parameter

Aus unzähligen Gesprächen mit Ärzten konnten ärzte- und ordinationsspezifische Parameter fixiert werden. Insgesamt kommen bei der Standortanalyse 150 Parameter in den Bereichen Struktur und wirtschaftliche Kraft der Bevöl-kerung sowie wirtschaftliche und medizinische Struktur aller österreichischen Bezirke zum Einsatz. Im nächsten Schritt wurden Schwerpunkte bei den Parametern gesetzt und in Hauptgruppen aufgeteilt. Diese sind Konkurrenzsi-tuation, Kaufkraft, potenzielle Patienten und Bevölkerungsentwicklung. „Bei den potenziellen Patienten spielen demografische Faktoren wie Altersstruktur der Bevölkerung, medizinische Faktoren wie auftretende Krankheiten und wirtschaftliche Faktoren wie Branchen des Bezirkes eine große Rolle“, erläutert Triller. Besonderes Augenmerk wurde auf die Bevölkerungsentwicklung gelegt. Nun mussten Gewichtungen erfolgen, die nach Fachrichtungen und Bezirken unterschiedlich sind. So ist ein hoher Anteil an älterer Bevölkerung beispielsweise für einen Internisten wichtig, bei einem Kinderarzt natürlich kontraproduktiv. Diese Gewichtung wurde von den Experten des Basler Ärztedienstes gemeinsam mit Ärzten erarbeitet.

20.000 Daten als Ausgangsbasis

Verknüpft man diese Ergebnisse mit allen Bezirken Österreichs, kommt man auf einen Datenbestand von etwa 20.000 Details, mit denen sich jede beliebige Niederlassungssituation in Österreich abbilden lässt. Für jeden Hauptparameter lässt sich der Zielerreichungsgrad ermitteln, wobei jeweils das Niveau mit 100 für den besten Bezirk eingezogen wird. Die Addierung der Zielerreichungsgrade der Hauptparameter ergibt dann so etwas wie eine „Gesamtnote“ oder einen „Nutzwert“, mit der sich sofort eine Aussage treffen lässt. Die Standortanalyse ist nicht als statisch zu betrachten, sondern ermöglicht eine interaktive Erarbeitung des für einen Arzt optimalen Bezirks unter Einbeziehung seiner individuellen Wünsche und Vorstellungen – beruflich wie privat. Seine Wunschbezirke lassen sich im Bundesland oder in Österreich natürlich vergleichen. Aufgrund der Bewertungsdetails können Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der für die jeweilige Fachrichtung wichtigen demographischen, wirtschaftlichen und medizinischen Daten im jeweiligen Bezirk gezogen werden. Als nächster Schritt ist sogar die Erweiterung der Standortanalyse auf Gemeindebasis in Planung.

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