zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 14. Februar 2006

Gute Steuerberater sind neugierig

Die Mittelnachweis-Berechnung ist eine Methode, die dem Finanzamt eine Abschätzung erlaubt, ob der Lebensstandard mit dem Verdienst auch in Einklang steht. Erklärungsbedarf wirkt sich meist auf die Strenge der Betriebsprüfung aus.

Woher kommt das Geld, wohin geht es? Das ist zwar keine der letzten ungelösten Fragen der Menschheit, sie liegt in Arztpraxen aber immer wieder im Dunkeln. „Was natürlich für den Arzt selbst hochinteressant ist, findet allerdings auch Gefallen beim Finanzamt“, so Horst Jünger, Ärztesteuerberater in Innsbruck. Das Finanzamt will vor allem wissen, ob ein Steuerzahler überhaupt von dem leben kann, was er als sein Einkommen erklärt. Geht diese Rechnung nicht auf, muss es andere, begründbare Geldquellen wie Erbschaft, Schenkung, Kredit, Ersparnisse oder Verkauf von privaten Wirtschaftsgütern geben, aus denen der Lebensunterhalt bestritten werden kann. Diese Rechenübung nennen Fachleute Mittelnachweis oder Vermögensrechnung. Da die Prüfung durch das Finanzamt meist erst Jahre später stattfindet, kann es leicht passieren, dass sich der Unternehmer an gewisse Vorkommnisse dann nicht mehr erinnert oder keine Unterlagen mehr vorhanden sind. Daher empfiehlt Jünger, für jedes abgelaufene Jahr sofort bei der Jahresabschlusserstellung einen solchen Mittelnachweis zu erstellen. Das Ergebnis sollte in etwa dem tatsächlichen Aufwand für das tägliche Leben samt Wohnen, Essen, Kleidung, Sport und Urlaub entsprechen. Bei größeren Abweichungen besteht Handlungsbedarf.

Bei Erklärungsnotstand droht steuerlicher „Super-Gau“

Liegt der errechnete Wert unter dem Existenzminimum, dann wurde entweder öfter vergessen, Einnahmen zu erfassen, oder es gab doch noch andere Geldquellen, wie Kredite, Schenkungen oder „Versilberung“ privaten Vermögens. „Wer das nicht erklären kann, dem droht ein steuerlicher Super-Gau“, darauf macht Jünger aufmerksam. „Die Konsequenzen anlässlich einer steuerlichen Prüfung gehen dann von einer Ausweitung des üblichen Prüfungszeitraumes von drei Jahren auf fünf bis zu sieben Jahre über Zuschätzungen des steuerlichen Einkommens bis hin zum Albtraum eines Finanzstrafverfahrens.“ Natürlich kann sich auch eine ganz andere Sachlage ergeben. Wenn der errechnete Wert selbst für einen üppigen Lebensunterhalt viel zu hoch ist, besteht kein Grund zur Verdächtigung auf der betrieblichen Seite. „So erfreulich dies auch ist, sollte dennoch dringend eine Erklärung für den Verbleib des Geldes gefunden werden“, rät Jünger. Eventuell wurden beim Mittelnachweis Wertpapiere vergessen oder sonstige größere Privatausgaben wie Hausbau oder Jagdpacht übersehen. Unangenehme Auswirkung auf Betriebsprüfung möglich Bleibt eine schlüssige Erklärung aus, wird die Finanz auf versteckte und damit nicht versteuerte Wertpapierdepots oder Geld im Ausland tippen. Auch dies wirkt sich laut Jünger auf den Verlauf einer Betriebsprüfung unangenehm aus und kann ebenfalls dazu führen, dass der Prüfungszeitraum unnötig verlängert wird. Um bei einer Betriebsprüfung unangenehme und teure Überraschungen aufgrund der oben genannten Ergebnisse einer Mittelnachweisberechnung zu vermeiden, sollte der Steuerberater automatisch zu jedem Jahresabschluss entsprechende Berechnungen vornehmen. Dazu benötigt er auch alle privaten Kontoauszüge sowie Belege zu eventuellen Bauspardarlehen und Unterlagen zu den Wertpapierdepots.

Betriebswirtschaftliche Auswertung mit Weitblick

„Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum gute Steuerberater so neugierig sind“, erklärt Jünger. Anlässlich des Jahresabschlusses werden von Kanzleien mit Weitblick auch umfassende betriebswirtschaftliche Auswertungen geboten. Dafür stehen spezielle Kennzahlensysteme zur Verfügung, die als wertvoller Praxisbefund speziell für Ärzte entwickelt wurden. Das Ergebnis einer solchen Auswertung ist eine Mappe mit allen steuerlich relevanten Daten und sämtlichen Kennzahlen eines Ordinationsbetriebes. Diese ermöglichen eine schnelle Übersicht darüber, wie es einer Praxis geht und ob etwa eine „Krankheit“ vorliegt. „Mit diesen Daten ist dann auch eine ganzheitliche Therapie für das Unternehmen Arztpraxis möglich“, so Jünger.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben