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Praxis 9. Februar 2006

Aufs falsche Anlage-Pferd gesetzt

Ein lukratives Fonds-Angebot schien vielen Ärzten äußerst attraktiv. Doch das vermeintliche „Sieger-Pferd“ verlor vorzeitig das Rennen – und hätte so manchen Anleger beinahe die Existenz gekostet.

Für Dagmar Triller, Financial Manager beim Basler Ärztedienst, gibt es in der österreichischen Finanzierungsszene kaum etwas, das ihr verborgen blieb. Naturgemäß auch Fehleinschätzungen von Ärzten in Bezug auf Risiko, die sich allzu oft sehr ähnlich sind.

Der Fall des Dr. H.

Dr. H. ist so ein Beispiel. Er wagte nach Beendigung seiner Facharztausbildung und vier Jahren Beschäftigung in einem Krankenhaus den Sprung in eine eigene Wahlarztpraxis im ländlichen Bereich. „Die Standortwahl war ausgezeichnet, Dr. H. hat sich längere Zeit intensiv damit auseinandergesetzt“, berichtet Triller. Sein Fach war in dieser Region nicht vertreten, das Einzugsgebiet sehr groß. Von den umliegenden Kollegen, zu denen er ein gutes Ein-vernehmen hatte, bekam er viele Zuweisungen. Da die Ordination des Arztes mit 250.000 Euro sehr hohe Investitionskosten erforderte, war eine Fremdfinanzierung notwendig. Die Höhe dieser Finanzierung und die damit verbundenen Belastungen waren laut Triller aber durchaus darstellbar. Die Praxis lief von Beginn an außergewöhnlich gut. Schon nach drei Jahren war eine Umsatzhöhe erreicht, die selbst in diesem Fach nicht alltäglich ist.

Hausbau wie so oft überzogen

Wie in den meisten derart gelagerten Fällen stellte sich der Wunsch nach einem privaten Hausbau ein – und dieser wurde von unserem Beispielarzt auch innerhalb eines Jahres verwirklicht. „Die Investitionskosten für diesen Hausbau waren wie üblich höher als geplant und betrugen schließlich rund 600.000 Euro“, so Triller. „Zu diesem Zeitpunkt war die finanzielle Situation des Arztes zwar angespannt, aber durchaus bewältigbar.“

Attraktiver Tilgungsträger als verlockendes Angebot

Natürlich war sich Dr. H. dieser Grenzsituation durchaus bewusst und versuchte daher, für seinen privaten Hausbau möglichst billiges Geld zu erhalten. Eine endfällige Fremdwährungsfinanzierung mit einem in den letzten Jahren hohe Steigerungsraten aufweisenden Tilgungsträger schien die richtige Mischung für ihn zu sein. Auch viele Kollegen, die in diesen Fonds (siehe Kasten) investiert hatten, schwärmten von hohen zweistelligen Zuwachsraten. Allesamt vergaßen aber eine eherne wirtschaftliche Regel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Die nächsten sechs Jahre ver-liefen für den Arzt in punkto betrieblicher Umsatzentwicklung weiterhin äußerst zufriedenstellend. Weitere Investitionen in der Praxis wurden getätigt, für die Steuerzahlungen wurde das laufende Praxiskonto immer zur Gänze ausgeschöpft und sogar kurzfristig überzogen, der Lebensstandard stieg von Jahr zu Jahr. Zusammenfassend war für Triller die finanzielle Situation des Arztes in diesen Jahren als gut zu bezeichnen. Der Umsatz deckte die Ausgaben sowohl im betrieblichen als auch privaten Bereich. Erst als Zeitungsartikel über den Verdacht von Unregelmäßigkeiten seiner Fondsgesellschaft berichteten, als die Finanzmarktaufsicht ins Spiel kam und die Gründer der Fondsgesellschaft zur Verhaftung ausgeschrieben wurden, kam dem Arzt der Gedanke, dass er wohl – wie viele seiner Kollegen – auf das falsche Pferd gesetzt haben könnte. Von diesem Zeitpunkt an kippte laut Triller die Stimmung. Die Situation wurde ständig unangenehmer. Dr. H. hatte nach sieben Jahren eifrigen Sparens nicht nur das ganze Kapital verloren, auch seine Bank drängte verschärft auf eine „Neugestaltung“ der Finanzierung – „obwohl sie diesen Tilgungsträger sehr wohl akzeptiert hatte“, bemerkt Triller.

Unangenehme Lösung

Nach harten Verhandlungen mit der Bank kam schließlich eine Lösung zustande. Die Finanzierung wurde neu konzipiert, und zwar einerseits in Form einer Laufzeitverlängerung sowie Beibringung von weiteren Sicherheiten und andererseits durch Verpfändung privater Pensionsvorsorgen und Bürgschaften von Familienangehörigen. „Sicher nicht die Wunschvorstellung eines Arztes“, kommentiert Triller. Der Arzt hatte zu diesem Zeitpunkt hohe Verbindlichkeiten und keine private Vorsorge mehr. Er war von seiner Familie abhängig, die teilweise für diese Verbindlichkeiten bürgte. Dazu kam noch, dass Dr. H. seinen Lebensstandard stark einschränken musste und permanent einem immensen Druck unterworfen war, den Umsatz seiner Praxis weiterhin hoch zu halten, da eine Stagnation weitere Liquiditätsprobleme bedeutet hätte. Trillers Fazit lautet daher auch in diesem Fall, das Risiko bei Existenzgründungen immer so niedrig wie möglich zu halten: „Denn auch ein Fremdwährungskredit kann durchaus mit Sicherheitsmaßnahmen versehen werden.“ Laut den Naturgesetzen der Geldanlage gibt es auch keine über dem Markt liegenden Gewinne, die sich nicht schnell wieder ins Gegenteil verkehren können.

 Kasten: Pressemitteilung der ARGE AMIS vom Jänner 2006

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