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Praxis 24. Jänner 2006

Ein Wahlarzt mit Erfolgskonzept

Ein Ende mit Schrecken blieb Dr. Heinz-Christian Sturm erspart. Obwohl die Startphase seiner Wahlarztpraxis „schrecklich“ war, konnte er schon bald Erfolgsluft schnuppern. Dabei half ihm auch ein versierter Ärzteberater.

Sturm ist niedergelassener Facharzt für HNO in Salzburg. Bereits im zehnten Jahr niedergelassen, hat er sich unmittelbar nach Abschluss der Facharztausbildung zur Tätigkeit als Wahlarzt entschlossen. Was heute einem großen Teil der Bevölkerung geläufig ist, war damals noch eine Art Neuland mit ungewissen wirtschaftlichen Chancen. Sturm hat sich allerdings nicht auf Zufälle eingelassen. Mit Hilfe seines Steuerberaters Horst Jünger aus Innsbruck, der ausschließlich Mediziner betreut, wurde die Gründung detailliert geplant. „Er hat mir damals sehr geholfen. Allein durch den Umstieg in die unechte Umsatzsteuerbefreiung habe ich mir viel Geld gespart, das mir sonst durch die Lappen gegangen wäre“, resümiert Sturm. Da in der Berufsausbildung der Ärzte die wirtschaftlichen Belange vernachlässigt werden, erwies es sich als besonders lohnend, die steuerliche und wirtschaftliche Betreuung einem Ärztespezialisten zu übertragen.

Beginn mit Schrecken

Der Beginn war dennoch schrecklich. Ohne die kleinen Kassen blieb der Patientenstrom äußerst dünn. Nach einem halben Jahr bekam Sturm diese Verträge, danach kamen die ersten Zuweisungen. Die Patientenzahlen wurden von Jahr zu Jahr besser. „In gut versorgten Gebieten Österreichs gibt es leider keine neuen Kassenstellen, darauf muss man sich einstellen“, so Sturm. „Im Normalfall kann man nur alte Stellen übernehmen, das ist aber mit einem etablierten Patientenstock nicht unbedingt ratsam.“ In Sturms Schaffenszeit wurden in Salzburg zwei Kassenstellen ausgeschrieben, für die er sich auch, allerdings ohne Erfolg, beworben hat. Mittlerweile wurde das Problem zur Chance. Sturm: „Ich habe inzwischen eine gut gehende Wahlarztpraxis. Ein Mehr an Patienten würde auf Kosten der Qualität gehen.“

Wartezeiten sind ein Organisationsproblem

Da der HNO-Arzt von Akutpatienten lebt, kann man jederzeit einen Termin bekommen. Das wurde mit Hilfe seiner Zeitplanung erreicht. Die maximale Wartezeit in der Praxis beträgt etwa 30 Minuten. „Jeder Arzt muss zwischendurch ungenutzte Zeiten in Kauf nehmen, wenn Patienten zu vereinbarten Terminen nicht erscheinen – was allerdings sehr selten vorkommt“, berichtet Sturm. Reine Wahlarztpatienten sind in seiner Ordination allerdings in der Minderheit. Sturm lebt von den kleinen Kassen und hat davon mehr als ein großer Arzt mit Gebietskrankenkasse: „Diese Patienten schauen sich schon sehr genau an, zu wem sie gehen.“

Erfahrungen mit Personal

Wartezeiten und Betriebskosten zu optimieren, ist im Wesentlichen vom Personal abhängig. „Die Ordination läuft so gut, wie die Mitarbeiter arbeiten“, so Sturm. Auch er hat zu Beginn das eine oder an-dere Mal Schiffbruch erlitten und sagt heute: „Man lernt sicher auch beim Auswahlverfahren dazu.“ Familiäre Hintergründe finden dabei Beachtung. Eine seiner derzeitigen Assistentinnen hat drei erwachsene Kinder, „da ist schon einmal ein deutlicher Vorteil in Sachen Flexibilität und Stressresistenz gegeben“ (Sturm). Der Erfolg der Ordination komme zu 90 Prozent durch Mundpropaganda zustande. Für den Eindruck der Praxis seien aber hauptsächlich die Mitarbeiter verantwortlich. Daher ist Freundlichkeit das oberste Gebot in der HNO- Praxis. „Das Personal sollte zwecks Motivation in alle Entscheidungen eingebunden werden, was Organisatorisches betrifft“, empfiehlt Sturm, „beispielsweise was die Praxiskleidung angeht.“ Beim Image seiner Praxis setzt der HNO-Arzt auf konsequente, von Profis gestaltete Corporate Identity. Anfangs wurde mit Halbprofis herum experimentiert, was sich aber nicht bewährt hat. Sturm ist überzeugt, dass eine einheitliche Linie überzeugend auf Patienten wirkt: „Sie spüren dadurch, dass sie es mit einem Profi als Arzt zu tun haben.“ Finanzieller Überblick ist nicht nur für Wahlarztordinationen unabdingbar. „Ein engmaschiger Blick auf Einnahmen und Aus-gaben ist Voraussetzung“, betont Sturm. „Das funktioniert am besten mit einem Lebenspartner, der zuhause die Buchhaltung macht.“ Seine Frau hat Krankenhausmanagement studiert, führt die Buchhaltung und arbeitet stundenweise in der Ordination mit – eine ideale Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.

Leben ohne Schulden

Sturm ist durch sparsame Lebensweise auch schuldenfrei, die steuerlichen Auswirkungen von Betriebskrediten sind für ihn kein Kriterium: „Ich will flexibel bleiben und versuche, meinen Privatverbrauch mit der Betriebsleistung in Einklang zu halten.“ Ihm ist bekannt, dass Kollegen teilweise stark überschuldet sind. „Damit macht man sich zum Sklaven, beispielsweise der Sozialversicherung oder der Banken“, warnt Sturm, der seine Fixkosten sowie seinen Privatverbrauch kennt und daher auch sein Umsatzziel, das ständig überwacht wird. Bei der Honorargestaltung orientiert sich der Wahlarzt am Kassentarif mit etwa 30 Prozent Aufschlag - natürlich ohne Limitierung. Die Patienten wissen je nach Leistung auch ungefähr, wie viel sie refundiert bekommen. Das sind im Schnitt etwa 50 Prozent.

Kaum Honorarausfälle

Für Barzahler werden die Einreichformalitäten von der Ordination erledigt. „Das wird sehr gern in Anspruch genommen“, berichtet Sturm. Alternative Zahlungsart ist der Erlagschein. Einmal pro Monat erfolgen Mahnungen, wenn das nicht funktioniert, wird ein Inkassobüro beauftragt. Sturm freut sich über die geringe Ausfallsquote bei Honoraren von einem Promille: „Das ist nichts.“ Ein Wahlarzt braucht andere Ordinationszeiten als ein Kassenarzt. Der Großteil der Patienten des HNO-Arztes kommt zwischen 17 und 19 Uhr. „ Das ist einer der vielen Ansatzpunkte“, so Sturm, „sich nach den Bedürfnissen der Patienten zu richten.“

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