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Praxis 24. Jänner 2006

Umsatz nicht mit Gewinn verwechseln

Solange die Praxis ausgezeichnet läuft, besteht kein Grund zur Sorge – auch dann nicht, wenn mehrere Hunderttausend fremdfinanzierte Euro zu bedienen sind. Wo dennoch Gefahren lauern, verdeutlicht das Beispiel eines Arztes aus der Praxis einer Finanzierungsberaterin.

Dagmar Triller, Financial Manager beim Basler Ärztedienst, ist bereits seit 19 Jahren mit Privat- und Praxisfinanzierungen von Ärzten beschäftigt, davon mehr als 14 Jahre in einer österreichischen Großbank. In all diesen Jahren hat sie einiges „mitgemacht“, beispielsweise Zahlungsunfähigkeit und Konkurse, deren Ursachen meistens sowohl im privaten als auch im betrieblichen Bereich lagen. Triller versucht bei ihren Gesprächen immer wieder auf potenzielle Fehlerquellen hinzuweisen und sieht ihre Aufgabe bei der Finanzierungsberatung von Ärzten auch darin, den oft vergleichbaren Entwicklungen vorzubeugen. Als Beispiel schildert sie den Fall eines Arztes, der sich nach der Beendigung seiner Facharztausbildung entschlossen hat, als Wahlarzt in die Niederlassung zu gehen. Nach der Wahl des Standortes und der entsprechenden Räumlichkeiten wurde die Praxis mit Fremdkapital in Höhe von 250.000 Euro finanziert. „Die Praxis lief vom ersten Tag an sehr gut, so dass die Bedienbarkeit des aufgenommenen Fremdkapitals gewährleistet war“, so Triller. Aufgrund des stetig steigenden Umsatzes entschloss sich der Arzt im dritten Ordinationsjahr, nach einer Familienvergrößerung auch privat zu investieren und ein Haus zu bauen.

800.000 Euro auf Pump

Die Kosten für Grundkauf und Hausbau in Höhe von 550.000 Euro wurden ebenso fremdfinanziert. „Die Gesamtbelastung von insgesamt 800.000 Euro war aufgrund der guten Entwicklung der Praxis durchaus darstellbar“, berichtet Triller. Eine zwischendurch fällige Steuernachzahlung wurde durch eine Erhöhung des Betriebsmittelrahmens beglichen. Soweit so gut. Die Praxis entwickelte sich weiterhin gut, der Arzt hatte sich gegen alle möglichen Katastrophen wie Unfall, Krankheit oder Tod versichert. Obwohl die monatliche Belastung gewaltig war – natürlich auch durch den stark gestiegenen Lebensstandard –, lief alles in geregelten Bahnen. Was aber dann folgte, war natürlich nicht eingeplant oder abgesichert: private Verwicklungen durch eine neue Partnerin und Schei-dung. „Fast schon ein Standard-programm“, so Triller. Das Haus musste unter den Anschaffungskosten verkauft werden, so dass neben dem laufenden Praxiskredit noch ein Rest von 100.000 Euro an Verbindlichkeiten offen blieb. Eine neue Wohnung und die Unterhaltszahlungen für die Familie kamen als weitere Belastung dazu.

Umsatzspielraum ausgereizt

Im betrieblichen Bereich war in der Zwischenzeit der Umsatzhorizont erreicht. Es kam also, wie es kommen musste. Die Konten waren schließlich dermaßen überzogen, dass die Bank alle Zahlungen einstellte und der Arzt de facto zahlungsunfähig war. Zu diesem Zeitpunkt übernahm die Financial Managerin des Basler Ärztedienstes den Arzt als Kunden. Ihre Sanierungsmaßnahmen bestanden zunächst einmal in Verhandlungen mit den involvierten Banken, die zu einer Laufzeitverlängerung in Verbindung mit einer Reduktion der Zinsen führten. Das war leicht zu erreichen und führte trotzdem zu einer ordentlichen finanziellen Entlastung.

Exakter privater Ausgabeplan

Wesentlich unangenehmer für alle Beteiligten war die Entwicklung eines exakten privaten Ausgabeplans, um die Wurzel des Übels in den Griff zu bekommen. Triller: „Gemeinsam mussten wir dem Arzt ein enges Korsett anlegen, was den Lebensstandard stark einschränkte, aber unumgänglich war.“ Nach fast fünf Jahren des Verzichts auf viele Annehmlichkeiten hat sich die Situation für den Arzt schließlich deutlich verbessert. „Er war in diesen Jahren allerdings einem extremen Druck ausgesetzt“, berichtet Triller, „der für seine ärztliche Tätigkeit nicht unbedingt förderlich war.“ Um derartige, bei Ärzten immer wieder zu erlebende vergleichbare Situationen zu vermeiden, hat Triller einige Ratschläge parat: „Bei einer Finanzplanung darf die Steuer nicht vergessen werden.“ Praxisgründer sind diesbezüglich besonders gefährdet, weil ab dem dritten Jahr die erste größere Nachzahlung ins Haus steht und ab diesem Zeitpunkt regelmäßig quartalsweise Vorauszahlungen zu erwarten sind. „Umsatz wird von Ärzten leider viel zu oft noch mit Gewinn verwechselt“, gibt Triller zu bedenken. Für die Steuer sollte bereits ab dem Zeitpunkt des Verdienens monatlich angespart werden. Investitionen sollten nur nach Nutzen beurteilt und niemals nur für steuerliche Zwecke getätigt werden. Die finanzielle Planung sollte gemeinsam mit Fachleuten erfolgen, weil Ärzte dafür nicht ausgebildet sind. „Wer sich Finanzierungen bis an den Rand seiner Belastbarkeit einreden lässt, hat immer ein großes Risiko“, betont Triller. Abgesehen vom geschilderten Beispielfall, gibt es noch eine ganze Reihe unvorhersehbarer Ereignisse, die plötzlich auf jeden zukommen können. Sind die Finanzen bereits im Vorfeld ausgereizt, ist es meist zu spät.

Arzt sollte Finanzen nie ganz aus der Hand geben

Laut Triller sollten Ärzte ihre Buchhaltung nie ganz aus der Hand geben: „Wer einige Agenden selbst wahrnimmt, behält leichter den Überblick und spart nebenbei noch Geld.“ Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass der wirtschaftliche Druck für Ärzte in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Umso wichtiger werde eine Finanzierungsgestaltung, die flexibel genug ist, um auch bei unvorhersehbaren Ereignissen reagieren zu können.

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