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Praxis 10. Jänner 2006

Auslagerung „alter“ Abfertigungsansprüche

Ansprüche auf Abfertigung sind Teil des Arbeitsrechtes. Eine kostengünstige Möglichkeit für Dienstgeber, mit allen Steuervorteilen rechtzeitig dafür Vorsorge zu tragen, ist die Auslagerung in eine klassische Lebensversicherung.

Mit 1. Jänner 2003 wurde die Abfertigung „neu“ geregelt. Nunmehr zahlt der Arbeitgeber 1,53 Prozent des Bruttogehalts über die Gebietskrankenkasse an eine der neun Mitarbeitervorsorgekassen. In welche eingezahlt wird, macht für den Unternehmer laut Dr. Thomas Taut, Selbständiger Wirtschaftsberater in Wien, keinen Unterschied. „Mehr oder weniger hohe Renditen und Kostensätze betreffen lediglich die Mitarbeiter“, so Taut.

Seit drei Jahren möglich, bisher aber kaum genutzt

Der Gesetzgeber hatte zwar zahlreiche Übertrittsmöglichkeiten vorgesehen, diese wurden in der Praxis bisher aber kaum in Anspruch genommen. Fast drei Jahre nach Einführung hat sich deshalb die Situation bei jenen Mitarbeitern, die bereits vor dem 1. Jänner 2003 angestellt waren, kaum verändert. „Die meisten Ärzte haben ihre Ordinationshilfen nach wie vor mit bis zu zwölf zusätzlichen Monatsgehältern abzufertigen, wenn diese in Pension gehen“, weiß Taut. Dasselbe gilt, wenn der Arzt die Ordination schließen möchte. Da können bei mehreren Mitarbeitern zum Abfertigungszeitpunkt schon stattliche Beträge bis zu 50.000 Euro oder mehr zusammenkommen, die auf einen Schlag fällig werden. Die kostengünstigste Variante, mit allen Steuervorteilen rechtzeitig dafür vorzusorgen, ist laut Taut die Auslagerung in eine klassische Lebensversicherung. Dabei wird unwiderruflich zweckgebundenes Sondervermögen in Höhe der voraussichtlichen Abfertigung gebildet, mit Bezugsrecht beim jeweiligen Arbeitnehmer. „Die Abfertigungszahlung erhält der Mitarbeiter dann direkt von der Versicherung“, erklärt Taut. Im ersten Jahr wird die für die Abfertigung aufgebaute Rückstellung in Höhe von maximal 45 Prozent der aktuellen Verpflichtung (für Arbeitnehmer über 50 Jahre 60 Prozent) aufgelöst und einbezahlt. Ein Arzt, der bislang keine derartigen Rückstellungen gebildet hat, kann diesen Betrag dennoch über fünf Jahre verteilt als Kosten geltend machen. „Wurden Wertpapierdeckungen für die Abfertigung angespart, so sind diese jetzt aufzulösen und als Teil der Einmalzahlung einzubringen“, so Taut.

Steuersenkende Effekte auf Unternehmerseite

Daraus ergeben sich zwei interessante steuersenkende Effekte: Erstens resultiert eine Steuerverschiebung aus den Beträgen, die dem Sondervermögen anfangs verstärkt und dann laufend zugeführt werden. Zweitens kommen die Zinsgewinne in der Versicherung dem Arzt zugute, da sie seine Beiträge senken. „Sie müssen aber nicht als Betriebsgewinne versteuert werden“, so Taut, „da die Versicherung ja nicht Teil des Betriebsvermögens ist.“ Es ist dennoch nur sinnvoll, für diejenigen Mitarbeiter vorzusorgen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zur Pensionierung bleiben und somit auch tatsächlich abzufertigen sein werden. Bei einer Selbstkündigung der Ordinationshilfe fällt der ursprüngliche Zweck weg, die dafür gewidmeten Mittel fließen in das Unternehmen zurück und sind samt Zinsen als außerordentliche Einnahmen zu verbuchen und somit zu versteuern.

Geringes Verlustrisiko bei Selbstkündigung

Dieses finanzielle Risiko möglicher Verluste bei Selbstkündigung beschränkt sich laut Taut aber auf die ersten wenigen Jahre. Durch die vom Gesetzgeber gewährte Versicherungssteuerfreiheit und die erstmalige Einzahlung zum Start rechnet sich diese Form der Lebensversicherung bereits erheblich früher als im privaten Altersvorsorge-Bereich. Daher werden bereits Laufzeiten ab etwa fünf Jahren sinnvoll. So kann auch noch relativ kurz vor der Pensionierung effektiv Vorsorge getroffen werden. Der Gesamtvorteil liegt laut Taut je nach Laufzeit bei fast 20 Prozent, je nach Größe der Ordination also bei ein paar tausend Euro und darüber.

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