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Praxis 10. Jänner 2006

Gute Ideen müssen nicht viel kosten

„Die medizinische Leistung einer Praxis können Patienten in vielen Fällen nur schwer beurteilen“, meint Viktoria Hausegger, Marketingspezialistin in Wien. „Sie wählen daher unbewusst Ersatzkriterien, unter anderem den Eindruck, den die Praxis auf sie macht.“

Eine Praxisgestaltung, die den Bedürfnissen und Erwartungen der Patienten entgegenkommt, kann dafür sorgen, sich von an-deren Ordinationen positiv abzuheben. „Die Patienten bringen ihren Genesungsprozess, problem-lose Schwangerschaftsverläufe, erfolgreiche Diätprogramme und letztlich ihr Wohlbefinden mit diesem positiven Image in Verbindung und kommen deshalb wieder zu ihrem Arzt“, so Hausegger. Doch nicht nur das – Patienten tragen auch das Praxisimage weiter. Eine optimale Gestaltung des Praxisäußeren verschafft daher bereits vor der Behandlung einen vorteilhaften Eindruck. „Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, da die meisten Patienten mehr Zeit vor als während der eigentlichen Behandlung in der Praxis verbringen“, begründet Hausegger. Diese Eindrücke bestimmen nicht nur den Grad des Vertrauensvorschusses, den der Patient dem Arzt entgegenbringt, sondern fließen darüber hinaus in seine Einschätzung der Behandlung mit ein. Richtig gestaltet, beruhigt die Praxis die Patienten, nimmt ihnen Angst und Hemmungen und dient damit deren Wohlbefinden. Der Zeitraum vor der Behandlung hat somit nicht nur einen Image-Effekt, sondern zusätzlich eine positive therapeutische Auswirkung. Der Patient baut Barrieren ab, ist offen für die Therapie und nimmt die Betreuung daher mit weniger Stress an. „Selbst die vermeintlich objektive Beurteilung von Untersuchungsergeb-nissen wird dadurch positiv verändert“, so Hausegger. Ein angenehmes Ambiente erleichtert aber auch dem Arzt seine zeitintensive und verantwortungsvolle Aufgabe. Ebenso werden die Helferinnen vorteilhaft beeinflusst, das Wohlbefinden steigt und das Arbeitsklima verbessert sich.

Förderlicher Wirtschaftsfaktor

Zu den direkten Auswirkungen auf die Patienten gehört auch, dass sich diese noch wohler fühlen und eine höhere Toleranzschwelle gegenüber Unannehmlichkeiten und Unzulänglichkeiten aufweisen. Weil diese Kriterien bei der Auswahl einer Praxis ins Gewicht fallen, wird ein durchdachtes Ambiente zu einem absolut förderlichen Wirtschaftsfaktor. Deshalb sollte heute kein Arzt auf eine den Bedürfnissen der Patienten entsprechende Praxis verzichten.

Vorsicht mit „scharfen“ Düften

Eine Optimierung der Wirkung ist in der Regel mit geringen Kosten zu erzielen, beispielsweise beim Geruch einer Ordination. „Kein anderer unserer Sinne wirkt so unmittelbar auf unsere Stimmung“, betont Hausegger. „In keinem Kaufhaus wird daher die Duftsituation heute noch dem Zufall überlassen. Vielen Ärzten dagegen reicht es, wenn es nicht stinkt.“ Mit einer Duftlampe und einigen guten, passenden Duftmischungen kann die Wirkung auf die Nase der Patienten mit wenig Geld verbessert werden. „Der Geruch darf jedoch nie zu stark werden, er muss an der Grenze zum Wahrnehmbaren bleiben“, rät Hausegger. Mit „scharfen“ Düften sollte dort Vorsicht geübt werden, wo mit Kindern oder homöopathisch gearbeitet wird. Vor einer Veränderung sollte deshalb eine genaue Analyse der Situation erfolgen. Der zweite wichtige Wohlfühlfaktor ist die Farbgebung. Auch hier lassen sich fast immer relativ preiswerte Verbesserungen erzielen. „Farbige Applikationen an den Türen, eine neu gestrichene Anmeldungstheke, eine luftig lasierte Wand mit beruhigenden Tönen im Wartezimmer und dergleichen können das Bild einer Praxis sehr schnell vorteilhaft verändern“, nennt Hausegger einige Beispiele. Es muss also nicht immer ein neues, teures Möbelstück sein, ein wenig Farbe wirkt oft viel stärker.

Das richtige Licht macht ein Wartezimmer gemütlich

Zu guter Letzt spielt das Licht eine wesentliche Rolle. Unangenehm blendende Halogenstrahler bei der Anmeldung, ungemütliche Neon-Deckenleuchten im Wartezimmer, Sparlampen im Sprechzimmer und düstere Flure sind leider nicht selten. Dabei sind auch hier sinnvolle Veränderungen meist mit geringem Aufwand durchzuführen. Hausegger: „So lassen zwei einfache Deckenfluter statt des Neonlichtes ein Wartezimmer gleich wesentlich gemüt-licher wirken.“

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