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Praxis 10. Jänner 2006

Honoraranpassung streng kalkuliert

Inflation und Verwaltung schlucken einen beträchtlichen Teil des Einkommens von Ärzten. Für einen adäquaten Ausgleich des Nettoeinkommens wäre bei Kassenärzten eine Honoraranpassung von mehr als sieben Prozent notwendig.

Die Inflation hat sich bedauerlicherweise nicht so entwickelt, wie von EU-Befürwortern vor etwa zehn Jahren vorausgesagt. Für die einen ist es ein deutliches Zeichen wirtschaftlichen Vorankommens, da es als Zeichen von Wachstum interpretiert wird. Für die anderen ist es vor allem nur lästig, da das real verfügbare Einkommen von Jahr zu Jahr weniger wird. Trotz guter Lohnabschlüsse in den meisten Branchen trifft es im Angestelltenbereich vor allem die Besserverdiener. Noch dramatischer sieht es bei Selbständigen aus, die auch ihre Arbeitsbehelfe selbst finanzieren müssen und dadurch quasi doppelt der Inflation unterliegen. Zusätzlich belastend sind die von Jahr zu Jahr größer werdenden Verwaltungsanforderungen an den Arzt, z.B. die e-Card. Niedergelassene Ärzte mit Kassenvertrag können daher wie üblich nur hoffen, dass allfällige Honoraranpassungen im notwendigen Rahmen durchgeführt werden.

Realistische Größenordnung

Doch welche Größenordnung ist realistisch? Gehen wir einmal von einem Arzt aus, der 2005 mit einem Nettoeinkommen von 4.000 Euro pro Monat auskommen muss, also 48.000 Euro pro Jahr auf zwölf Monate gerechnet. Das entspricht einem kleinen bis mittleren Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag. Um 2006 den gleichen Konsum tätigen zu können, ist bei einer nicht unrealistischen Inflationsrate von 2,5 Prozent ein Nettobetrag von 49.200 Euro notwendig. Dies entspricht einer Ausweitung des (Brutto-)Gewinns von 79.500 (2005) auf 81.900 Euro (2006) und damit einer Ausweitung um knapp drei Prozent. Schuld daran ist die „kalte Progression“. Während die Höchstbemessungsgrundlage für die Sozialversicherung jedes Jahr gnadenlos nach oben gedreht wird, finden nur „Mini-Steuerreförmchen“ mit angeblichen Wunderauswirkungen für Steuerzahler statt, aber die Grenzen der Progressionsstufen bleiben unangetastet.

Betriebliche Kosten nicht vergessen

Es muss also ein höherer Gewinn her – und das bei Betriebskosten, die ebenfalls nicht weniger der Inflation unterliegen als die Privatausgaben. Gerade im betrieblichen Bereich mit Personalkosten samt Nebenkosten, Energie sowie persönlicher Sozialversicherung ist möglicherweise sogar ein höherer Wert maßgebend. Mit 2,5 Prozent gerechnet, ergibt sich bei einer Kostensituation von 80.000 Euro im Jahr 2005 ein Bedarf von 82.000 Euro für 2006. Der für die Gesamtsituation notwendige Gewinn müsste so um 2,76 Prozent von 159.500 Euro auf 163.900 gesteigert werden.

Vorsicht bei der Verwaltung

In diese Berechnung nicht mit einbezogen sind die Zusatzkosten für Verwaltungsaufwand. Unter der Annahme, dass nur die Mehrkosten für die e-Card (pessimistisch geschätzt 7.000 Euro pro Jahr) abgegolten werden sollten, erhöht sich der notwendige Gewinn 2006 auf 170.900 Euro, was einer Steigerung um 7,15 Prozent entspricht. Mit anderen Worten: Um beim niedergelassenen Kassenarzt einen Ausgleich von Inflation und Verwaltungsaufwand herbeizuführen, wäre eine Anpassung der Kassenhonorare um mehr als sieben Prozent notwendig. Sämtliche Abschlüsse darunter bedeuten einen Verlust an Nettoeinkommen in ungefährer Größenordnung der rechnerischen Differenz.

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