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Praxis 10. Jänner 2006

Die Kosten im Auge behalten

Sowohl bei Kassen- als auch bei Wahlärzten gibt es erfolgreiche Unternehmer, aber auch solche, die Schiffbruch erleiden. Brancheninsider sind der Überzeugung, dass bei Beachtung einiger Grundlagen dem wirtschaftlichen Erfolg einer Ordination nichts im Wege steht.

Die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte in Österreich sind durchaus unterschiedlich. Die einen arbeiten im vermeintlich sicheren Bereich der Kassenverträge, andere müssen sich in einem System der freien Marktwirtschaft bewähren. Sie konkurrieren nicht nur mit gleichberechtigten Mitbewerbern, sondern auch mit jenen Kolleginnen und Kollegen, die in den Genuss des „geschützten Marktes“ der Kassenverträge kommen. „Man kann als Kassenarzt gar nicht so viel falsch machen, dass es nicht funktioniert“, sagt Dr. Christoph Reisner, Vizepräsident der Ärztekammer Niederösterreich und Vorstand des Österreichischen Wahlärztevereins. Er sieht den Gesundheitsmarkt für Kassenärzte nach wie vor geebnet. Ein Wahlarzt müsse hingegen gut überlegte „Rezepte“ erarbeiten, weil in seinem Bereich das Gesetz der Marktwirtschaft gelte und kein besonderer Schutz vorhanden sei.

Anforderungen an Wahlärzte

Dem Patienten Zeit anzubieten, hält Reisner für einen wesentlichen Erfolgsfaktor: „Mehrere Erhebungen beweisen, dass der Patient das so haben will.“ Außerdem müssten speziell Wahlärzte Serviceleistungen anbieten, z.B. Briefe, die dem Patienten mitgegeben werden. Damit werde die Behandlung für ihn nachvollziehbar und das Honorar nebenbei wesentlich besser begründbar. „Der Patient muss in Entscheidungen eingebunden und ein gemeinsames Behandlungskonzept erstellt werden“, empfiehlt Reisner. Fritz Bauer, Unternehmensberater im steirischen Trofaiach, sieht die Basis für wirtschaftlichen Erfolg überwiegend im Konsumverhalten begründet: „Viele Probleme wirtschaftlicher Art spielen sich beim Arzt in der Privatsphäre ab.“ Privates Ausgabeverhalten stehe oft mit der Betriebsleistung nicht im Einklang. Zu viel werde auf Pump gekauft, „obwohl man es sich eigentlich gar nicht leisten kann“, so Bauer. „Folge davon ist oft eine schleichende Überschuldung.“

Einfache Kontrollmöglichkeit

Nicht zuletzt aus diesem Grund forciert Bauer bei seinen Kunden, dass die betriebliche Buchhaltung selbst erledigt wird: „Kombiniert mit einem schlau angelegten Kontensystem, lässt sich damit eine einfache Kosten- und Ertragskon-trolle durchführen, deren Basis eine mit dem Steuerberater erstellte Jahresplanung ist.“ Nach Bauers Erfahrung bekommen Ärzte so ein besseres Gefühl für Geld, ein Großteil des Problems wird von vornherein ausgeschaltet. Die „Berufung als Arzt“ steht für Mag. Manfred Kenda, Steuerberater in Klagenfurt, an erster Stelle der Faktoren für wirtschaftlichen Erfolg: „Das Um und Auf bei jedem Unternehmer ist, dass die Liebe und Hingabe zum Beruf passt. Das gilt natürlich auch für niedergelassene Ärzte.“ Damit ist meist auch die Personalführung kein Thema mehr, da die Mitarbeiter motiviert sind und Patienten und andere Geschäftspartner gerne in die Ordination kommen. „Natürlich muss die Ordination wirtschaftlich betrachtet werden“, betont Kenda. „Hierbei gilt es, ein für sich optimales Maß an Effizienz zu finden.“ Nicht derjenige sei automatisch wirtschaftlich erfolgreich, der eine bewertbare Behandlung am schnellsten durchführen könne, sondern „wer die Zeitökonomie am besten beherrscht und trennen kann, was er selbst machen muss und was er delegieren kann“ (Kenda).

Der Know-how-Faktor

Davon ist auch Dr. Robert Schmidhofer, Vizepräsident der Ärztekammer Kärnten, überzeugt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Praxis sei jedenfalls „die persönliche Zuwendung genauso wie medizinisches Know-how“. Jeder Patient müsse auf eine Weise betreut werden, mit der er sich wohl fühle. Ein Pauschalrezept dafür gebe es allerdings nicht. „Hoch geschätzt wird von Patienten auch die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, da ein erweitertes Wissensangebot für Rundumbetreuung sorgt“, macht Schmidhofer aufmerksam. „Die Zukunft der Ärzteschaft wird sich in ‚Know-how-Netzwerken’ abspielen.“ Als Nebenprodukt von Kooperationen nennt Schmidhofer wirtschaftliche Synergien, die vor allem für die Kostenseite von Ordinationen immer wichtiger werden. „Vor allem Fehler in der Startphase werden vielen Ärzten im Nachhinein zum Verhängnis“, berichtet Simone Maier, Mitarbeiterin des Basler Ärztedienstes in Graz. „Niedergelassene Ärzte sollten langsam anfangen und größere private Investitionen erst dann tätigen, wenn sich die Nachzahlungssituation von Steuer und Sozialversicherung eingeschliffen hat.“ Es sei nicht verwerflich, z.B. bei investitionsintensiven Fächern erst einmal mit gebrauchten Geräten zu beginnen.

Bei Standortwahl flexibel sein

„Moderne“ Ärzte beachten auch die Konkurrenzsituation ganz genau. „Heutzutage muss man bei der Standortwahl viel flexibler sein als früher“, betont Maier, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Spezialisierung innerhalb eines Faches und wirtschaft-lichem Erfolg des Arztes erkennt. Oft kommt auch die Mitarbeit des Partners der Ordination zugute. „Einerseits, weil die ‚Ordinationsleitung’ so in Familienhand liegt und andererseits der finanzielle Überblick wesentlich besser beibehalten werden kann“, begründet Maier. Harald Reigl, Regionalleiter NÖ der Ärztebank, kann sich all die-sen Argumenten nur anschließen: „Wenn ein Arzt Freude an seinem Beruf hat, ist er meistens auch erfolgreich. Leider vergeht vielen Kassenärzten aufgrund des sich ständig ändernden Umfeldes immer mehr der Spaß an der Sache.“ Wirtschaftlicher Erfolg ist auch für Reigl mit vorsichtigem Umgang im Ausgabenbereich verknüpft. Dazu könne die Mitarbeit des Ehepartners, „der sich auch mit dem Betrieb identifiziert“, einen wesentlichen Beitrag leisten. Demgegenüber stehen für Reigl Negativbeispiele, die ihm genauso bekannt sind: „Manche Ärzte lassen es sich im Schwung einer Neuniederlassung nicht ausreden, sofort einen Neubau auf die grüne Wiese zu stellen. Wenn dann Steuernachforderungen kommen, muss wieder ein Kredit aufgenommen werden, und die Spirale beginnt sich zu drehen.“ Fazit der Experten: Die Basis für wirtschaftlichen Erfolg lässt sich auf wenige Grundsätze reduzieren.

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