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Praxis 30. November 2005

Wahl des Niederlassungsortes als Erfolgsfaktor

Wo bestehen die besten Voraussetzungen für die Eröffnung einer Ordination? Diese Frage wird, vor allem für Wahlärzte, immer bedeutender. Ein EDV-Programm mit allen verfügbaren Details steht nunmehr als wertvolle Orientierungshilfe für Ärzte zur Verfügung.

Die Wirtschaftswelt befindet sich im Umbruch, kaum eine Branche kann sich den Auswirkungen der Globalisierung entziehen. Die Öffnung der Märkte hat jedoch nicht nur gute Seiten. Weltweit kriselt die Wirtschaft, und Politiker können nicht verhindern, dass Arbeit und Kapital in andere, meist ferne Länder abwandern. Auch die öffentliche Hand klagt über Geldknappheit. Kassenverträge werden aufgrund der Bedarfsanalyse der Sozialversicherungen nur noch in geringer Zahl neu vergeben. Obwohl der Markt für Gesundheitsdienstleistungen nur langsam wächst, lassen sich dennoch immer mehr Wahlärzte nieder. Bereits im kommenden Jahr soll deren Anzahl über jener der Kassenärzte liegen, wird prognostiziert.

Wahlärzte sind im Kommen

Dir. Wilhelm Zieger und Dagmar Triller vom Basler Ärztedienst sind auf die Beratung von Ärzten im Zusammenhang mit Finanzierungen spezialisiert. „Während es vor einigen Jahren noch kein Problem war, jeden Arzt zu guten Konditionen unterzubringen, sind die Banken bei der Risikobeurteilung und der Kreditvergaberichtlinien wesentlich strenger geworden. Inzwischen muss ein Arzt immer eine Planrechnung vorlegen“, so Triller. Hier hinterlässt Basel II genauso seine Spuren wie der zunehmende Konkurrenzdruck. Immerhin hat sich die niedergelassene Ärzteschaft in Österreich in den vergangenen 15 Jahren um 55 Prozent vergrößert. In Zukunft wird die Versorgung der Bevölkerung im niedergelassenen Bereich zunehmend durch Wahlärzte erfolgen. Daher sind alle Kriterien für eine Niederlassung noch genauer zu analysieren, was eine unabhängige und kompetente Beratung zunehmend unverzichtbar macht.

Richtiger Standort wird zunehmend unverzichtbar

Der richtigen Standortwahl kommt deshalb eine immer entscheidendere Bedeutung zu. Die Zeiten, in denen man einfach an seinem Heimatort die eigene Ordination eröffnet hat, sind endgültig vorbei. Nunmehr geht es um existenzielle Fragen, wie Struktur und wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung, Konkurrenzsituation und medizinische Strukturen rund um den Ordinationsstandort. Nur eine genaue Kenntnis dieser Faktoren ermöglicht die Darstellung einer guten Bonität und ist Basis für möglichst günstige Fremdmittel. Dadurch wird das existenzielle Risiko freiberuflich tätiger Ärzte auf Jahre hinaus reduziert.
Um dieser modernen Beratungsanforderung gerecht zu werden, hat der Basler Ärztedienst innerhalb eines Jahres eine umfassende Standortanalyse entwickelt, mit der sich jedes beliebige Niederlassungsansinnen optimal bewerten lässt. Für bereits etablierte Ordinationen ist die Standortberatung wertvolle Orientierungshilfe bei der Weiterentwicklung der Ordination, da alle Änderungen im Praxisumfeld unmittelbar erkannt und bei der Weiterentwicklung der Ordination berücksichtigt werden können.

Bestes Datenmaterial

Bei der Entwicklung wurde auf das beste verfügbare Datenmaterial zugegriffen. Renommierte Anstalten wie Statistik Austria, Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen, Fessel-Gfk, Umweltbundesamt, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie Wirtschaftskammer Österreich wurden konsultiert. In unzähligen Gesprächen mit Ärzten wurden ärzte- und ordinationsspezifische Parameter fixiert. Insgesamt kommen bei der Standortanalyse 150 Parameter in den Bereichen Struktur der Bevölkerung, wirtschaftliche Kraft der Bevölkerung und der 121 Bezirke sowie medizinische Struktur aller Bezirke zum Einsatz.

Schwerpunkte und Gewichtung in vier Hauptgruppen

Im nächsten Schritt wurden Schwerpunkte bei den Parametern gesetzt und in vier Hauptgruppen aufgeteilt. Diese sind Konkurrenzsituation (beispielsweise die Anzahl der Ärzte oder die Bevölkerung pro Arzt), Kaufkraft, potenzielle Patienten und Bevölkerungsentwicklung. Bei den potenziellen Patienten spielen demografische Faktoren wie Altersstruktur, medizinische Erfordernisse wie auftretende Krankheiten und wirtschaftliche Faktoren wie Branchen des Bezirks eine große Rolle. „Besonderes Augenmerk wurde auf die Bevölkerungsentwicklung gelegt“, unterstreicht Zieger. Daraus wurden Gewichtungen entwickelt, die nach Fachrichtungen und Bezirken unterschiedlich sind. So ist ein hoher Anteil an älterer Bevölkerung beispielsweise für einen Internisten wichtig, was für einen Kinderarzt natürlich kontraproduktiv ist. Diese Gewichtung wurde von den Experten des Basler Ärztedienstes gemeinsam mit Ärzten erarbeitet. Verknüpft man diese Ergebnisse mit den 121 Bezirken, kommt man auf einen Datenbestand von etwa 20.000 Zahlen, mit dem sich jede beliebige Niederlassungssituation abbilden lässt. Für jeden Hauptparameter lässt sich der Zielerreichungsgrad ermitteln, wobei jeweils das Niveau mit 100 für den besten Bezirk eingezogen wird.

Österreichweites Ranking für jede Fachgruppe möglich

Die Addierung der Zielerreichungsgrade der Hauptparameter ergibt dann so etwas wie eine „Gesamtnote“ oder einen „Nutzwert“, mit der sich sofort eine erste Aussage treffen lässt. So ließe sich auf Knopfdruck für jede Fachrichtung ein komplettes Ranking aller österreichischen Bezirke erstellen. Allerdings ist diese Fragestellung in der Praxis eher selten. Im Normalfall ist ein niederlassungswilliger Arzt auf wenige Bezirke oder ein bestimmtes Bundesland fixiert. „In diesem Fall muss man ins Detail gehen, und die Bewertung analysieren“, erklärt Triller.

Konkurrenz schlägt Kaufkraft

Das in der Grafik ersichtliche Beispiel stellt den Wunsch eines Augenarztes dar, sich in Kärnten niederzulassen. Das Programm wirft Klagenfurt-Land als besten Bezirk mit einer Bewertung von 55 (von 100) aus. Der vom Arzt bevorzugte Bezirk Villach-Stadt weist mit 28 etwa nur den halben Nutzwert auf. Interessant sind hier die Details: Während Villach-Stadt bei Bevölkerungsanzahl, -struktur und Kaufkraft punktet, liegt der Vorsprung von Klagenfurt-Land in der Konkurrenzsituation begründet. Interessant ist auch der Vergleich mit Gesamtösterreich. Der Durchschnittswert liegt etwa in der Größenordnung von Villach-Stadt, so könnte es für einen Augenarzt durchaus interessant sein, nach Klagenfurt-Land mit dem doppelten Nutzwert zu gehen. Fazit: Die Standortanalyse ist ein erstklassiges Produkt, mit dem man eine Menge anfangen kann. So lässt sich ein komplettes Ranking aller 121 Bezirke in Österreich nach Fachrichtungen erstellen. Selbstverständlich werden alle Daten in kürzest möglichem Abstand aufgefrischt, was beispielsweise bei der Konkurrenzsituation einer monatlichen Überarbeitung bedarf.

Keine statische Betrachtung

Die Standortanalyse ist nicht als statisch zu betrachten, sondern ermöglicht eine interaktive Erarbeitung des für einen Arzt optimalen Bezirks unter Einbeziehung seiner individuellen Wünsche und Vorstellungen – beruflich wie privat. Seine Wunschbezirke lassen sich im Bundesland oder in Österreich natürlich vergleichen. Aufgrund der Bewertungsdetails können Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der für die jeweilige Fachrichtung wichtigen demographischen, wirtschaftlichen und medizinischen Daten im jeweiligen Bezirk gezogen werden. Zieger: „Als nächster Schritt ist sogar die Erweiterung der Standortanalyse auf Gemeindebasis in Planung.“

Weitere Infos zur Standortanalyse:
Basler Ärztedienst, Kaiserfeldgasse 29,
8010 Graz. Tel. 0316/32-50-55,
e-Mail:

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