zur Navigation zum Inhalt
© studiostoks, Adobe
Wer kein Englisch spricht, hilft sich mit Online-Übersetzern.
 
Praxis 6. Oktober 2017

Mit 5,1 Peta-Flops zum Top-Übersetzer

Übersetzungen. Ein Kölner Unternehmen lässt die Großen alt aussehen. Die DeepL GmbH bietet einen kostenlosen OnlineTranslator an, der dank künstlicher Intelligenz deutlich genauere Übersetzungen liefert als Google & Co. Die Architektur der neuronalen Netze macht den Unterschied.

Wer in einer Sprache nicht firm ist oder zumindest den Grundinhalt eines Texts in einer völlig fremden Sprache verstehen möchte, greift gerne auf maschinelle Übersetzer im Internet zurück. Zum Beispiel auf den bekanntesten, den Google Translator, oder den Microsoft Translator bei Bing. Facebook hat ebenfalls eine Übersetzungsfunktion in seinem sozialen Netzwerk integriert, falls man geteilte Beiträge aus anderen Ländern in seiner Muttersprache lesen möchte.

Die Verständlichkeit der jeweiligen Inhalte nach der maschinellen Übersetzung ist jedoch nicht immer gegeben. Viele Faktoren beeinflussen die Qualität der Übersetzungen erheblich. Korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals ebenso wie das Sprachniveau und natürlich die Datenbanken hinter den Übersetzungstools. Bei komplizierten Textstrukturen und Fachausdrücken stoßen Google & Co. schnell an ihre Grenzen. Heraus kommen dann oftmals in weiten Teilen eher kuriose Satzstrukturen und sinnlose Wortaneinanderreihungen. Das Kölner Technologieunternehmen DeepL sorgt nun mit dem Start seines Übersetzers auf www.deepl.com für Aufsehen. Innerhalb kürzester Zeit sind Computer- und Technik-Magazine im Netz darauf angesprungen und loben den Translator von DeepL in den höchsten Tönen. Und tatsächlich: Auch in Stichproben von Springer Professional liefert DeepL selbst bei Ausschnitten aus wissenschaftlichen Texten in der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche deutlich präzisere und verständlichere Ergebnisse als die Konkurrenz.

Wie DeepL selbst behauptet, haben professionelle Übersetzer die Ergebnisse des Kölner Translators drei Mal häufiger besser bewertet als die Ergebnisse der bekannten Maschinenübersetzer. DeepL knackt außerdem Rekorde beim BLEU-(Bilingual Evaluation Understudy)-Score, der zur Bewertung von maschinellen Übersetzern genutzt wird.

Wie genau DeepL sein künstliches neuronales Netz ausgebaut hat, will das Unternehmen nicht veröffentlichen. Nur so viel: „Wir haben einige bedeutende Verbesserungen an der Architektur der neuronalen Netze vorgenommen“, wird Gereon Frahling, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, in einer Mitteilung zitiert. „Durch eine neue Anordnung der Neuronen und ihrer Verbindungen haben wir es unseren Netzen ermöglicht, natürliche Sprache besser abzubilden als jedes bisherige neuronale Übersetzungsnetz.“

Der DeepL-Translator basiert dem Unternehmen nach auf einem einzelnen Modell, nicht auf einem Ensemble. Die künstliche Intelligenz (KI) dahinter läuft auf einem Supercomputer in Island, der 5,1 Peta-Flops (5.100.000.000.000.000 Rechenoperationen pro Sekunde) ausführen kann. Das sei genug Leistung, um eine Million Wörter in weniger als einer Sekunde zu übersetzen.

Island wurde laut Jaroslaw Kutylowski, dem CTO von DeepL, aufgrund des Überangebots an erneuerbaren Energien als Standort gewählt. „So können wir unsere neuronalen Netze in Island sehr kostengünstig trainieren. Wir werden dort weiterhin in leistungsstarke Hardware investieren“, so Kutylowski.

Das DeepL-Team nutzt den Supercomputer, um neuronale Netze mit einer riesigen Sammlung mehrsprachiger Texte zu trainieren. Die Netzwerke schauen sich dabei sehr viele Übersetzungen an und lernen selbstständig, wie man grammatikalisch korrekt übersetzt und gute Formulierungen wählt. Dabei greifen die Kölner auf ihr erstes Produkt zurück: Linguee, einer Suchmaschine für Übersetzungen. DeepL ist aus dem Unternehmen Linguee hervorgegangen. In den vergangenen zehn Jahren wurden auf der Plattform mehr als eine Milliarde qualitativ hochwertiger Übersetzungen zusammengetragen, die nun zum Training der KI genutzt werden.

Der DeepL-Übersetzer unterstützt Unternehmensangaben zufolge derzeit 42 Sprachkombinationen zwischen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und Niederländisch. Die neuronalen Netze trainierten laut DeepL bereits, um in Zukunft weitere Sprachen wie Mandarin, Japanisch und Russisch zu beherrschen. Die Kölner beabsichtigten außerdem, in den kommenden Monaten eine Programmierschnittstelle (API) zur Verfügung zu stellen. So könne die Übersetzungstechnik auch in anderen Produkten wie digitalen Assistenten, Wörterbüchern, Sprach-Lern-Anwendungen und professionellen Übersetzungsprogrammen eingesetzt werden.

Darin steckt auch ein Teil des neuen DeepL-Geschäftsmodells. „Unsere Ambitionen beschränken sich nicht auf Übersetzungen“, sagt Firmengründer Frahling. „Die neuronalen Netze haben ein unglaubliches Sprachverständnis entwickelt. Das eröffnet uns viele aufregende Möglichkeiten für die Zukunft.“

Quelle: springerprofessional.de

Sven Eisenkrämer
, Ärzte Woche 41/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben