zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 25. November 2005

Steuerwohltat seit Jahresbeginn

Kaum zu glauben, aber wahr. Seit Beginn des Jahres gibt es eine Steuerwohltat rund um die Praxisaufgabe, die meist gleichzeitig mit einer Pensionierung zusammenfällt.

„Ärzte mit Ordinationsräumlichkeiten im eigenen Wohnhaus, das bis zum Zeitpunkt der Praxisaufgabe auch Hauptwohnsitz war, dürfen diese Räumlichkeiten nun sofort im Anschluss an die Pensionierung steuerunschädlich vermieten“, berichtet Dr. Karl Braunschmid, auf Ärzte spezialisierter Steuerberater in Linz. Hierbei betont er ausdrücklich die eigentliche Neuigkeit: Die Räumlichkeiten dürfen nun auch für gewerbliche Zwecke, beispielsweise als Ordination, vermietet werden.

Was heißt „steuerunschädlich“?

Steuerunschädlich bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die üblicherweise in einem Gebäude steckenden „stillen Reserven“ bei der Praxisaufgabe, also der notwendigen Überführung vom steuerlichen Betriebsvermögen ins Privatvermögen, nicht versteuert werden müssen. Stille Reserven sind die über den steuerlichen Buchwert hinausgehenden aktuellen Verkehrswerte von Räumlichkeiten. Für die Inanspruchnahme dieser Begünstigung müssen laut Braun- schmid drei Voraussetzungen erfüllt sein: „Es muss sich jedenfalls um eine Praxis-Aufgabe und nicht nur um einen Praxis-Verkauf handeln. Wenn der verkaufende Arzt an einem anderen Platz seine Ordination eröffnet, kommt der Vorteil nicht zum Tragen.“ Weiters ist erforderlich, dass der Arzt 60 Jahre alt ist und die aktive Erwerbstätigkeit insgesamt einstellt, also auch keine anderen aktiven Einkünfte mehr bezieht. Eine Vermietung oder Aktienbesitz gelten in diesem Zusammenhang aber nicht als aktives Erwerbseinkommen. Dritte Voraussetzung ist laut Braunschmid, dass das Gebäude nicht innerhalb von fünf Jahren verkauft wird. Sollte der Arzt in der Zwischenzeit das Gebäude verschenken (oder versterben und somit vererben), muss auch sein Rechtsnachfolger noch den Ablauf der Fünfjahresfrist abwarten, bevor er das Gebäude steuerunschädlich verkaufen kann. Diese seit Jahresbeginn verbesserte Steuersparmöglichkeit ist laut Braunschmid äußerst interessant und sollte bei der strategischen Planung der Praxisbeendigung unbedingt in die Überlegungen mit einbezogen werden: „Die Höhe der stillen Reserven im Gebäude beeinflusst die steuerliche Gestaltung der Pensionierung in der Praxis ganz wesentlich.“

Es geht um viel Geld

Für den pensionswilligen Arzt geht es dabei in der Regel um viel Geld. Erfreulich ist, dass diese Steuerbegünstigung auch im Todesfall und auch für vorzeitige Pensionierungen vor dem 60. Lebensjahr gilt, wenn der Arzt aufgrund von Gebrechen seine Ordination nicht mehr weiterführen kann. Hier müssen natürlich entsprechende Nachweise vorgelegt werden. „Es gibt bei Ordinationsschließungen einige Tücken“, so Braunschmid, „aber bei guter Planung sind Steuerzuckerl durchaus lukrierbar.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben