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Praxis 25. November 2005

Tipps zur Umsatzsteuer beim Hausapotheker

Die unechte Umsatzsteuer-Befreiung von Ärzten hat eine etwas komplexere Gestaltung der steuerlichen Möglichkeiten bei Hausapothekern zur Folge. Richtig gehandhabt, ist aber so mancher Steuereuro damit zu holen.

„Im Normalfall haben Ärzte wenig mit Umsatzsteuer zu tun“, so Mag. Hans-Georg Goertz von der auf Ärzte spezialisierten Wiener Steuerberatungskanzlei Dr. Scholler & Partner. Seit 1997 ist die ärztliche Tätigkeit „unecht umsatzsteuerbefreit“. Dies bedeutet, dass der Arzt für seine ärztlichen Tätigkeiten zwar keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen muss, sich aber aus seinen Betriebsausgaben und Investitionen auch nicht die Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen darf. Auf diesen Umstand ist bei der Anschaffung von Geräten, EDV, Einrichtungsgegenständen und ganz besonders beim Autokauf zu achten. Sehr oft wird laut Goertz vom Verkäufer als Argument der mögliche Vorsteuerabzug für Unternehmer ins Feld geführt, der die Anschaffung „natürlich wesentlich günstiger“ macht. Dies trifft für einen Arzt, der nur seine ärztliche Tätigkeit ausübt, nicht zu, es gilt nur ein eingeschränkter Vorsteuerabzug.

Vorsteuerabzugsverbot nur für ärztliche Tätigkeit

„Das totale Vorsteuerabzugsverbot bezieht sich nur auf die ärztliche Tätigkeit und nicht auf alle anderen Tätigkeiten, die ein Arzt theoretisch ausüben kann“, so ­Goertz. Einnahmen aus Vorträgen, Veröffentlichung von Artikeln, Anwendungsbeobachtungen für Pharmafirmen, diverse Gutachtertätigkeiten, Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, Kontaktlinsenverkauf bei Augenärzten, Kosmetikaverkauf bei Dermatologen und natürlich der Medikamentenverkauf bei Hausapothekern sind umsatzsteuerpflichtig, wenn man nicht Kleinunternehmer ist. Dies berechtigt im Gegenzug jedoch zum teilweisen Vorsteuerabzug. Beim Hausapotheker muss die Umsatzsteuer aus dem Verkauf der Medikamente monatlich an das Finanzamt abgeführt werden. Allerdings kann sich der Hausapotheker auch die Vorsteuern aus dem Einkauf der Medikamente abziehen.

Hausapothekenzuordnung gut argumentieren

Abzugsfähig ist aber nicht nur die Vorsteuer vom Medikamenteneinkauf, sondern auch von allen anderen Ausgaben, die eindeutig der Hausapotheke zuzuordnen sind. „Hier wird es entscheidend sein, ob man die ausschließliche Nutzung für den Apothekenbereich gegenüber der Finanz eindeutig darstellen kann“, so Goertz. Bei Kästen oder Regalen, in denen die Medikamente verwahrt werden, wird dies nicht schwer fallen, aber bei anderen Einrichtungsgegenständen, Computern oder Arbeitsmitteln kommt es auf die individuellen Umstände an.

Ein fixer Prozentsatz für alle zuordenbaren Ausgaben

In den Fällen ohne genaue Zuordnungsmöglichkeit ist das Verhältnis der ärztlichen Umsätze zu jenen der Hausapotheke zu setzen. Dieser Prozentsatz kann für alle Ausgaben angesetzt werden, die sowohl ärztliche Tätigkeit als auch Hausapotheke betreffen. Goertz rechnet vor: „Wenn das Verhältnis zwischen ärztlicher Leistung und Medikamentenverkauf 40 zu 60 Prozent beträgt, sind Vorsteuerbeträge aus den allgemeinen Praxisausgaben zu 60 Prozent vorsteuerabzugsberechtigt. Wenn also in der Jahresmiete der Ordination beispielsweise 2.000 Euro Umsatzsteuer enthalten sind, kann man davon 60 Prozent, also 1.200 Euro, geltend machen und damit als Vorsteuer von der geschuldeten Umsatzsteuer abziehen.“

Geeignete Programme rechnen automatisch

Diesen aliquoten Vorsteuerabzug händisch zu berechnen, wird nur mit einem enormen Zeitaufwand und höheren mathematischen Künsten möglich sein. Grund dafür ist, dass sich während des Jahres das Verhältnis von ärztlicher Tätigkeit und Hausapotheke laufend ändert und daher monatlich eine „Korrektur“ durchzuführen wäre. In der Praxis wird von Anfang an festgelegt, welche Ausgabenpositionen nicht, anteilig oder zur Gänze die Hausapotheke betreffen, und diese werden auf den Buchhaltungskonten im EDV-Programm hinterlegt. Nach Aufbuchen eines Monats berechnet das Programm automatisch den gesamten Vorsteuerabzug, in dem die Konten für ärztliche Tätigkeit und Hausapotheke jeweils um den Prozentsatz der ärztlichen Tätigkeit „gekürzt“ werden. „Die so berechnete Vorsteuer wird ganz normal von der Umsatzsteuer der Einnahmen abgezogen“, erklärt Goertz. „Nur der Differenzbetrag ist an das Finanzamt abzuführen, manchmal ergibt sich sogar ein Guthaben.“

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