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Praxis 24. November 2005

Überblick im Zahlendschungel

Als Benchmarks werden Vergleichszahlen aus einer wirtschaftlichen Branche bezeichnet, an denen sich der einzelne Unternehmer orientieren kann. Ärzte mit Hausapotheke können damit die Rentabilität exakter einschätzen und gegebenenfalls gegensteuern.

„Gerade im Bereich der ärztlichen Hausapotheke mit sehr großen Umsatzzahlen sollte man sich regelmäßig mit Benchmarks auseinandersetzen“, empfiehlt Mag. Hans-Georg Goertz von der Wiener Steuerberatungskanzlei Dr. Scholler & Partner. Zunächst gilt es, die Daten zu erfassen. Die Einnahmen der Ordination sind in ärztliche Kassen- und Privatleistungen, in den Medikamentenverkauf und in sonstige Einnahmen aufgeteilt. Bei den sonstigen Einnahmen kann es sich um diverse Einkünfte handeln, die nicht unbedingt in der Ordination erzielt werden. Laut Goertz macht der durchschnittliche Hausapotheker in Österreich etwa 530.000 Euro Umsatz, wovon 58 Prozent auf den Medikamentenverkauf entfallen.
Die Ausgabenseite wird zur Überprüfung idealerweise in Medikamenteneinkauf, Personalkosten, Abschreibungen, Zinsen und sonstige Kosten aufgeteilt. „Eine weitere Aufschlüsselung der sonstigen Kosten ist nicht sinnvoll, da es bei der Analyse auf die Größenordnung ankommt“, so Goertz. Mit fast 400.000 Euro Gesamtausgaben lässt sich der Schnitt beziffern.

Gewinn-Umsatz-Verhältnis eher bescheiden

Aus der Summe von Einnahmen und Ausgaben ergeben sich Gewinn vor Steuern, die Steuern und das Nettoeinkommen. Der durchschnittliche Hausapotheker kommt bei einem Gewinn von 130.000 Euro auf eine Steuerlast von etwa 57.000 Euro und demnach auf ein Nettoeinkommen von 73.000 Euro. An diesen Zahlen erkennt man schon die Sonderstellung der Hausapotheker, so Goertz: „Es wird zwar viel Geld bewegt, davon bleibt aber nur ein relativ kleiner Teil wirklich übrig.“ Dies wird durch das Gewinn-Umsatz-Verhältnis transparent. Dieses sagt aus, wie viel Gewinn vor Steuern im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen bleibt. „Hier kann aus unserer Erfahrung die Bandbreite von 15 bis 30 Prozent variieren, beim Nicht-Hausapotheker liegen diese Werte üblicherweise über 50 Prozent“, so Goertz. Die für den Hausapotheker wichtigste Kennzahl ist der Rohaufschlag. „Dieser sagt aus, wie viel Prozent der Medikamentenverkauf über dem -einkauf liegt“, erklärt der Steuerberater. Der Rohaufschlag beträgt beim Durchschnittshausapotheker etwa 27 Prozent. Bei idealer Konstel-lation und guten Einkaufsbedingungen sind Werte bis zu 36 Prozent möglich.
Sollte sich der Rohaufschlag nicht in der Bandbreite zwischen 17 und 36 Prozent bewegen, sollte man auf jeden Fall Ursachenforschung betreiben und allfällige Differenzen mit dem Steuerberater abklären. Starke Verzerrungen können besonders dann entstehen, wenn am Ende des Jahres erstmals hohe Vorauszahlungen an Pharmafirmen geleistet werden. ­Goertz: „Diese Zahlungen müssten für eine exaktere Analyse dem Jahr zugeordnet werden, welches sie wirtschaftlich betreffen.“ Eine weitere interessante Kennzahl für den Hausapotheker ist die so genannte Personalintensität, also Personalkosten geteilt durch Umsatz. Diese liegt durchschnittlich bei knapp über 12 Prozent. Wenn dieser Wert über 15 Prozent steigt, sollte die Rentabilität hinterfragt werden.

Einbußen bei Rentabilität

Anhand dieser Durchschnittswerte ist gut zu erkennen, dass sich die Umsatzzahlen von Haus-apotheken jenseits der meisten anderen Fachgruppen mit Ausnahme der technischen Fächer befinden. Doch Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Die jüngsten Spannensenkungen tragen auch wieder ihren Teil dazu bei, dass die ärztliche Hausapotheke aus wirtschaftlicher Sicht an Rentabilität einbüßt. Natürlich kann auch ein Vergleich mit den absoluten Zahlen interessant sein, allerdings sind die in Prozenten ausgedrückten Kennzahlen von wesentlich höherer Aussagekraft. „Eine Selbstanalyse der Ordination kann sicher nur einen groben Überblick geben“, so Goertz, „erst eine detaillierte Untersuchung kann die Basis für möglicherweise zu ergreifende Maßnahmen darstellen.“

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