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Praxis 24. November 2005

Kleiner Leitfaden für steuerliche Spielräume

Der Unternehmer Arzt steht oft vor der Frage, was er als Betriebsausgaben deklarieren kann und was laut Steuerrecht ausschließlich privater Natur ist.

„Es liegt auf der Hand, dass Unternehmer tendenziell möglichst viele Ausgaben als Betriebsausgaben deklarieren wollen, um Steuern zu sparen“, sagt Mag. Rudolf Siart, Steuerberater in Wien. „Ebenso sicher ist das Bestreben der Finanzverwaltung, betrieblich absetzbare Aufwendungen klar abzugrenzen und jene Aufwandspositionen umfassend festzulegen, die der privaten Lebensführung eines Unternehmers zuzurechnen sind.“ Die Trennung ist an sich klar geregelt: Alle Ausgaben, die ihren Ursprung in der Privatsphäre haben und deren Zweck auf die Privatsphäre gerichtet ist, können keinesfalls als Betriebsausgaben angesetzt werden. Auch wenn die Ausgaben für Nahrung und Unterkunft letztlich eine unabdingbare Voraussetzung für eine betriebliche Tätigkeit darstellen, unterliegen diese dem betrieblichen Abzugsverbot. Konkret fallen Haushalts- und Unterhaltsaufwand im engeren Sinn, wie Miete, Beleuchtung, Beheizung, Bekleidung und Ernährung, darunter.

Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume

Gestaltungsspielräume ergeben sich in diesem Zusammenhang jedoch bei Arbeitszimmern, Berufsbekleidung und Bewirtungsspesen. Weiters unterliegen dem betrieblichen Abzugsverbot auch Ausgaben für Freizeitgestaltung und Erholung, Möglichkeiten bieten sich hier im Rahmen beruflich bedingter Seminarreisen. Ist ein Arbeitszimmer in einem Wohnungsverband gelegen, so sind die dafür anfallenden Kosten steuerlich nur unter bestimmten Voraussetzungen abzugsfähig. Das Arbeitszimmer muss nach der Art der Tätigkeit unbedingt notwendig sein, den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit eines Unternehmers bilden und getrennt begehbar sein. In diesem Fall können Kosten wie Miete oder Gebäudeabschreibung, Betriebskosten, Energie und Hausverwaltung anteilig geltend gemacht werden. Unternehmer mit auswärtigen Betriebsstätten (Ordination) können die Kosten für ein Arbeitszimmer zu Hause normalerweise nicht geltend machen. „Selbst dann nicht, wenn dieses regelmäßig genutzt wird“, so Siart. So genannte „bürgerliche“ Kleidung gehört in der Regel auch zu jenen Aufwendungen der Lebensführung, die dem Abzugsverbot unterliegen. Ein als Betriebsausgabe abzugsfähiges Arbeitsmittel liegt nur dann vor, wenn es sich um typische Berufs- oder Arbeitskleidung handelt. Die weißen Mäntel eines Arztes können bedenkenlos als Betriebsausgabe deklariert werden, auch die Kosten für die Reinigung (Wäscherei) dieser Bekleidung sind von der Steuer absetzbar. Bewirtungsspesen betreffen grundsätzlich die private Lebensführung. Nur wenn gegenüber einem (potenziellen) Geschäftspartner eine „Produkt- oder Leistungsinformation“ gegeben wird, können die entsprechenden Ausgaben als Betriebsausgaben als „werbeähnlicher Aufwand“ angesetzt werden. Demgegenüber können Kosten für eine bloße Kontaktpflege im Sinne von Repräsentationsaufwendungen nicht als Betriebs-ausgaben verwertet werden. Sollte es gelingen, einen werbeähnlichen Aufwand anzusetzen, darf ohnehin nur die Hälfte des Aufwands als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Genaue Dokumentation ist laut Siart jedenfalls unverzichtbar.

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