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© popba/Getty Images/iStock
Der Trend geht dahin, dass Ärzte auf zentrale Datenbanken zugreifen können, um jederzeit die Daten ihrer Patienten einzusehen.
 
Praxis 15. September 2017

Was uns 2030 in einer Arztpraxis erwartet

Zukunft. Die technischen Möglichkeiten zur Erfassung unserer körperlichen Funktionen scheinen unbegrenzt zu sein. Wird in der Arztpraxis von morgen ein Arzt auf uns warten, der bereits alle Daten online, noch vor der Konsultation, eingesehen hat? Bereits jetzt wird an künstlichen Intelligenzen gearbeitet, die das Leben eines Mediziners erleichtern sollen.

„Täglich um 5 Uhr 40 beginnt mein Beamer damit, einen wunderschönen Sonnenaufgang auf die Decke über mir zu projizieren, und gleichzeitig setzen leichte Vibrationen meines Bettes ein, um mich aus dem Schlaf zu rütteln.

Auf dem Weg zur Toilette erfassen Sensoren, die überall in der Wohnung verteilt sind, meine Atemluft, Körpertemperatur und meine Stimmung. Ein Check, der bald durch eine Urinprobe erweitert wird. Während ich mich der Kaffeemaschine nähere, ertönt im Gang eine sanfte Stimme, die mich über alle Neuigkeiten des heutigen Tages, Freitag der 16. Juli 2027, informiert. Personalisiert, wie sich versteht.

Noch bevor ich an meine bevorstehenden Termine erinnert werde, wird ein wenig Werbung eingespielt. Pech, wieder an der falschen Stelle gespart. Aber zumindest mag ich die Kaffeewerbung des Marktführers, denn zusammen mit dem neu angeschafften „Nebuliser 3000“ ist die Wohnung passend zur Werbung schnell mit einem perfekten Kaffeeduft geschwängert und macht Lust auf einen eigenen Kaffee. Bei dieser Anschaffung hatte ich glücklicherweise nicht gespart.

Davor aber noch schnell der obligatorische Check am Kühlschranksensor, Hand auflegen, warten, warten … wie lange doch drei Sekunden dauern können … und endlich waren alle morgendlichen Untersuchungen abgeschlossen. Am Display erschien aber dieses Mal nicht wie gewohnt das freundliche Lachgesicht, sondern ein eher verärgert blickender rotgefärbter Genosse.

Wieder ertönte die sanfte Stimme, die mich in diesem Moment so gar nicht an meine Ex-Frau erinnerte, und informierte mich darüber, dass ich aufgrund der hohen Alkoholkonzentration im Harn, der Hautanalyse und in der im Schlafzimmer untersuchten Atemluft innerhalb von zwei Stunden zu einer außertourlichen Untersuchung beim Firmenarzt zu erscheinen habe. So waren eben die Vorgaben meines Dienstgebers und irgendwie überkam mich das Gefühl, dass all diese Sensoren und die ständige Vernetzung doch so keine gute Idee war.

Wenig erfreulich war dann auch noch das vom Computer individuell zusammengestellte Frühstück. Was für ein Start in den Tag! In meinem, für Manager in meiner Position unwürdigen alten Tesla Model 3, ging es dann zum Firmenarzt. Während der Fahrt noch schnell die neu eingelangten Mails beantwortet, Telefonate geführt und der Ex-Frau zur letzten Schönheits-OP gratuliert.

Vorbei an den Büros, dem Fitnesscenter und rauf in den 18. Stock zum Firmenarzt. Gleich nach der Eingangstür der Stimmencheck und damit war meine Anmeldung auch schon erledigt. Dann weiter durch einen Vollkörperscanner, der neben orthopädischen Analysen die Elastizität meiner Venen und viele mir andere unbekannte Dinge erfasste. Ohne auch nur eine Person in der Praxis gesehen zu haben, nahm ich wie gewohnt das Tablett vom Tisch und ging die eingeblendeten Fragen am Display rasch durch. Gewohnt deswegen, weil wir laut Betriebsvereinbarung mindestens einmal pro Jahr stichprobenartig einen Check über uns ergehen lassen mussten. Aufgrund meiner direkten Kundenkontakte und der damit verbundenen Nachbesprechungen in den ansässigen Lokalen durfte ich aber öfters hier erscheinen.

Eigentlich gefiel es mir hier im Warteraum sehr gut, denn es war kein kalter Raum mit weißen Wänden, sondern viel mehr erinnerte es mich an ein Gewächshaus. Alles war grün und voll mit exotischen Pflanzen. Wie die das aber alles pflegen und mit der Hygiene gelöst haben, ist mir aber bisher immer rätselhaft geblieben.

Im hinteren Bereich des Warteraums gibt es noch so einen kleinen Wasserfall, der auf eine Glaskuppel fällt. Unter der Kuppel können sogenannte Schnelltest durchgeführt werden. Für mich natürlich uninteressant, denn schließlich waren meine bisherigen Besuche beim Firmenarzt immer auf eine Pflicht zurückzuführen und kein persönliches Anliegen.

Kaum hatte ich das Tablett wieder auf den Tisch gelegt, wurde ich in den Untersuchungsraum gebeten. Gleich nach eintreten verblasste das Video mit dem wunderschönen Landschaftsbild am riesigen Display und es erschienen in einer sehr übersichtlichen und sogar für mich verständlichen Weise meine heute Morgen erfassten Gesundheitsdaten, übermittelt von meinen verräterischen Sensoren. Natürlich hat das Computersystem dabei aber nicht darauf vergessen, meinen Ethanol-Spiegel in einer nicht zu übersehenden Weise darzustellen. Der Restalkohol wird aktuell vom System unter Berücksichtigung der gestrigen Firmenkundenabrechnung auf rund 0,8 Promille geschätzt.

Noch vertieft in meine Werte, informierte mich die Assistentin des Firmenarztes darüber, dass eine Blutabnahme für weitere Untersuchungen notwendig sei. Kurz das mobile Infrarotlicht über die Haut geführt und schon leuchteten meine Venen auf – die Faszination darüber wich aber schnell der eindringenden Nadel. Eigentlich ein Vorgang, der meiner Meinung nicht mehr zeitgemäß sein sollte.

Ich dachte mir nur, manche Dinge ändern sich halt nie.

Der eintretende Arzt begrüßte mich, so wie ich ihn, mit dem Vornamen. Dass die gesamte Unterhaltung aufgezeichnet und von Systemen mit künstlicher Intelligenz analysiert wurde, war natürlich selbstredend.

Er schien es nicht eilig zu haben, er legte sein drahtloses Stethoskop auf den Tisch, setzte sich zu mir und dann unterhielten wir uns nur über die privaten Vorkommnisse der vergangenen beiden Monate. Jene Zeit, die seit meinem jüngsten Besuch aufgrund ähnlich gelagerter Gründe verstrichen war. Mit Hilfe einer gekonnten Bewegung führte er beiläufig den Standard-Tricorder über den Körper, schob dann die Hologramme, die meine Patientenakten zeigten, zur Seite, und sprach dann sehr offen über die aktuelle Situation, ohne jemals das Wort Alkoholproblem zu verwenden.

Warum auch? In meiner Gesundheitsdatenbank konnte er sehen, dass ich mindestens zwei Mal pro Woche Ausdauersport betreibe und mich laut Spesenabrechnung im Normalfall relativ gesund ernährte. Ganz so schlecht ist die Vernetzung dann doch nicht. Nach der obligatorischen Belehrung und dem Hinweis, nach der nächtlichen ,Nachbesprechung’ doch lieber in einem Hotelzimmer zu übernachten, war die verordnete Untersuchung wieder vorbei. Abends darauf trafen wir uns zufällig im Holodeck zum Sport, wo ich Tom, meinem Firmenarzt, ganz ohne Messgeräte und verräterische Sensoren meine sportliche Überlegenheit bewiesen habe.“

Reine Fiktion oder doch Realität?

Sie werden überrascht sein, vieles davon ist bereits real und praxistauglich. Autonome Fahrten sind den Medien kaum noch eine Schlagzeile wert; Gesundheitsapps oder Sensoren, die Vitalzeichen aufnehmen, sind ebenfalls schon lange am Markt und selbst für Privatpersonen kostengünstig erhältlich. Drahtlose Analysegeräte und handelsübliche Tabletts machen Notizen auf Papier und Ausdrucke längst überflüssig. Telemedizinische Konsultationen sind zwar noch eine Seltenheit, finden aber zunehmend mehr Akzeptanz. Selbst der Einsatz von Robotern während operativen Eingriffen macht enorme Fortschritte. Vor wenigen Wochen ist es britischen Chirurgen in einer bahnbrechenden Operation unter Verwendung der Robotertechnik gelungen, eine Membran von der Retina zu entfernen, die weniger als einhundertstel Millimeter dick war.

Wie werden sich die Innovationen im Gesundheitsbereich auf die Arztpraxis oder das Krankenhaus im Jahr 2030 auswirken? Welche Veränderungen stehen uns noch bevor? Bekommt man im Zuge der Aushändigung eines Rezeptes dann im gleichen Atemzug die Frage gestellt, ob als Zusatzleistung zum Selbstkostenpreis eine Ampulle „junges Blut“ mit anschließender Transfusion zur Revitalisierung verabreicht werden soll? Mausversuche haben nämlich gezeigt, dass mit Hilfe kompatibler Proben fehlende Proteine ergänzt werden können und eine Regeneration des Körpers damit einhergeht.

Guter Zeitpunkt für Veränderungen

Wird der Vertrauensarzt eine Neuprogrammierung der Zellen vornehmen und verschiedene Gene ein- oder ausschalten können? Je nach Ausgangslage damit die Reparaturmechanismen an der DNS wieder in Gang setzen oder im Bedarfsfall einfach nur das Haarwachstum beschleunigen (Galeon, 2017). Werden die essenziellen Fragen von morgen daher nicht mehr die Notwendigkeit von medizinischen Interventionen behandeln, sondern wird nach Lösungen gesucht, wie die vorhandenen medizinischen Produkte unabhängig von ethischen Gesichtspunkten für jeden erschwinglich werden?

Der Zeitpunkt für Veränderungen scheint auf jeden Fall günstig zu sein. Laut einer kürzlich veröffentlichten US-Studie planen 48 Prozent der befragten Mediziner ihre Ordinationszeiten zu reduzieren, ganz aufzuhören, eine nicht-klinische Anstellung anzunehmen oder suchen nach einer Möglichkeit, die Anzahl der Patientenkontakte zu reduzieren. Nicht nur die Experten sind unzufrieden, denn auch unter den zu behandelnden Personen werden die Stimmen nach mehr Mitsprache im Behandlungsprozess immer lauter. In etwa 80 Prozent der befragten Patienten wollen laut Wolters Kluwer Health mehr Einfluss auf den Behandlungsprozess nehmen.

Was moderne Praxen können

Vor kurzem hat in den USA eine Arztpraxis eröffnet, die völlig neue Wege beschreitet und stark auf den technologischen Fortschritt vertraut. Vollkörperscanner, drahtlose Messinstrumente und riesige Bildschirme haben Formulare aus Papier und alte Gerätschaften völlig aus dem Routinebetrieb verdrängt. Großräumige gestaltete Warteräume mit Bildschirmen sorgen nicht nur für Zeitvertreib, sondern liefern den wartenden Patienten wertvolle Informationen im Sinne einer einfach verständlichen Gesundheitsbildung.

Der Vergleich zwischen dem was aktuell in den Gesundheitszentren geboten wird und dem, was bereits möglich ist, zeigt sich eine deutliche Diskrepanz. Heilung, ein Prozess des 19. Jahrhunderts wird heute noch in Gebäuden des 20. Jahrhunderts praktiziert. Die Technik des 21. Jahrhunderts findet im Heilungsprozess aber keine volle Berücksichtigung und Integration.

Die Rolle der künstlichen Intelligenz

Ein israelisches Start-up, Medial Early Sign, erarbeitet aktuell Algorithmen, die in der Vorhersage von Krankheiten und der Behandlung von Menschen eingesetzt werden sollen. Auf Basis der gewonnenen Ergebnisse aus der aktuellen Blutabnahme und vorhandenen Informationen aus den Datenbanken sollen unabhängig vom Grund der aktuellen Behandlung Patienten früh identifiziert werden, die ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Erkrankungen haben.

Das Computerprogramm verfolgt den Verlauf von chronischen Erkrankungen, das Entstehen von Komplikationen und personalisierten Indikationen, die in der Folge zu einer Hospitalisierung führten. Damit das System in Zukunft entsprechende Signale zur Früherkennung liefern kann, braucht es valide Datensätze. Die Vielfalt unter den Anbietern von EDV-Lösungen ist groß, nur wenige der aktuell im Einsatz befindlichen Programme werden aber in Zukunft in der Lage sein, mit Hilfe der vorhandenen Algorithmen zur Früherkennung beizutragen.

Somit werden Hausärzte noch besser in die Lage versetzt, Patienten, die verstärkt in den Mittelpunkt des Behandlungsprozess rücken, früher vor möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigen zu schützen. Sie können damit leichter der Forderung und dem oft geäußerten Wunsch der Gesellschaft nachkommen, nicht für die Heilung von Krankheiten bezahlt zu werden, sondern für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit.

Die Metamorphose

Diese Forderung zu erfüllen, verlangt aber, dass sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren die Interaktion zwischen Arzt und Patienten wandeln muss. Parallel dazu werden neue technische Geräte auf den Markt kommen, die herkömmliche Instrumentarien und Prozeduren ersetzen und dabei unter Umständen selbst wieder einer Erneuerung zum Opfer fallen.

Der Arztpraxis und allen darin befindlichen Objekten, einschließlich der Experten und Ratsuchenden steht sprichwörtlich eine Metamorphose bevor. Technische Veränderungen lösen aufgrund der damit verbundenen Kosten aufseiten der Bereitsteller aus nachvollziehbaren Gründen eine gewisse Unsicherheit aus.

Folgende Schritte sollen dabei helfen, das Inhaber von Praxen diese Herausforderungen ohne große Schwierigkeiten meistern können:

- Netzwerken: Durch die Zugehörigkeit zu und Nutzung von bestehenden professionellen Netzwerken ergibt sich ein enormer Informationsvorsprung. Sie erfahren dort, in welche Technologien sich eine Investition für die eigene Praxis lohnt und in welche nicht. Telemedizin wird bei kleineren Anliegen so alltäglich wie Onlinebanking werden, da es sowohl für den Patienten als auch für den Mediziner die effizienteste Art der Problemlösung sein wird.

- Patientenmeinungen einholen: Die Gesundheitsversorgung wird zunehmend verbraucherorientierter, daher gewinnen die Wünsche und Meinungen der Verbraucher von Dienstleistungen im Gesundheitssystem, also den Patienten, zunehmend an Bedeutung. Wenn die Patienten den Wunsch nach einer stärkeren Integration in den Behandlungsprozess äußern, dann sollten nicht die Ordinationszeiten oder die Gestaltung des Warteraums in den Vordergrund rücken, sondern wie Patienten ihre Anliegen beispielsweise in elektronischer Weise formulieren können. Die Frage müsste also lauten, welche technologischen Adaptierungen lassen das zu?

- Offenheit gegenüber neuen Möglichkeiten: Auch, wenn es den Anschein hat, dass die Patienten neuen technischen Veränderungen skeptisch gegenüberstehen, so sind sie aber trotzdem auf der Suche nach Medizinern, die diese fortschrittliche Technologie anwenden. Wer somit am Puls der Zeit ist, hat einen Vorsprung gegenüber den Mitbewerben.

Der Hausarzt wird in Zukunft mehr und mehr Informationen über den Patienten in digitaler Form vorliegend haben. Gespeist wird dieser Datenpool von Sensoren, die sich die Patienten freiwillig im täglichen Leben anbringen und von besser vernetzten Datenbanken, durch die etwa aktuelle Laborergebnisse ausgelesen werden können.

Laut Prof. Dr. Josef Smolle, Professor für Neue Medien in der Medizinischen Wissensvermittlung und -verarbeitung und ehemaliger Rektor der Medizinischen Universität Graz, ist die kontinuierliche Aufzeichnung von Gesundheitsdaten, so wie es die Apps heute den Anwendern erlauben bisher nur speziellen Fragestellungen vorbehalten.

Als Beispiele dafür nennt er die 24-Stunden-Blutdruckmessung oder das 24-Stunden-EKG. Weiteres können in diesem Zusammenhang das Monitoring während Narkosen oder auf Intensivstationen, und laufende Messung von Kreislaufdaten oder Blutzuckerwerten in ambulanten Settings bereits realisiert werden.

Eine umfassende Registrierung großer Datenmengen, deren Speicherung bzw. Übertragung an eine zentrale Stelle, und die analytische Aufbereitung der Daten wird laut Smolle den behandelnden Personen mit Sicherheit mehr Erkenntnisse bringen als das derzeitige punktuelle Messen bestimmter Parameter. Seiner Meinung nach wird die künstliche Intelligenz dabei helfen, in der Fülle der Messdaten Muster zu erkennen, die sich der subjektiven menschlichen Beobachtung nicht erschließen. „Solche Muster werden nicht nur für die Gesamtprognose, sondern wohl auch für die Vorhersagbarkeit des Ansprechens auf verschiedene therapeutische Maßnahmen und deren Überprüfung relevant sein. Insgesamt kann man daran die Hoffnung knüpfen, dass auf diese Art eine Optimierung von – nicht nur neuen, sondern auch bereits etablierten – Therapieschemata resultiert und dies die Krankheitslast der Bevölkerung reduzieren wird“, so der Professor weiter.

Digitale Daten, wer auch immer diese wann und wo erhebt, müssen am Ende zu einer Information zusammengefasst werden, „die vom behandelnden Arzt in Gesamtschau mit dem Patienten interpretiert, gewichtet, mit anderen Aspekten synthetisiert und zu einer Entscheidungsgrundlage gemacht werden muss. Letztlich geht es immer darum, die unendliche Komplexität der menschlichen Natur soweit zu reduzieren, dass sie menschlich verständlich, für Arzt und Patient handhabbar wird und eine Auswahl zwischen – in ihrer Zahl stets beschränkten – Handlungsoptionen ermöglicht“, sagt Smolle.

Telemedizinische Anwendungen werden die ersten Angebote sein, die sobald die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind, rasch eine hohe Verbreitung finden werden. Unsere Gesundheit ist uns wichtig, daher stellen wir uns laufend Fragen, wie diese erhalten oder verbessert werden kann. Warum soll es daher für eine Person nicht möglich sein, im Bedarfsfall innerhalb der Routinezeiten eine Frage an den Vertrauensarzt zu richten? Warum kann nicht eine alleinerziehende Mutter mit krankem Kind per Video nach Rat fragen?

Krankenhäuser, die im Gegensatz zu Praxen von Allgemeinmedizinern zumeist über umfangreichere technische und finanzielle Möglichkeiten verfügen, können bei Großgeräten früher von den Entwicklungen profitieren. Widerstände wird es sowohl dort, als auch in den Praxen geben – eine Implementierung erscheint nicht immer einfach.

Folgt man den Ausführungen von Smolle, so laufen gerade aufwändige Technologien Gefahr, zentralisiert zu werden, „sich am System zu orientieren, dieses zu optimieren und das Individuum eben diesem System zu unterwerfen. Deshalb wird jeder innovative technologische Schritt erhöhte Wachsamkeit und kritische Begleitung erfordern, damit der mögliche und erwünschte individuelle Nutzen auch wirklich zum Tragen kommt.“

Alexander Riegler, MPH, ist als Coach tätig und bietet beispielsweise Gesundheitskompetenz-Coaching an.

www.alexanderriegler.at/

Alexander Riegler
, Ärzte Woche 38/2017

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