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Praxis 24. November 2005

Vorauszahlung mit Zinseffekt

Auf der Suche nach Steueroptimierungen stellt sich für alle Ärzte traditionell im Herbst immer wieder die Frage, welche der zahllos vorhandenen und teilweise angebotenen Möglichkeiten Sinn macht. „Für Ärzte mit großem Materialeinsatz kommt eine Akontozahlung für das Folgejahr in Frage“, regt Mag. Hans-Georg Goertz, Steuerberater in Wien, an.

Hausapotheker sind ein Paradebeispiel für steuerliches Jonglieren. Manche geben für den Medikamenteneinkauf pro Jahr mehr aus, als sie mit ihrer ärztlichen Tätigkeit umsetzen. Unumstritten ist, dass ein Vorziehen dieser Betriebsausgaben das steuerliche Ergebnis für das aktuelle Jahr senkt. „Es sind aber einige wesentliche Punkte vor Durchführung solcher Maßnahmen zu beachten“, so Goertz. Grundsätzlich können nämlich nur vorgezogene Zahlungen, die das laufende und das folgende Jahr betreffen, steuerlich voll berücksichtigt werden. Ansonsten müsste eine Verteilung nach der zeitlichen Zurechenbarkeit erfolgen. Goertz: „Vorauszahlungen für Medikamente können, soweit es wirtschaftlich vertretbar ist, in der Regel maximal bis zu einem Jahresbedarf, unbeschränkt getätigt und steuerlich im Zeitpunkt der Bezahlung geltend gemacht werden.“

Einmaliger Steuereffekt

Dabei sollte aber im Bewusstsein bleiben, dass ein steuerlicher Effekt nur einmal, nämlich im ersten Jahr des Vorziehens, besteht. Danach müsste die Vorauszahlung am Ende jeden Jahres wiederholt werden, um zumindest den „Status quo“ wieder herzustellen. Eine zusätzliche Steuerersparnis ergibt sich in den folgenden Jahren nicht mehr. Goertz verdeutlicht das mit einem Beispiel: „Im Jahr 2005 wird im Dezember eine Akontozahlung, zum Beispiel für den Medikamenteneinkauf Jänner 2006, getätigt. Dieses Akonto könnte aber auch mehrere Monate umfassen. Dadurch kann man im Jahr 2005 13 Monate Einkauf als Betriebsausgabe absetzen.“

Zahlungszeitpunkt beachten

Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der Zahlungszeitpunkt. Allerdings hätte man ohne neuerliche Akontozahlung im Dezember 2006 in diesem Jahr nur elf Monate als Betriebsausgabe zu berücksichtigen. Erst wenn auch im Jahr 2006 wieder zumindest ein durchschnittlicher Monatsbetrag als Akonto für das Jahr 2007 getätigt wird, stünden wieder zumindest zwölf Monate Medikamenteneinkauf als Betriebsausgabe „zur Verwendung“.Daher ergibt sich bei konsequenter Durchführung der Akontozahlungen über die gesamte restliche Laufzeit der Ordination eine Steuerstundung. Im ersten Jahr der Vorauszahlung hat man 13 Monate, dann jedes Jahr 12 Monate und im letzten Jahr der Ordination 11 Monate als Betriebsausgaben angesetzt. Man zieht die Betriebsausgabe des letzten Jahres der Ordination also auf das aktuelle Jahr vor. De facto ergibt sich dadurch eine Steuerstundung vom aktuellen Jahr bis zum letzten Jahr der Ordination und damit ein Zinseffekt. Dieser fällt umso größer aus, je länger der Zeitpunkt zwischen der erstmaligen Akontozahlung und der Beendigung der Ordination ist.

Zu beachten ist dabei, dass man am Ende jeden Jahres die Vorauszahlungen tätigen und diese vor allem auch finanzieren muss. Hier steht die Überlegung an, ob eine zu teure und vor allem zu lange Form der Finanzierung der Vorauszahlung vielleicht den Effekt unvorteilhaft werden lässt. Daher ist von Fall zu Fall zu untersuchen und durchzurechnen, ob ein Vorziehen von Betriebsausgaben Sinn macht oder es vielleicht doch günstiger ist, die etwas höhere Einkommensteuerzahlung in Kauf zu nehmen.„Wird eine Akontozahlung durchgeführt, ist auf jeden Fall darauf Wert zu legen, dass die Pharmafirma eine Rechnung über die Akontozahlung ausstellt, die den umsatzsteuerrechtlichen Erfordernissen entsprechen sollte“, so Goertz. „Liegt diese Rechnung nämlich bereits im Monat der Zahlung vor, kann in Verbindung mit der getätigten Zahlung bereits der Vorsteuerabzug in diesem Monat durchgeführt werden.“

Wird hingegen keine Rechnung über die Akontozahlung ausgestellt, ist der Vorsteuerabzug nicht allein durch die Zahlung möglich, sondern erst im Zeitpunkt, in dem über die vorausbezahlten Medikamente eine Rechnung gestellt wird. Durch verspätete Rechnungslegung und den ein oder zwei Monate verzögerten Vorsteuerabzug ergibt sich laut Goertz auch ein gewisser Zinsverlust.

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