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Praxis 24. November 2005

Viel Arbeit mit dem Arbeitszimmer

„Dass man im Wohnbereich auch arbeitet, glaubt unser Gesetzgeber nicht so recht und lässt daher Ausgaben, die mit einem Arbeitszimmer im Wohnungsverband in Zusammenhang stehen, nur in Ausnahmefällen als steuerliche Abzugsposten zu“, gibt Dr. Karl Braunschmid, Ärztesteuerberater in Linz, zu bedenken.

Ein Arbeitszimmer ist ein Raum, dem laut Braunschmid der Charakter eines Wohn- oder Büroraumes zukommt und daher eine in den Augen der Finanz böse private Mitnutzung zuließe, was grundsätzlich den Verweis aus dem Paradies der Steuerabschreibposten nach sich zieht. Im Wohnungsverband liege das Arbeitszimmer dann, wenn es Teil einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses sei und über einen gemeinsamen Eingang mit den Wohnräumlichkeiten verfüge. „Die Finanz zählt sicherheitshalber ein Gartenhäuschen auch dazu“, kommentiert Braunschmid. Das geächtete Arbeitszimmer erfährt nur unter bestimmten Voraussetzungen Gnade vor der Behörde. Erstens muss es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit, also der betreffenden Einkunftsquelle, für die das Arbeitszimmer genutzt wird, bilden. Zweitens muss es nach der Art der Tätigkeit notwendig sein und drittens tatsächlich (nahezu) ausschließlich beruflich genutzt werden.

Was bei der Prüfung zählt

Bei der Prüfung des Tätigkeitsmittelpunktes zählt die Verkehrsauffassung, wo die Allgemeinheit den Mittelpunkt einer Tätigkeit sieht. „Beziehungsweise stellen die Experten im Ministerium oder Gerichtshof einfach fest, was die Allgemeinheit zu meinen hat“, so Braunschmid. Der Mittelpunkt sollte nach dem materiellen Schwerpunkt der Tätigkeit, im Zweifel nach der zeitlichen Inanspruchnahme inner- oder außerhalb des Arbeitszimmers gefunden werden.

Schwierige Konstellation

Noch schwieriger wird es, wenn sowohl eine Tätigkeit mit Arbeitszimmermittelpunkt als auch eine mit Mittelpunkt außerhalb desselben zusammentreffen und das Arbeitszimmer für beide Tätigkeiten genutzt wird. „Hier entscheidet das nachhaltige Einnahmenschwergewicht“, erklärt Braunschmid.Ärzte mit eigener Ordination haben normalerweise keine Chance, ein Arbeitszimmer im Wohnungsverband abzusetzen. Der Gutachter-Arzt ohne Ordination kann dies hingegen beanspruchen. Ein Arzt mit Ordination plus Gutachtertätigkeit in einem Arbeitszimmer kann dieses nur dann absetzen, wenn die Einnahmen aus den Gutachten höher sind als aus der Praxistätigkeit. Bei einem angestellten Arzt ohne Nebeneinkünfte ist ein Arbeitszimmer steuerlich nicht absetzbar. Nutzt ein angestellter Arzt ein Arbeitszimmer aber nahezu ausschließlich für eine Gutachtertätigkeit sowie untergeordnet für die Angestelltentätigkeit, so ist dieses Arbeitszimmer für die Gutachtertätigkeit absetzbar.

Was die Anerkennung bringt

Erfüllt ein Arbeitszimmer diese strengen Voraussetzungen, dann können alle damit zusammenhängenden Ausgaben, wie Miete, AfA, Strom, Heizung und Zinsen, aber auch die Einrichtungsgegenstände steuermindernd geltend gemacht werden. Trost für jene, die in der Realität zwar ein Arbeitszimmer brauchen, aber steuerlich nicht erhört werden, spendet Braunschmid: „Typische Arbeitsmittel wie Computer und EDV-Ausstattung sind auch abzugsfähig, wenn sie in einem nicht anerkannten Arbeitszimmer stehen.“

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