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Praxis 24. November 2005

Manche Privatausgaben sind absetzbar

Die Abschreibung von Kosten im Privatbereich wird von der Finanz normalerweise eiskalt gestrichen. Mit einer Ausnahme: Wenn sich die aufgewendeten Summen maßgeblich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auswirken.

„Bestimmte private Ausgaben sind als außergewöhnliche Belastung abschreibbar, wenn sie zwangsläufig erwachsen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen“, erklärt Mag. Wolfgang Leonhart, auf Ärzte spezialisierter Steuerberater in Wien. Die geltend gemachten Kosten müssen dabei pro Jahr den individuellen Selbstbehalt überschreiten. Dieser ist einkommensabhängig und beträgt maximal zwölf Prozent des Einkommens. Bei Behinderungen beispielsweise ist kein Selbstbehalt zu berücksichtigen.
Die Leistung des gesetzlichen Unterhalts für Kinder oder geschiedene Ehepartner ist grundsätzlich keine außergewöhnliche Belastung. Die laufenden Kosten für Kinder werden durch den Kinder- oder Unterhaltsabsetzbetrag berücksichtigt. Außergewöhnliche Belastungen liegen dann vor, wenn für den Unterhaltsberechtigten Kosten übernommen werden, die für sich gesehen eine außergewöhnliche Belastung darstellen. Darunter fallen etwa Krankheitskosten für ein Kind sowie im Falle der Notwendigkeit Kosten für eine auswärtige Ausbildung. „Derartige Aufwendungen können bei Alimentationsverpflichteten aber nur dann berücksichtigt werden, wenn sie zusätzlich zu den laufenden Alimentationszahlungen geleistet werden“, so Leonhart.

Kosten für Krankheit und Kur

Gängige Beispiele für außergewöhnliche Belastungen sind Krankheitskosten, bei bestimmten chronischen Erkrankungen gibt es einen Pauschalbetrag. Ebenso eingeschlossen sind Kurkosten, wenn der Kuraufenthalt unmittelbar im Zusammenhang mit einer Krankheit steht und aus medizinischen Gründen erforderlich ist. Dazu gehören Aufenthaltskosten, Kosten für Kurmittel und medizinische Betreuung, Fahrtkosten zum und vom Kurort, weiters Kosten für ein Alters- oder Pflegeheim, wenn sie auf Grund von Krankheit, Pflege- oder besonderer Betreuungsbedürftigkeit entstehen.

Ausgaben für Kinderbetreuung

„Aber auch Kinderbetreuung, Kosten für einen Kindergarten, eine Tagesmutter, ein Internat, ein Tagesheim, ein Kindermädchen oder eine Hausgehilfin stellen dann eine außergewöhnliche Belastung dar“, so Leonhart, „wenn sie auf Grund der Berufstätigkeit eines Alleinerziehers erforderlich sind.“ Im Falle auswärtiger Berufsausbildung ist ein Pauschalbetrag (110 Euro pro Monat) ohne Selbstbehalt als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen. Als Voraussetzung gilt, dass im Einzugsbereich des Wohnortes (im Umkreis von 80 Kilometern) keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht.
Die Beseitigung von Katastrophenschäden ist ebenfalls vom Selbstbehalt befreit, soweit diese Schäden nicht durch eine Versicherung oder aus öffentlichen Mitteln (Katastrophenfonds) gedeckt sind. Bei Behinderten vermindern Pauschalbeträge ohne Selbstbehalt das Einkommen, wenn der Grad der Behinderung mindestens 25 Prozent beträgt. Im Falle einer Behinderung können auch die Kosten einer Heilbehandlung zusätzlich zum Pauschalbetrag und ohne Kürzung durch den Selbstbehalt berücksichtigt werden. Das gilt laut Leonhart auch für behinderte Kinder.

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