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Praxis 24. November 2005

Haftungsrechtliche Risiken vermeiden

In der Ärzteschaft herrscht eine große Unsicherheit hinsichtlich haftungsrechtlicher Perspektiven, die mit dem Beruf des Arztes verbunden sind. Zugleich nimmt die Bereitschaft der Patienten, im Fall des Falles Strafanzeige zu erstatten, zu.

„Die Unsicherheit der Ärzte bezieht sich zu einem Großteil auf die zivilrechtliche Haftung und die steigenden Schadenersatzsummen, wobei sich der Hauptprozentsatz der zivilrechtlichen Arzthaftungsfälle auf die Verletzung der Aufklärungspflicht bezieht“, weiß die Juristin Dr. Karin Prutsch, Referentin zum Thema „Aufklärung und ärztliche Haftung“ beim 1. Praxismanagement-Kongress Ende Oktober in Vösendorf. Kaum eine ärztliche Aufgabe ist unter Medizinern und Juristen so umstritten, mit Unsicherheiten und Vorurteilen verbunden, wie die Pflicht, Patienten über Chancen und Risiken vorgesehener Maßnahmen aufzuklären. „Der Dauerstreit ist teilweise auch auf die bestehenden Unsicherheiten angesichts einer sich laufend erneuernden Medizin zurückzuführen“, so Prutsch. Eine gute Orientierung bieten mitunter auch ärztliche Leitlinien oder Empfehlungen. Im Brennpunkt stehen jedoch die Urteile der Gerichte mit ihrer weit über den Einzelfall hinausgehenden Bedeutung. „Die Entwicklung der Medizin findet in diesen Urteilen mit zeitlichem Abstand ein haftungsrechtliches Korrelat“, betont Prutsch.

Gefahrengeneigte Situationen rechtzeitig erkennen

Im Seminar beim Praxismanagement-Kongress werden Schwachpunkte in der Praxis aufgezeigt und an Hand von Beispielen aus der Judikatur die gegenwärtige Situa-tion in Österreich erläutert. Zielsetzung ist, Ärzte in die Lage zu versetzen, allgemein gefahrengeneigte Situationen zu erkennen und zu vermeiden. Wie erwähnt, hat die ärztliche Aufklärung einen besonderen Stellenwert. Im Seminar wird erklärt, wann, wem gegenüber und in welchem Umfang Aufklärung zu erfolgen hat und welche Ausnahmen von der Aufklärungspflicht bestehen. Von einer steigenden Zahl der ärztlichen Haftungsfälle weiß auch Dir. Wilhelm Zieger vom Basler Ärztedienst zu berichten: „Die Ärzte befinden sich in einer schwierigen Situation. Patienten neigen immer mehr dazu, beim kleinsten angeblichen Fehler eines Arztes sofort einen Rechtsanwalt einzuschalten. Nicht selten folgt sofort eine Strafanzeige.“ Als Seminarreferent versucht Zieger den Teilnehmern einen Über-blick über Bedingungen, Deckungsumfang und Ausschlüsse von Haftpflicht- und Rechtschutzversicherungen zu verschaffen. „Die Materie ist kompliziert, dadurch kennen sich naturgemäß viele Ärzte in Sachen erforderlicher Versicherungsschutz nicht aus“, so Zieger. Sein Kredo: „Der zunehmende Zeit- und Arbeitsdruck macht Ärzte anfälliger für Kunstfehler. Hierdurch steigt auch die Gefahr rechtlicher Konsequenzen. Hier kann eine optimale Absicherung mithelfen, damit nicht zusätzlich eine finanzielle Katastrophe ins Haus steht.“

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