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Praxis 24. November 2005

Strafanzeigen gegen Ärzte nehmen zu

Am 28. und 29. Oktober werden im Eventhotel Pyramide Congress Center in Vösendorf mehrere Seminare für Praxisgründer und etablierte Ärzte zu den Bereichen Steuer, Wirtschaft, Marketing und Finanzen geboten. Auch die brandaktuelle Thematik „Arzthaftung“ kommt nicht zu kurz.

Dr. Karin Prutsch, Referentin des Seminars „Aufklärung und ärztliche Haftung“, nimmt seit mehreren Monaten die Tendenz zur Verschärfung der Problematik in juristischen Angelegenheiten wahr. Prutsch ist für Arzthaftungsrecht in der Kanzlei Fritsch, Kollmann & Partner in Graz verantwortlich und bearbeitet jede Woche zwischen drei und fünf neue Arzthaftungsfälle.„Dies ist auf eine starke Zunahme an Strafanzeigen zurückzuführen“, sagt die Juristin. „Die Ärzte arbeiten nicht schlechter oder weniger sorgfältig als früher, Patienten wollen aber – unter anderem aufgrund besserer Information und Begehrlichkeit – vermehrt Körperverletzung anzeigen, wenn ihrer Ansicht nach die Behandlung nicht den notwendigen Mindeststandard hatte oder nicht indiziert war.“
So gibt es beispielsweise viele Patienten, die eine Vielzahl von Ärzten konsultieren, weil das gewünschte Ergebnis nicht eintrifft. Diese Problematik stellt sich laut Prutsch besonders beim Wahlarzt: „Der Patient will einen Erfolg sehen, wenn er bezahlt. Ansonsten entsteht Frust, und der Patient will Ersatz.“ Strafanzeigen helfen hierbei natürlich, Druck auf den Arzt aufzubauen. Prutsch empfiehlt in jedem Fall, keine Zugeständnisse zu machen oder gar Fehler zuzugeben. Zunächst muss der Patient beruhigt, Haftpflichtversicherer und ein spezialisierter Anwalt sollten informiert werden. Oft hilft eine rechtzeitige Aussprache mit dem Patienten, ihn von einer Ersatzforderung abzubringen. Durch die große Medienwirksamkeit von Kunstfehlern wird der Druck auf alle verstärkt. Dabei werden oft Fälle beschrieben, die für viele Menschen auf die eigene Situation umlegbar sind. So versucht man immer häufiger, im Arzt einen Schuldigen für teilweise schicksalhafte Krankheitsverläufe zu suchen.

Schwächen bei Dokumentation

Aufklärung ist hierbei ein großer Teilbereich der Problematik. „Diese Schwachstelle wird laut Prutsch gern aufgenommen, da man bei vielen Ärzten ein Defizit vermutet. In der Tat haben die wenigsten Ärzte eine lückenlose Dokumentation, insbesondere über die Aufklärung. Eine nicht ordnungsgemäße Dokumentation hat jedoch beweisrechtliche Konsequenzen. Das bedeutet, dass der Arzt im Prozess beweisen muss, dass er die notwendigen Maßnahmen auch getroffen hat. Prinzipiell gilt die Vermutung, dass jede nicht dokumentierte Maßnahme auch nicht gesetzt worden ist. Im Seminar erfährt der Teilnehmer, wie man sich optimal von zivil- und strafrechtlichen Risiken schützt.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 41/2005

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