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(c) laflor/Getty Images/iStockphoto
 
Praxis 18. August 2017

Breaking bad news

Kommunikation. Ob studierender oder praktizierender Arzt: Beide zeigen in Laborexperimenten deutliche Belastungsreaktionen, wenn sie schlechte Nachrichten überbringen müssen. Jeder Dritte leidet das gesamte Gespräch hindurch.

„Es tut mir leid, wir haben bei Ihnen einen Tumor gefunden“ – diese Nachricht zu überbringen, würde wohl den meisten Menschen schwerfallen. Ein solches Gespräch, Fachbegriff: „breaking bad news“, belastet auch Medizinstudierende und erfahrene Ärzte, und zwar seelisch ebenso wie körperlich. Das berichten Wissenschaftler jetzt im „International Journal of Psychophysiology“ ( Regina KatharinaStuder et al., International Journal of Psychophysiology; Volume 120, October 2017 )

Vorlesen genügt bereits

Regina Studer und ihre Kollegen vom Institut für Arbeitsgesundheit der Universitäten von Genf und Lausanne werteten sieben Laborexperimente aus, an denen mehr als 250 größtenteils Medizinstudierende, teils aber auch erfahrene Ärzte teilgenommen hatten. „Alle Studien zeigten, dass die psychische und die physiologische Aktivierung beim Überbringen schlechter Nachrichten im Vergleich zu neutralen oder positiven Mitteilungen zunahm“, so das Ergebnis der Schweizer Forscher.

Anders gesagt: Neben dem subjektiven Stresserleben seien unter anderem auch die Herzfrequenz, die Hautleitfähigkeit und der Cortisolspiegel angestiegen. Die Stresssignale traten ebenfalls verstärkt auf, wenn Medizinstudierende die „bad news“ lediglich vorlesen sollten.

In der Regel setzten die Stressreaktionen zu Beginn ein und zeigten einen von drei typischen Verläufen, wie eines der Experimente ergab. Die Art und Weise, in der die Mediziner die schlechten Nachrichten überbrachten, spielte dabei keine Rolle. So sank bei rund jedem zweiten Mediziner die körperliche Aktivierung, gemessen an der Hautleitfähigkeit, schnell wieder auf Normalniveau. Bei den übrigen nahm sie zwar ebenfalls ein Stück ab, blieb aber letztlich auf leicht oder deutlich erhöhtem Niveau.

Laut Studer und Kollegen ließ das darauf schließen, dass „rund jeder dritte eine anhaltende, deutliche Stressreaktion zeigte“. Die Befunde müssten sich allerdings noch im medizinischen Alltag bewähren.

Christiane Gelitz
, Ärzte Woche 29/34/2017

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