zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 23. November 2005

Praxissharing richtig kalkuliert

Eine durchschnittliche Kassenpraxis besteht zu mehr als 20 Prozent aus Fixkosten, bei Wahlärzten kann dieser Wert sogar bis zu einem Drittel der gesamten Ausgaben betragen. Diese Fixkosten beinhalten alle Kostenpositionen, die ständig anfallen, ganz egal, ob eine Ordination in Betrieb ist oder nicht.

In aller Regel werden Ordinationen von Kassenärzten noch alleine benutzt. Ohne Hausbesuche und administrative Tätigkeit sind deren Ordinationen oft nur 30 Stunden pro Woche in Betrieb, es muss aber rund um die Uhr geheizt, gemietet und vor allem der Ordinationskredit abgeschrieben werden.

Gruppenpraxen sind zurzeit nicht im Trend

In Wahlarztordinationen ist eine Alleinnutzung als noch kritischer zu betrachten. Oft werden weniger Stunden ordiniert, die Ausstattung ist möglicherweise auch teurer. Der Kostendruck abseits des Kassenvertrages tut das Übrige, Kooperationsmodelle in Wahlarztpraxen zu forcieren. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die vergangenen Jahre haben viel Erfahrung gebracht, was die Auswahl der richtigen Modelle und die Ausgestaltung der Vertragsdetails angeht. Grundsätzlich sind jedenfalls einige Spielarten möglich. Die Gruppenpraxis als OEG ist mittlerweile in einigen Bundesländern als mögliche Ordinationsform vorhanden, allerdings lässt der große Ansturm noch auf sich warten. Das liegt einerseits an der Stellenplanung, andererseits an der Gesellschaftsform. Einen Teil zum Unmut beigetragen haben auch die Forderungen der Kasse nach einem Honorarausgleich mit teilweise abenteuerlichen Vorstellungen. Die Ärzte-GmbH ist noch Zukunftsmusik, daher bleiben den Ärzten noch zahlreiche einfachere Kooperationsmöglichkeiten auf der Suche nach dem finanziellen und administrativen Glück. So ist grundsätzlich in jeder beliebigen Konstellation zwischen Kassenärzten und/oder Wahlärzten eine Ertragsgemeinschaft denkbar. Ertragsgemeinschaften kommen häufig in Familien vor. Alle Einnahmen und Ausgaben werden dabei in einen Topf geworfen und mit Hilfe eines geeigneten Schlüssels geteilt. Man erkennt schon, dass dies eine geeignete Form für Ordinationen im Familienverband ist. Für nicht-verwandte Partner hat diese Spielart in der Praxis derartig viele Fallen parat, dass davon abgeraten werden muss.

Verrechnungssatz über die Fixkosten kalkulieren

Bleibt die Kostengemeinschaft, die sich im Übrigen auch für Geräte in der so genannten Apparategemeinschaft verwenden lässt. Doch diese setzt gleichberechtigte Partner voraus, was wiederum Schwierigkeiten bei einem eventuellen Ausstieg bedeutet. Einfachste Form ist das Praxis-sharing in Form von Untervermietung. Ein Partner ist Besitzer einer Ordination und stellt sie einem anderen Arzt stunden- oder tageweise zur Verfügung. Der Verrechnungssatz ist über die Fixkosten schnell kalkuliert. Beispiel: Miete plus Betriebskosten für eine Ordination betragen 15.000 Euro pro Jahr, Zinsen und Abschreibung für Geräte machen weitere 9.000 Euro aus. Somit betragen die gesamten relevanten Fixkosten 24.000 Euro pro Jahr.

Es kommt eine beträchtliche Summe zusammen

Vereinfacht gerechnet macht das 2.000 Euro pro Monat, bei 20 Ordinationstagen sind das 100 Euro pro Tag in diesem Falle. Was liegt näher, als diese Räumlichkeiten um 100 Euro am ordinationsfreien Tag, um 50 Euro am ordinationsfreien Nachmittag oder einfach auf Stundenbasis um 15 Euro zu vermieten? Der Preis muss jedenfalls auch für den Mieter erträglich sein, sonst wird das Geschäft nicht zustande kommen. Wenn es gelingt, so nur 150 Euro pro Woche bei 42 Ordinationswochen pro Jahr zu lukrieren, kommen 6.300 Euro zusätzlich in die Kasse der Ordination. Und das ohne irgendwelche Zusatzkosten. Schließlich muss der Mieter seine individuellen Dinge ja ohnehin selbst finanzieren, wie beispielsweise Personal.

Genaue vertragliche Vereinbarung

Die zeitliche Nutzung solcher Modelle sollte jedoch nicht aufs Äußerste ausgereizt werden, vielmehr sollten zeitliche Reserven vorgesehen werden, damit es zu keinen Doppelbelegungen oder Überlappungen kommt. Eine möglichst genaue vertragliche Vereinbarung tut not, zumindest jedoch ein Gesprächsprotokoll über die Nutzungsbedingungen. Nur wenn möglichst alle denkbaren „Vorfälle“ im Vorhinein besprochen worden sind, lassen sich Probleme vermeiden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben