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Praxis 23. November 2005

Weniger arbeiten wird gefördert

Ist es möglich, 50 Prozent weniger zu arbeiten und dabei nur 20 Prozent weniger zu verdienen? „Für ältere MitarbeiterInnen ist das möglich, nämlich mit dem Instrument der so genannten Altersteilzeit mit Anspruch auf Altersteilzeitgeld“, weiß Horst Jünger, auf Ärzte spezialisierter Steuerberater in Innsbruck.

Das Procedere zur Beantragung einer Altersteilzeit ist einfach. Der Dienstgeber muss eine schriftliche Vereinbarung mit dem Mitarbeiter über Altersteilzeitarbeit treffen. Die mögliche Bandbreite dabei liegt bei einer Verkürzung der Vereinbarung auf 40 bis 60 Prozent der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit.

Unterschiedliche Varianten

„Die Verkürzung der Arbeitszeit kann entweder laufend oder im Block erfolgen“, erklärt Jünger. Im Block bedeutet beispielsweise die Reduktion von 40 auf 20 Stunden, wobei zweieinhalb Jahre mit 40 Wochenstunden gearbeitet wird und die restlichen zweieinhalb Jahre Zeitausgleich sind. Grundsätzlich sind unterschiedliche Varianten möglich. Nach Bewilligung erhält der Dienstgeber vom AMS das so genannte Altersteilzeitgeld. Für die Anspruchsberechtigung sind allerdings einige Voraussetzungen zu erfüllen. Altersteilzeit ist maximal über einen Zeitraum von fünf Jahren und damit frühestens fünf Jahre vor Erreichen des Regelpensionsalters möglich. Jünger: „In bestimmten Fällen gelten Sonderbestimmungen, auch eine längere Zuerkennung des Altersteilzeitgeldes ist möglich.“ Der Dienstnehmer muss weiters in den letzten 25 Jahren mindestens 780 Wochen mit Verpflichtung zur Arbeitslosenversicherung beschäftigt gewesen sein, davon mindestens die letzten drei Monate im Betrieb des derzeitigen Dienstgebers. In den letzten zwölf Monaten vor Altersteilzeitbeginn darf der Dienstnehmer nicht unter 80 Prozent der gesetzlichen oder kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit – bei Ärzten und Zahnärzten daher nicht unter 32 Wochenstunden – beschäftigt gewesen sein.

Einstellung einer Ersatzkraft

„Seit 2004 muss jedoch eine Ersatzkraft eingestellt werden“, merkt Jünger an. Diese muss weder die gleiche Arbeit verrichten noch das gleiche Entgelt erhalten, sondern lediglich „zusätzlich und nicht nur vorübergehend“ eingestellt werden und zuvor „arbeitslos“ gewesen sein. Tritt diese Ersatzkraft aus, muss eine andere Kraft eingestellt werden. Treten andere Dienstnehmer aufgrund von Kündigungen oder auch einvernehmlich aus, dann sollte vom Steuerberater überprüft werden, ob dies dem Altersteilzeitgeldbezug schadet.

Finanzielle Auswirkungen auf Dienstgeber und -nehmer

Schließlich stellt sich noch die Frage nach den finanziellen Auswirkungen. Dazu ein Beispiel: Ein Dienstnehmer mit bisheriger 40-Stundenwoche und einem Bruttogehalt von 2.000 Euro reduziert die Arbeitszeit um die Hälfte auf eine 20-Stunden-Woche. Bei Altersteilzeit erhält er brutto 1.500 Euro, also 75 Prozent seines bisherigen Gehaltes trotz der Arbeitszeitreduktion um 50 Prozent. Netto sind das sogar mehr als 80 Prozent des bisherigen Bezuges, also sicher ein gutes Geschäft. „Und der Abfertigungsanspruch bleibt auf Basis der 40-Stunden-Woche erhalten“, so Jünger. Der Dienstgeber muss die Sozialversicherungsbeiträge auf Grundlage der 40-Stunden-Woche (also von 2.000 Euro) entrichten, damit für die Pensionsberechnung des Dienstnehmers kein Verlust entsteht. Als Gegenleistung werden ihm der Lohnausgleich (im Beispiel 500 Euro) sowie die dazugehörigen Beiträge für die Sozialversicherung (SV) ersetzt. Zusätzlich erhält er noch die SV-Beiträge für die Differenz der 75-Prozent- zur 100-Prozent-Leistung, die er der GKK zahlen muss. Aber Achtung: „Wird keine Ersatzkraft eingestellt, gibt es jeweils nur die Hälfte.“ Zuständig für die Beantragung von Altersteilzeit ist das Arbeitsmarktservice. Anträge und Ausfüllhilfen gibt es unter www.ams.at oder bei Ihrem Steuerberater.

Analyse der Gesamtkosten als Entscheidungsgrundlage

Laut obigem Berechnungsbeispiel ergibt sich für den Dienstgeber eine monatliche Kostenersparnis von knapp 1.250 Euro. Man sollte allerdings bedenken, dass dafür eine Ersatzarbeitskraft eingestellt werden muss, die ebenfalls Personalkosten verursacht. Liegen die Gesamtkosten dieser Ersatzkraft monatlich unter dem ersparten Wert, dann wäre dieses Modell zu überlegen. Ein anderer denkbarer Fall ist der von Personalüberkapazitäten. Wenn Sie nicht genug Arbeit für Ihre Dienstnehmer haben, beispielsweise infolge einer Reduktion der eigenen Arbeitszeit, und dennoch niemanden kündigen wollen, dann bietet die Altersteilzeit sicher eine soziale Alternative. „Denn selbst ohne Einstellung einer Ersatzkraft und mit nur der halben Vergütung seitens des AMS spart der Arbeitgeber immer noch fast ein Drittel der Gesamtkosten des Dienstnehmers.“

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