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Praxis 23. November 2005

Kostenwahrheit bei Heizsystemen

Der eine heizt mit Öl, der andere mit Gas und der dritte mit Holzpellets. Welches Heizungssystem kommt am günstigsten? Leider gibt es auf diese oft gestellte Frage keine einfache Antwort.

Ein Preisvergleich zwischen den unterschiedlichen Heizungssystemen lässt sich nur schwer anstellen. Erstens gibt es große Preisspannen zwischen Markenherstellern und Billiganbietern. Zweitens können Systeme, die heute noch teuer sind, bei größerer Nachfrage und somit Produktionssteigerung schon bald sehr viel günstiger sein. Und drittens gibt es regional erhebliche Unterschiede. Als eine Art Gesetzmäßigkeit zeigt sich allerdings, dass jene Heizungsanlagen, die in der Anschaffung recht teuer sind, wie Pelletsheizung, Wärmepumpensystem oder Solaranlage, im Betrieb günstig kommen. Hohe Investitionskosten stehen günstigen Betriebskosten gegenüber. Genau umgekehrt ist der Fall bei Öl- und Gasheizungen: In der Anschaffung günstig, im Betrieb allerdings teuer. Im Grunde sind hier die Betriebskosten kaum kalkulierbar, da schon der nächste Weltkonflikt (oder Hurrikan) den Ölpreis in die Höhe schnellen lassen kann.

Investition minus Förderung

Möchte man die Gesamtkosten einer Heizanlage ermitteln, rechnet man zunächst die Investitionskosten zusammen. Dazu zählen alle Aufwendungen, die mit der Errichtung einer Heizungsanlage in Zusammenhang stehen, wie Kosten für Anschluss (Fernwärme, Gas), Heizanlage oder Brennstofflagerung. Von der Summe dieser Kosten sind allfällige Fördergelder abzuziehen, die von Bund, Land und Gemeinde kommen können; man spricht auch von Investitionsförderungen. Für Ölheizungen gibt es kaum Förderungen, dafür umso mehr etwa für Solaranlagen. Dann sind die Brennstoff- und Betriebskosten zusammenzuzählen, also jene Ausgaben, die bei der Bereitstellung der benötigten Wärmeenergie anfallen, wie Verbrauchskosten, Rauchfangkehrergebühr oder Wartungs- und Reparaturkosten. Erst die Addition von Investitions- und Betriebskosten führt zur Kostenwahrheit und macht einen Vergleich zwischen verschiedenen Systemen möglich.
Achten Sie bei den Geräten besonders auf den angegebenen Jahresnutzungsgrad. Egal ob Gas, Öl oder Holz – die im Brennstoff steckende Energie wird in Kilowattstunden (kWh) gemessen. Der Heizwert gibt jene Wärmemenge an, die bei der vollständigen Verbrennung entsteht. Dieser Wert ist von Brennstoff zu Brennstoff verschieden. Um einen Kostenvergleich zwischen den unterschiedlichen Energieträgern anstellen zu können, ermittelt man als gemeinsamen Wert den Preis pro Kilowattstunde. Dieser ist nun nicht nur von den jeweiligen Brennstoffpreisen, sondern auch von der Effektivität der Heizanlage abhängig. Je weniger Wärmeverluste etwa durch Brenner-Stillstandszeiten auftreten, desto besser kann die eingesetzte Energie in Raumwärme umgewandelt werden und desto besser ist der Jahres-nutzungsgrad der Anlage.
Der Jahresnutzungsgrad ist ein Gradmesser für wirtschaftliches und umweltschonendes Heizen über eine ganze Heizperiode hinweg. Je höher sein Wert, umso effizienter wird der eingesetzte Brennstoff in Wärme umgewandelt und über die Heizflächen in den gewünschten Raum abgegeben. Der Jahresnutzungsgrad liegt bei alten Anlagen bei 65 Prozent, bei modernen bei 90 Prozent.

Wenzel Müller, Ärzte Woche 40/2005

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