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Praxis 23. November 2005

Wie ein Ordinationsleitbild entsteht

„Wer als Arzt ein Ordinationsleitbild entwickeln will, sollte zunächst mit sich in Klausur gehen und einige Sinnfragen stellen“, empfiehlt Viktoria Hausegger, Spezialistin für Ärztemarketing aus Wien. Dem Leitbild folgt die Strategie zu dessen Umsetzung, eine Scheinkultur wäre kontraproduktiv.

„Früher wurden Menschen, die Visionen hatten, zum Arzt geschickt“, so Hausegger, „heute setzen Banken - mit Basel II vor Augen - voraus, dass ein Arzt langfristig plant.“ Deshalb mache es auch für Ärzte Sinn, ihre Tätigkeit zu hinterfragen: Was würde der Welt fehlen, wenn es mich und meine Ordination nicht gäbe? Worin liegt mein Beitrag, um die Welt ein wenig besser zu machen? Welche Werte sind für mich die bleibenden und treibenden? Weitere Beispiele sind Fragen nach dem beruflichen und privaten Stand in zehn, 20 oder 30 Jahren sowie die Finanzierung der Änderungen, die zur Erreichung der Wünsche notwendig sind.
Die vor gar nicht allzu langer Zeit oft noch als Spielerei bezeichnete Marketingstrategie ist heute ein konkreter Bestandteil bei Bankgesprächen. Dazu gehören auch die Grundsätze der Praxiskultur, die am besten gemeinsam mit allen Mitarbeitern erarbeitet werden. „Ein neutraler, inspirierender Ort und ein hierarchiefreier, Kreati-vität fördernder Rahmen eignen sich dazu besonders gut“, regt Hausegger an. Außerdem sollte ausreichend Zeit dafür eingeplant werden. Mit Hilfe eines externen Experten lässt sich die Diskussion meist in die richtigen Bahnen lenken. „Eine solche Investition kann nie schaden“, ist Hausegger überzeugt. „Der Arzt als Teil des Teams kann den Prozess aktiv und kreativ mitgestalten.“

Verbindliche Spielregeln

Am Ende der Diskussion werden Visionen, Mission und Werte fixiert und die Spielregeln dazu verbindlich festgeschrieben. Individuelle und zur Ordinations-Kultur passende Formulierungen sind dabei gefragt. Schmalzige Phrasen, wie „der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Schaffens“ haben da nichts verloren.

Wirkung nach innen und außen

Das Leitbild hat laut Hausegger eine werbliche Wirkung nach innen und außen. Es sollte in der Ordination sichtbar und schön gestaltet ausgehängt werden. „Hüten Sie sich aber vor einer Scheinkultur“, so die Marketingexpertin. „Wenn jeder Mitarbeiter eine Kopie des perfekt formulierten Leitbildes in die Hand gedrückt bekommt, in Wahrheit aber alles ganz anders läuft, dann ist diese Kultur nichts als eine bunt schillernde Seifenblase.“ Idealerweise beginnt der strategische Prozess mit der Formulierung von Zielen, Patienten- und Zielgruppen und Positionierung erst nach Diskussion und Definition des Ordinationsleitbildes. Dieses und die Strategie müssen regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Anlässe dafür sind, wenn einige neue Mitarbeiter an Bord gekommen sind oder größere Veränderungen, wie eine Ordinations-Gemeinschaft, anstehen. Auch anlässlich eines Jahresabschluss- oder Jahresauftakt-Meetings kann das Leitbild immer wieder hinterfragt werden, so Hausegger: „Gefällt es noch, ist der Zweck klar verständlich und kann man sich damit identifizieren?“

Der Ordination und sich selbst treu bleiben

Herrscht zwischen der persönlichen und beruflichen Wertewelt des Ordinations-Inhabers und jener seiner MitarbeiterInnen ein hohes Maß an Übereinstimmung, funktioniert es am besten. Die Ordinationskultur bestimmt schließlich den Umgang miteinander und damit auch den Umgang mit dem Patienten. Sie muss vom Arzt aktiv gelebt, gefördert und gefordert werden, denn die Mitarbeiter orientieren sich an der Führungsspitze. Ein positives Miteinander und ein wertschätzendes Klima wirken sich fördernd auf die Leistung der Mitarbeiter aus. Patienten werden dieses angenehme Klima spüren und sich beim Arzt wohl fühlen.

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