zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 23. November 2005

Der richtige Weg, fällige Honorare einzutreiben

Selbständige Ärzte haben sich immer häufiger mit dem Problem überfälliger Privathonorare zu befassen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

„Es ist nicht immer möglich, jede Behandlung sofort bar zu kassieren, was verwaltungsökonomische, aber auch andere Gründe haben kann“, meint Dr. Karl Braunschmid, Ärztesteuerberater in Linz. Insbesondere neu niedergelassene Wahlärzte wollen ihre Patienten nicht durch sofortiges Inkasso vor den Kopf stoßen. Sie geben Honorarnote und Zahlschein dem Patienten mit nach Hause oder schicken diese per Post nach. Und manchmal bleibt es dabei. Der Patient vergisst zu zahlen oder zahlt bewusst nicht. „Bevor zur schriftlichen oder telefonischen Mahnung geschritten wird, lassen viele Ärzte eine gewisse Zeit verstreichen, weil man den Patienten nicht kompromittieren will“, berichtet Braunschmid. Dieser könnte schließlich bloß vergessen haben oder durch irgendwelche Umstände verhindert gewesen sein, die Überweisung durchzuführen. „Schließlich weiß man aus eigener Erfahrung“, so der Steuerberater, „dass man über ins Haus flatternde Mahnungen nicht erfreut ist, vor allem wenn sie zu prompt kommen.“

Erster Schritt: Anrufen

Als erste Stufe des Herantretens an säumige Patienten empfiehlt Braunschmid einen Anruf. Dies sei insbesondere dann angebracht, wenn man einen anderen, am besten einen medizinischen Grund für den Anruf in den Vordergrund stellen kann. Führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, muss man dem Patienten schriftlich mitteilen, dass man die Zahlung erwartet. Üblich sind dafür zwei bis drei Mahnstufen mit unterschiedlichen Texten. Das erste Mahnschreiben sollte noch sehr höflich sein und wird meist Zahlungserinnerung genannt. „Abschließend sollte der Hinweis erfolgen“, rät Braunschmid, „das Schreiben als gegenstandslos zu betrachten, wenn die Zahlung in der Zwischenzeit erfolgt ist und sich Erinnerungsschreiben und Überweisung auf dem Postweg gekreuzt haben.“ Das zweite Schreiben wird meist schon ernst abgefasst und nimmt Bezug auf das erste. Sollte die zweite Mahnung wieder fruchtlos bleiben, ist noch eine dritte Zahlungsaufforderung üblich: am besten eingeschrieben, mit Fristsetzung und Mahngebührenverrechnung. Dazu kommt der Hinweis, dass bei nicht fristgerechter Bezahlung weitere kostenpflichtige Eintreibungsschritte gesetzt werden. Nach Braunschmids eigener Erfahrung war ein Brief seiner Steuerberatungskanzlei statt des dritten Mahnschreibens des Arztes oft von Erfolg gekrönt. Wenn ein Eintreibungsbüro beauftragt wird, sollten Vorgehensweise und vor allem Kosten vorher besprochen werden. Die professionellen „Eintreiber“ bieten unterschiedliche „Härte-grade“ beim Vorgehen und Kostenfreiheit für den Auftraggeber an. Meist genügt das Übersenden eines Auftragsformulars mit Kopie der Honorarnote. Das Eintreibungsbüro berichtet in der Folge nach vereinbarter Zeit oder überweist den bereits eingelangten Rechnungsbetrag. Vor Weitergabe des Auftrages durch das Büro an einen Anwalt zwecks Einbringung einer Klage bei Gericht empfiehlt Braunschmid, eine gesonderte Zustimmung von Seiten des Arztes zu vereinbaren. Wer in zunehmendem Maße mit unbezahlten Privathonoraren zu kämpfen hat, sollte sich einen Systemwechsel auf Barzahlung überlegen, eventuell mit einer Bankomatkassa in der Ordination.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben